Börsenschluss Märkte bleiben nervös

Die Krise des US-Immobilienmarktes zieht die internationalen Aktienmärkte weiter abwärts. Die New Yorker Börse erholte sich am Abend wieder leicht. In Frankfurt zeigten die Kurse zum Handelsschluss aber deutlich nach unten.

Frankfurt am Main - Die New Yorker Wall Street hat sich am Mittwoch von anfänglichen Verlusten erholt. Der gestiegene Ölpreis fachte das Interesse der Anleger an Aktien der Energiebranche an. Der Dow-Jones-Index  fiel zunächst unter die Marke von 12.000 Punkten, drehte aber bis 20 Uhr MEZ 0,4 Prozent ins Plus auf 12.122 Punkte. Der Nasdaq Composite  stieg um 0,6 Prozent auf 2365 Zähler. Am Vortag hatte der Dow Jones den zweitgrößten Verlust in knapp vier Jahren erlebt.

Der deutsche Leitindex Dax  verlor fast 180 Punkte und schloss mit einem Minus von 2,7 Prozent bei 6448 Zählern. Der MDax  verringerte sich um 3,0 Prozent auf 9372 Punkte und der TecDax  gab 3,3 Prozent auf 790 Zähler ab. Vor allem als die US-Börsen ihre Auftaktgewinne aufzehrten und ins Minus drehten, erhöhte sich der Abgabedruck auch hier zu Lande.

In Frankreich verlor der CAC 40  1,5 Prozent, der FTSE  in London gab 1,5 Prozent nach. An der Börse in Tokio verlor der Nikkei-Index  2,98 Prozent auf 16.667 Punkte. Auch die Börsen in Südkorea, Hongkong, China und Malaysia gaben allesamt mehr als 3 Prozent nach. An den internationalen Aktienmärkten herrscht bereits seit zwei Wochen große Nervosität.

Der Euro  notierte am Abend fester bei 1,3232 Dollar, nachdem die Europäische Zentralbank am Nachmittag einen Referenzkurs von 1,3183 Dollar festgestellt hatte. Der Handel sei vor allem technisch getrieben, hieß es. Das unterhalb der Erwartung ausgefallene US-Leistungsbilanzdefizit hätte eigentlich den Dollar unterstützen müssen.

"Die Kursverluste am Aktienmarkt sind Zeichen erhöhter Nervosität. Von Panik würde ich nicht sprechen", sagte Aktienexperte Dennis Nacken von der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors. Die zweite Abwärtswelle nach der scharfen Korrektur Ende Februar/Anfang März wird Händlern zufolge von der Angst eines Zusammenbruchs des US-Immobilienmarkts getrieben.

Einige US-Hypothekenbanken hatten in der Vergangenheit viel Geld an finanzschwache Verbraucher verliehen und sitzen nun auf faulen Krediten. Die Ausfälle der Branche bei Immobilienkrediten an Schuldner mit geringer Bonität hatte im vergangenen Quartal einen Rekordstand erreicht. Die zweitgrößte Hypothekenbank für zahlungsschwache Verbraucher in den USA, New Century , geriet in schwere finanzielle Turbulenzen, die New Yorker Börse (Nyse) nahm die Aktie am Dienstag sogar vom Kurszettel. Auch Konkurrent Accredited Home erklärte, man brauche frisches Geld. Andererseits meldete der Branchenverband MBA, die Nachfrage nach Hypothekendarlehen sei wieder gestiegen. Als Grund wurde das zuletzt gesunkene Zinsniveau genannt.

Nach Aussage von Börsianern fürchten die Anleger, dass die von der Schieflage einiger Hypothekenbanken in den USA ausgelösten Probleme auf die internationale Finanzwelt übergreifen könnten. Es könnte ein Teufelskreis in Gang kommen, warnte ein Händler. Die von der Pleite bedrohte US-Hypothekenbank New Century steht außer bei einer Tochter der Deutschen Bank  auch bei der Citigroup , der Bank of America , Goldman Sachs  und Credit Suisse  in der Kreide. Die britische Barclays Bank  forderte am Mittwochabend, New Century solle einen Kredit über 900 Millionen Dollar sofort zurückzahlen. Das könnte die Hypothekenbank dem Bankrott näher bringen.

Zudem könnten die Schwierigkeiten im US-Immobilienmarkt den Konsum der Amerikaner bremsen. "Eine Krise des Konsums wäre schlecht für die US-Konjunktur und das wäre wiederum nicht gut für die Weltwirtschaft", sagte Tobias Basse, Marktstratege bei der NordLB. Für zusätzliche Nervosität am deutschen Aktienmarkt sorgte der am Freitag anstehende große Verfallstermin an den Terminmärkten. "Einige Kursbewegungen haben eindeutig mit dem Verfall am Freitag zu tun", erklärte ein Händler. Viele Anleger versuchten vor einem Verfallstermin die Kurse in eine für sie günstige Richtung zu bringen.

Finanzwerte sind Verlierer in Deutschland

Finanzwerte sind Verlierer in Deutschland

Stärkster Verlierer im Dax waren die Finanzwerte. Allen voran verbilligten sich Titel der Deutschen Bank  um 5,1 Prozent auf 91,50 Euro. Allianz-Aktien  gaben 4,2 Prozent auf 148,26 Euro nach. Die Titel der Commerzbank  verloren 2,7 Prozent auf 30 Euro. Allerdings beschrieben die meisten Händler die Verluste als übertrieben. "Das ist gar nicht das Geschäftsmodell der deutschen Banken, das ist überhaupt nicht gerechtfertigt", sagte ein Börsianer mit Blick auf die Turbulenzen am US-Immobilienmarkt.

Aktien von ThyssenKrupp  verzeichneten Abschläge von 3,7 Prozent auf 35,28 Euro und Siemens  von 3,1 Prozent auf 76,78 Euro. Den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate  konnten selbst deutlich verbesserte Ergebniszahlen aus dem vergangenen Jahr nicht retten, die Aktien verbilligten sich um 2,9 Prozent auf 44,77 Euro. Auch der Autobauer BMW  konnte die Anleger mit einem in Aussicht gestellten Rekordjahr 2007 im operativen Geschäft nicht locken. Die Aktien verloren drei Prozent auf 40,52 Euro. Dem Trend entziehen konnten sich am Tag vor der Bilanzpressekonferenz lediglich Altana-Aktien , die nahezu unverändert bei 46,99 Euro schlossen.

Bei den Nebenwerten im MDax zählten Finanz- und Immobilienwerten ebenfalls zu den Verlierern. Die Titel von IVG Immobilien  büßten 4,7 Prozent an Werte ein, die Aktien der Aareal Bank  verloren 3,2 Prozent. Auch die Papiere der Hannover Rück  konnten sich trotz eines Rekordgewinns 2006 dem Abwärtstrend nicht entziehen und gaben 3,3 Prozent nach.

Wertpapiere der Deutschen Euroshop  sackten um 5,8 Prozent auf 53,70 Euro ab. Wincor-Nixdorf-Papiere  verbilligten sich um 5,5 Prozent auf 121,18 Euro. Fester tendierten lediglich Aktien von Vossloh , Premiere  und Douglas .

Im TecDax  schlossen alle Werte leichter. Die höchsten Abschläge verzeichneten Erneuerbare-Energien-Titel. Solon-Aktien  verringerten sich um knapp 7,0 Prozent auf 38,14 Euro. Der Windkraftanlagenbauer Nordex  gab 6,0 Prozent auf 22,72 Euro ab. Leichter notierten auch Aktien von Ersol , Solarworld  und Q-Cells .

manager-magazin.de mit Material von ddp, reuters und ap

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