Börsenschluss Schneller Wechsel

Binnen Minuten kehrte der Dax am Dienstag aus der Verlust- in die Gewinnzone zurück. Auslöser: Die Bekanntgabe der US-Verbraucherdaten, die keine Hinweise auf Inflationstendenzen enthielten. Zerstreute Sorgen ließen die Kurse steigen - auch in den USA.

Frankfurt am Main - Die Aussicht auf zumindest stabile Leitzinsen in den USA nach Bekanntgabe jüngster Preisdaten hat die Kurse am deutschen Aktienmarkt am Dienstag nach oben gezogen. Der Dax  baute seine Verluste innerhalb weniger Minuten ab und kletterte am Nachmittag zeitweise bis auf 7365 Punkte, dem höchsten Stand seit September 2000. Den Handel beendete der Leitindex 0,15 Prozent im Plus bei 7348,83 Zählern.

Der MDax  sank um 0,3 Prozent, der TecDax  gewann 0,5 Prozent hinzu. Börsianer machten für die positive Entwicklung an den Märkten die Zahlen zur Entwicklung der Teuerungsrate in der weltgrößten Volkswirtschaft verantwortlich. "Die US-Preisdaten haben keine negative Überraschung gebracht und damit Spekulationen über steigende US-Zinsen gedämpft", sagte ein Händler.

In den USA waren im März die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vormonat - bereinigt um Energiekosten und andere schwankungsanfällige Bereiche - nur um 0,1 Prozent gestiegen. Das war weniger als von Experten erwartet. Analysten werteten dies als Indiz, dass der Inflationsdruck in den USA geringer ist als befürchtet. Zudem wurden mehr Häuser neu gebaut als gedacht. Die Ängste der Anleger vor einer Krise am Immobilienmarkt wurden so abgebaut.

Ein unerwartet deutlicher Anstieg des ZEW-Konjunkturindex, der die Erwartungen der Finanzmarkt-Profis an die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland misst, hatte am Vormittag dem Aktienmarkt noch keine Impulse gegeben. Einige Börsianer sehen den jüngsten Dax-Anstieg - der Leitindex hat in den vergangenen vier Wochen rund 14 Prozent zugelegt - allerdings durchaus skeptisch. "Die jüngste Bewegung nach oben ist doch etwas übertrieben", sagte ein Händler.

Adidas und T-Aktie liegen vorn

An die Spitze der Dax-Gewinner setzten sich mit einem Plus von 2,7 Prozent auf 45,10 Euro die Papiere des Sportartikelherstellers Adidas . "Angeblich ist eine Beteiligungsgesellschaft an Adidas interessiert", sagte ein Händler. Auf dem Börsenparkett machte der Name Apax die Runde, die angeblich 50 Euro je Adidas-Anteilsschein bieten wollten. Ein Apax-Sprecher wollte sich zu den Spekulationen nicht äußern.

Gefragt waren auch die Titel von Volkswagen , die 1,8 Prozent gewannen. Händler hatten zunächst keine Erklärung. "Vielleicht stockt Porsche  seinen VW-Anteil weiter auf", sagte ein Börsianer. Eine weitere Erklärung ist der Absatzrekord, den der Konzern im ersten Quartal 2007 erreichte, knapp 1,5 Millionen Neuwagen wurden weltweit verkauft. Telekom-Aktien schlossen 0,75 Prozent im Plus. Sollte im Streit mit der Gewerkschaft Verdi um die Ausgliederung von bis zu 50.000 Mitarbeitern in konzerneigene Gesellschaften kein Kompromiss gefunden werden, drohte die Deutsche Telekom , Teile der Gesellschaften zu verkaufen.

Gea verliert, Premiere legt zu

Verlierer gab es im Finanzsektor, der aufgrund von Übernahmespekulationen am Vortag noch stark gefragt war. Die Titel der Postbank  gaben 1,6 Prozent nach, die Anteilsscheine der Commerzbank  verloren 0,1 Prozent. Die rote Laterne im Dax übernahm Henkel  mit einem Kursrückgang von zwei Prozent auf 112,65 Euro. Die Titel des Konsumgüterherstellers wurden mit einem Dividendenabschlag von 1,50 Euro je Anteilsschein gehandelt.

Der MDax konnte seine Verluste nicht ganz aufholen und beendete den Handel 0,3 Prozent tiefer bei 10.693 Punkten. Zu den größten Verlierern zählten die Aktien von Gea Group  mit einem Abschlag von 2,9 Prozent. Der Bochumer Konzern hatte den Verkauf seiner Großanlagenbau-Tochter Lurgi für 550 Millionen Euro an den französischen Industriegase-Hersteller Air Liquide  bekannt gegeben. Manche Anleger hätten auf einen höheren Preis gehofft und daher nun Gea-Titel abgegeben, sagte ein Händler.

Eine Kauf-Empfehlung der Deutschen Bank  trieb dagegen die Aktien des Bezahlfernsehsenders Premiere  um 6,9 Prozent auf 17,23 Euro nach oben. Auch die Papiere von Vossloh  waren gefragt und legten um zwei Prozent auf 74,74 Euro zu. Die Analysten von ABN Amro  erhöhten das Kursziel für den Verkehrstechnikkonzern auf 77,50 von 54,50 Euro.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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