Börsenschluss Dax springt über 7300 Punkte

Dax & Co. sind gut in die neue Handelswoche gestartet. Dank Übernahmespekulationen hat der deutsche Leitindex erstmals seit September 2000 den Stand von 7300 Punkten erreicht. Vor allem Bankaktien waren gefragt.

Frankfurt am Main - Angetrieben von Übernahmefantasie und positiven US-Vorgaben ist der Dax  am Montag auf Klettertour gegangen. Der Leitindex erklomm die 7300-Punkte-Hürde und gewann bis zum Abend 1,75 Prozent oder 125,99 Punkte auf 7338,06 Zähler. Der MDax  mittelgroßer Werte stieg um 1,19 Prozent auf 10.722,70 Punkte. Das Technologie-Barometer TecDax  gewann 2,01 Prozent auf 894,59 Punkte.

Marktbeobachter verfolgten den rasanten Anstieg des Dax mit Skepsis: "Der Index hat charttechnisch zwar Luft nach oben, aber es geht viel zu schnell", sagte ein Börsianer. "Sollte es in den kommenden Tagen zu einer saftigen Korrektur kommen, würde es mich nicht wundern." Potenzielle Belastungsfaktoren wie der starke Euro  würden derzeit verdrängt. Zudem starteten die US-Börsen nach positiv aufgenommenen Konjunkturdaten am Montag freundlich und gaben deutschen Aktien weiteren Antrieb.

Aktien von Metro  gewannen dank einer positiven Analystenstudie an der Dax-Spitze 5,18 Prozent auf 55,63 Euro. Die Crédit Suisse stufte die Titel des Einzelhandelskonzerns aus Bewertungsgründen von "Neutral" auf "Outperform" hoch und hob das Kursziel für die Aktien von 44 auf 60 Euro. Nach der relativ schwachen Kursentwicklung seit den Zahlen für das Geschäftsjahr 2005/2006 sehen die Analysten die Bewertung der Anteile des Einzelhandelsunternehmens auf einem Minimum. Positiv stimme auch die Fantasie auf weiteres Potenzial aus der Restrukturierung des Konzerns sowie die Werte im Immobilienbesitz des Handelskonzerns.

Finanzwerte zählten in Erwartung eines möglichen Bieterstreits um ABN Amro  zu den Favoriten. Die Royal Bank of Scotland , Santander  und Fortis  platzten in die Fusionsgespräche um das niederländische Kreditinstitut und wollen den Konkurrenten womöglich untereinander aufteilen. Der Vorstoß bringt die Kaufpläne der britischen Bank Barclays  durcheinander. Im Dax legten daraufhin Aktien der Commerzbank  3,86 Prozent auf 35,51 Euro zu. Laut Händlern ist dies traditionell der erste Titel, der bei Übernahmefantasie ins Laufen kommt. Titel der Deutschen Bank  legten 3,45 Prozent auf 108,56 Euro zu, Postbank-Aktien  gewannen 2,81 Prozent auf 67,35 Euro.

Siemens-Aktien  verteuerten sich um 2,72 Prozent auf 88 Euro. Der Konzern hält trotz des Interesses von Konkurrenten und Finanzinvestoren an einem Börsengang des Autozulieferers VDO fest. "Wir haben ganz klar gesagt: Siemens VDO ist ein sehr wertvolles Geschäft, das sieht man auch an dem großen öffentlichen Interesse daran, und ein Wachstumsgeschäft", sagte Siemens-Chef Klaus Kleinfeld dem Nachrichtensender n-tv. Damit reagierte er auf einen Bericht der "Financial Times Deutschland", in dem es hieß, Siemens forciere einen möglichen Komplettverkauf der Autozulieferer-Tochter als Alternative zu einem Börsengang.

Aktien von Henkel  verbesserten sich um 3,8 Prozent. Der Düsseldorfer Waschmittel- und Kosmetikkonzern hatte auf der Hauptversammlung einen Aktiensplit angekündigt. Dagegen büßte der Autobauer BMW  mit einem Rückgang von 1,11 Prozent am deutlichsten ein.

Der Euro  schickte sich derweil an, sein bisheriges Allzeithoch von 1,3667 Dollar (Dezember 2004) zu übertreffen. Am Mittag kostete ein Euro zeitweise rund 1,3560 Dollar. Am Nachmittag wurde der Referenzkurs mit 1,3550 Dollar zwar etwas niedriger angesetzt. Er lag aber deutlich über dem Kurs vom vergangenen Freitag von 1,3532 Dollar.

Die US-Börse startete ebenfalls schwungvoll in die neue Handelswoche. Die Quartalsergebnisse der Citigroup (Kurswerte anzeigen), die besser ausfielen als erwartet, und ein Anstieg des Privatkonsums beflügelten die Stimmung an der Wall Street. In den ersten Handelsstunden stieg der Dow Jones  0,53 Prozent auf 12.678,52 Zähler. Bis zum Abend knackte das Börsenbarometer für 30 Industriewerte sogar die Marke von 12.700 Punkten.

Die Titel von Klöckner & Co.  verteuerten sich an der MDax-Spitze um 4,30 Prozent auf 48,50 Euro. Der Stahlhändler übernimmt das amerikanische Distributionsunternehmen Primary Steel LLC. Mit diesem Zukauf baut die KlöCo ihre US-Aktivitäten mit einem Umsatzzuwachs von mehr als 60 Prozent deutlich aus. In einer ersten Reaktion auf den Zukauf hat die Deutsche Bank das Kursziel von 50 auf 57 Euro angehoben und die Aktie mit "Buy" bestätigt.

Im TecDax sprangen Aktien von GPC Biotech  um 5,13 Prozent auf 22,54 Euro nach oben. Die US-Gesundheitsbehörde hat das Krebsmittel Satraplatin des Biotechnologie-Unternehmens zur Zulassungsprüfung angenommen. Satraplatin habe den Status "Priority Review" erhalten und werde innerhalb von sechs Monaten geprüft. Händler äußerten sich in einer ersten Reaktion positiv.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und ap

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