Börsenschluss Freudloser Handelstag

Am deutschen Aktienmarkt hat der Dax am Mittwoch 0,6 Prozent verloren. Händler machten den gestiegenen Ölpreis und die schwächer als erwartet ausgefallenen US-Konjunkturzahlen für den Abgabedruck verantwortlich.

Frankfurt am Main - Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben zur Wochenmitte einen freudlosen Handelstag überstehen müssen. Auf die Stimmung vieler Investoren schlugen der zeitweilige Anstieg des Ölpreises auf den höchsten Stand seit einem halben Jahr, schwache Konjunkturdaten aus den USA und eher negative Kommentare von US-Notenbankchef Ben Bernanke.

Dazu kamen Kursverluste an der Wall Street und beim Börsen-Schwergewicht Siemens , das offenbar noch tiefer als gedacht in einen Korruptionsskandal verstrickt ist. Der Dax  schloss 0,6 Prozent im Minus bei 6817 Punkten, nachdem er zuvor auf knapp 6790 Zähler abgerutscht war. Der MDax  verlor 0,8 Prozent auf 9965 Zähler und schloss erstmals seit einer Woche wieder unter 10.000 Punkten. Der TecDax  ging 1,4 Prozent tiefer bei 831 Punkten aus dem Geschäft.

Auch aus Angst vor einer Eskalation des Streits mit dem Iran ließen Börsianer Vorsicht walten. Großbritannien hat dem Land eine härtere Gangart angedroht, wenn die seit einigen Tagen festgehaltenen britischen Soldaten nicht freikämen. "Es würde mich nicht wundern, wenn die Kurse deswegen noch einmal ordentlich nachgeben. Viele haben durchaus Angst", sagte ein Händler.

Die Furcht vor einem möglichen Militärangriff trieb auch den Ölpreis nach oben. Das schwarze Gold kostete kurzfristig mehr als 68 Dollar pro Fass - so viel wie seit einem halben Jahr nicht mehr. Der Ölpreis bröckelte danach zwar wieder etwas ab, bewegte sich jedoch weiter auf hohem Niveau. Ein Fass der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Mai kostete 66,15 Dollar und damit eineinhalb Dollar mehr als am Vortag.

Die Aktie des Elektronikkonzerns Siemens zählte mit einem Minus von 2,3 Prozent zu den größten Verlierern im Dax. Im Zusammenhang mit dubiosen Millionenzahlungen war am Dienstag Zentralvorstand Johannes Feldmayer festgenommen worden. Die Nürnberger Staatsanwaltschaft wirft dem Manager und weiteren Siemens-Mitarbeitern Untreue vor. "Bei Siemens wandern die Vorfälle jetzt in die Chefetage hoch. Da sind die Leute natürlich vorsichtig", kommentierte ein Händler.

Für die Aktie von Volkswagen  ging es um 2,6 Prozent auf 110,50 Euro nach unten. Der Sportwagenhersteller Porsche hat das angekündigte Übernahmeangebot für den Wolfsburger Autokonzern vorgelegt - Porsche-Papiere  verloren 4,1 Prozent auf 1158,21 Euro. Wie erwartet beinhaltet die Offerte nur das gesetzlich festgelegte Mindestangebot, das unter dem aktuellen VW-Kurs liegt.

Im Kleinwerteindex SDax  sackte die Aktie des Elektronikgroßhändlers Medion  bis zu 5,5 Prozent ab. Das Unternehmen schrieb angesichts drastisch sinkender Umsätze im vergangenen Jahr erstmals in seiner Geschichte tiefrote Zahlen und vergraulte damit die Anleger. "Die Zahlen waren katastrophal. Wenn die Umsätze einbrechen, wo soll da noch was herkommen?", kommentierte ein Börsianer.

Auch die Papiere des Handyausrüsters Balda  mussten zu Handelsbeginn mit Verlusten kämpfen, nachdem die Firma ihre Bilanz vorgelegt hatte. Die Aktie verlor bis zu 8 Prozent, erholte sich dann aber wieder. "Insgesamt lagen die Zahlen im Rahmen der Erwartungen. Es gab aber so gar nichts Neues, was der Aktie hätte helfen können", sagte ein Händler.

Solarworld  standen nach Vorlage von Geschäftszahlen deutlich unter Druck und waren mit einem Minus von bis zu 4,5 Prozent größter Verlierer im TecDax. "Die in Aussicht gestellten Wachstumsraten für 2007 liegen unter denen des Vorjahres, und das gefällt dem Markt natürlich nicht", sagte ein Händler. Das Solarunternehmen hat für 2007 ein Umsatzwachstum von etwa 20 Prozent in Aussicht gestellt, 2006 hatte die Firma ein Umsatzplus von 45 Prozent verbucht.

Salzgitter  übernahmen mit einem Minus von bis zu 4 Prozent über weite Strecken die rote Laterne im MDax. Händler verwiesen auf einen Bericht, wonach das Land Niedersachsen den Stahlhersteller dauerhaft vor feindlichen Übernahmen schützen wolle. Vor diesem Hintergrund konnte auch die Nachricht von einer Verdopplung der Dividende die Anleger nicht locken.

manager-magazin.de mit Material von dpa, reuters

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