Börsenschluss Brodelnde Gerüchteküche

Schlechte US-Konjunkturdaten und deutliche Kursverluste bei Siemens haben den Dax am Dienstag ins Minus gedrückt. Für Bewegung sorgten einmal mehr Gerüchte um den Münchener Technologiekonzern: Demnach sucht Siemens einen neuen Chef und Wolfgang Reitzle soll im Gespräch sein.

Frankfurt am Main - Die wichtigsten deutschen Aktienindizes haben am Dienstag nach einem ruhigen Geschäft mit Verlusten geschlossen. Der Leitindex Dax  ging von Verlusten bei Schwergewichten wie Siemens  belastet 0,89 Prozent schwächer bei 7270,32 Punkten aus dem Handel. Der MDax  verlor 1,08 Prozent auf 10.584,12 Zähler und der TecDax  gab 1,37 Prozent auf 879,99 Punkte nach.

"Wir haben eine kleine Korrektur gesehen, die überfällig war", kommentierte Marktstratege Christian Schmidt von der Helaba das Marktgeschehen. Die Abwärtsbewegung habe sich nach den schwachen US-Konjunkturdaten noch beschleunigt. "Allerdings zeigt sich der Markt technisch in einer guten Verfassung. Bei einigen Werten sieht man, dass Anleger Kursrückgänge offenbar zum Einstieg genutzt haben", erklärte der Experte die Erholung, durch die der Dax in der letzten Handelsstunde die zusätzlichen Verluste nach den Konjunkturzahlen wieder wettgemacht hatte. Zudem habe der US-Markt sich relativ gut gehalten.

In den USA reagierte die Wall Street zunächst enttäuscht auf einen Rückgang des Verbrauchervertrauens im April. Der Dow Jones  gab in den ersten Handelsstunden 0,01 Prozent auf 12.918,83 Zähler nach. Im weiteren Verlauf erholte sich der Index für 30 Industriewerte etwas und notierte am Abend bei 12.938,01 Punkten. In Japan agierten die Anleger den zweiten Tag in Folge angesichts der bevorstehenden Veröffentlichung von wichtigen Quartalszahlen vorsichtig. Der Nikkei  gab 0,02 Prozent auf 17.451,77 Punkte nach.

Für Verunsicherung bei den Anlegern sorgten Spekulationen über eine Ablösung von Siemens-Chef Klaus Kleinfeld. Die Aktie des in einen Korruptionsskandal verstrickten Technologiekonzerns  fiel um 2,9 Prozent und übernahm damit die rote Laterne im Dax. "Da stellt man sich die Frage, weswegen Kleinfeld ausgewechselt werden soll", sagte ein Händler. "Eigentlich hat er doch einen guten Job gemacht."

Der Aufsichtsrat zögert nach Angaben aus dem Umfeld des Kontrollgremiums bei der Vertragsverlängerung von Kleinfeld. Zunächst solle definitiv geklärt werden, ob der Vorstandschef in die Schmiergeldaffäre verstrickt sei. Der Konzern bekräftigte, dass der Aufsichtsrat am Mittwoch über die Zukunft von Kleinfeld entscheiden werde. Spekulationen, Linde-Chef Wolfgang Reitzle könnte für Kleinfeld auf den Siemens-Chefsessel rücken, wies ein Sprecher des Industriegasekonzerns  zurück.

Verkauft wurden auch Werte aus dem Finanzsektor, die in den vergangenen Wochen auf Grund von Übernahmefantasien gefragt waren. Die Aktien der Commerzbank  büßten 2,6 Prozent ein. Die Titel der Deutschen Börse  verloren 2,2 Prozent. Der nordeuropäische Börsenkonzern OMX konnte seinen Gewinn im ersten Quartal weniger stark steigern als von Analysten erwartet. Zudem hielt sich der Betreiber der Börsen in Stockholm, Helsinki, Kopenhagen, Reykjavik und den baltischen Staaten mit Aussagen über Kooperationen mit anderen Börsen bedeckt.

Euro nah an Rekordhoch

Euro nah an Rekordhoch

Für Infineon  ging es indes als Spitzenreiter um 1,85 Prozent auf 11,54 Euro hoch. Händler verwiesen auf Spekulationen um ein Angebot für die Speicherchip-Tochter Qimonda  als Antrieb. "Angeblich soll Seagate interessiert sein und 6,1 Milliarden Dollar für Qimonda bieten", sagte ein Händler. Ein weiterer Börsianer warf unterdessen ein, dass Infineon erst ein Jahr nach dem Börsengang von Qimonda im August 2006 eine Platzierung oder einen Verkauf seiner Anteile durchführen dürfe.

MAN  gewannen von positiven Zahlen eines Konkurrenten angetrieben 0,9 Prozent auf 94,50 Euro - zwischenzeitlich sprang die Aktie bis auf 95,99 Euro hoch. Händler verwiesen darauf, dass der US-Lastwagenhersteller Paccar  mit seinem Quartalsgewinn die Analystenerwartungen deutlich übertroffen hat. Dies schüre Hoffnungen, dass der deutsche Konkurrent seinen Ausblick anheben könnte.

In der zweiten Reihe gaben Hochtief  am MDax-Ende um 3,81 Prozent auf 78,05 Euro nach. Händler verwiesen darauf, dass die Titel spanischer Immobilien- und Bauwerte deutlich unter Druck geraten sind. Auslöse seien Schwierigkeiten des Immobilienunternehmens Astroc Mediterraneo. Es könne gut sein, dass dies auf die deutschen Immobilien- und Bauwerte übergreife. Zusätzlich sei einer der neuen Großaktionäre von Hochtief - Actividades de Construccion y Servicios (ACS)  - aus Spanien.

Die MTU-Aktie  legte dagegen um 0,59 Prozent auf 44,32 Euro zu. Händler verwiesen auf positive Analystenstimmen nach den Zahlen vom Vortag. JP Morgan hat das Kursziel um 5 Prozent auf 46 Euro angehoben und die Einschätzung "Neutral" bestätigt. Das erste Quartal sei stark ausgefallen, so die Analysten. Auch die Deutsche Bank hat das Kursziel für den Triebwerkshersteller von 46 auf 49 Euro erhöht und die Einschätzung "Buy" bekräftigt.

Im TecDax notierten Epcos  nach negativen Studien 4,12 Prozent schwächer bei 14,18 Euro und waren damit Schlusslicht. Goldman Sachs hat die Aktie mit Verweis auf den jüngsten Kursanstieg mit "Buy" bestätigt, sie aber von ihrer "Convinction Buy"-Liste genommen. Die Deutsche Bank senkte das Papier von "Hold" auf "Sell" bei einem Kursziel von 12,50 Euro.

Der Euro  legte gegenüber dem Dollar zu. Der Referenzkurs der Gemeinschaftswährung wurde am Nachmittag mit 1,3582 Dollar festgesetzt nach 1,3557 Dollar am Vortag. Bis zum Abend legte der Euro weiter zu auf 1,3621 Dollar.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx, ap und reuters

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