Börsenschluss Dax macht 140 Punkte gut

Der Dax konnte am Donnerstag deutliche Kursgewinne verbuchen und ging bei 6857 Zählern mit einem Plus von 2,2 Prozent aus dem Handel. Vor allem Finanzwerte waren nach Spekulationen auf eine Zinssenkung gefragt.

Frankfurt am Main - Die Hoffnung auf eine Zinssenkung in den USA hat deutsche Anleger am Donnerstag verstärkt zu Aktienkäufen veranlasst. Der Dax  beendete den Xetra-Handel 2,2 Prozent im Plus bei 6857 Punkten. "Es sieht ganz danach aus, als ob die Fed noch in diesem Jahr die Zinsen senken wird", kommentierte ein Händler die Aussagen der US-Notenbank (Fed) vom Vorabend.

"Das ist zunächst einmal eine positive Nachricht. Die Kehrseite dieser Medaille wird derzeit bislang aber ignoriert: Denn eine Zinssenkung würde auch bedeuten, der US-Konjunktur geht es schlechter und die Notenbank muss gegensteuern." Die Fed hatte im Begleitkommentar zu ihrer Zinsentscheidung überraschend auf den zuletzt üblichen Hinweis verzichtet, eine anziehende Inflation könnte Zinserhöhungen notwendig machen. Den Schlüsselsatz beließ sie wie erwartet bei 5,25 Prozent.

Ein anderer Börsianer erklärte das Kursplus der deutschen Aktien zusätzlich mit einer technischen Reaktion. "Anleger scheinen langsam zu realisieren, dass sich das Szenario weiter fallender Kurse in Luft auflöst." Die Einbrüche der vergangenen Wochen seien übertrieben gewesen, der Markt habe die Talsohle durchschritten. Investoren, die auf einen erneuten Rutsch gesetzt hätten, seien daher gezwungen, wieder in den Markt einzusteigen.

Zu den Favoriten das Tages zählten einmal mehr Banken und Versicherungen. "Die Finanzwerte hatten besonders unter der Angst vor einer US-Immobilienkrise zu leiden, jetzt holen sie auf", sagte ein Händler. Börsianer machten außerdem die anhaltende Übernahmefantasie in der Branche für die Rally der vergangenen Tage verantwortlich. Auslöser sind die Übernahmeverhandlungen zwischen der britischen Barclays  und der niederländischen ABN Amro .

Die Aktien der Allianz  setzten sich mit einem Plus von 3,7 Prozent auf 156,70 Euro an die Spitze der Dax-Gewinnerliste. Die Titel der Deutschen Bank  verteuerten sich um 2,8 Prozent auf 100,28 Euro. Die Papiere der Commerzbank , die seit Jahren in regelmäßigen Abständen als Übernahmeziel gehandelt wird, zogen um 2,9 Prozent auf 32,81 Euro an.

Spekulationen auf eine baldige Trennung von der defizitären US-Tochter Chrysler gaben DaimlerChrysler  Auftrieb. Die Titel des deutsch-amerikanischen Autoherstellers legten 2,4 Prozent auf 58,37 Euro zu. Ähnlich wie bei den Banken erklärten Händler das Kursplus der Siemens-Aktien  mit Nachholbedarf. "Es wird gekauft, was billig ist", sagte einer von ihnen. Die Papiere des Münchener Technologiekonzerns stiegen um 3,3 Prozent auf 82,35 Euro.

Im Nebenwerteindex MDax  stachen die Aktien von Wincor Nixdorf mit einem Plus von bis zu 7,7 Prozent heraus. Da das Papier durch einen Aktiensplit im Verhältnis 1:2 optisch deutlich billiger sei, erhöhe sich seine Attraktivität - vor allem für Kleinanleger, sagten Händler. Wincor-Papiere schlossen mit 5,5 Prozent im Plus bei 72 Euro.

Das Schlusslicht bildete dagegen Patrizia . Die Aktien der Immobilienfirma rutschten um weitere 5,2 Prozent auf 18,67 Euro ab. Nach der mit Enttäuschung aufgenommenen Bilanz vom Vortag hatten die Analysten von JP Morgan die Titel heruntergestuft.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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