Börsenschluss Ausverkauf an der Wall Street

Die US-Aktienbörsen haben den zweitschwersten Kurssturz des Jahres erlitten. Gründe dafür sind Sorgen über ausufernde Probleme bei amerikanischen Hypothekenfirmen und schwache Einzelhandelsumsätze. Auch die deutschen Aktienindizes rutschten im späten Handel weiter ab.

New York/Frankfurt am Main - Die wachsenden Probleme beim angeschlagenen Kreditgeber New Century und die Folgen des angeschlagenen Hypothekenmarkts für zahlreiche Unternehmen haben am Dienstag zu drastischen Kursverlusten an der Wall Street geführt. Alle drei großen Börsenbarometer gaben um rund zwei Prozent nach. Als sich im New Yorker Nachmittagshandel das Tempo der Aktienverkäufe rasant erhöhte, führte die Börse Handelsbeschränkungen ein.

Der Dow-Jones-Index  der Standardwerte pendelte im Geschäftsverlauf zwischen einem Hoch von 12.307 und einem Tief von 12.071 Zählern. Er verließ den Handel 1,97 Prozent im Minus bei 12.075 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index  sank um 2,04 Prozent auf 1377 Zähler. Der Nasdaq Composite  schloss 2,15 Prozent im Minus bei 2350 Punkten.

Auch die deutschen Aktienindizes rutschten im späten Parketthandel nach weiteren kräftigen Kursverlusten an den US-Börsen noch tiefer ins Minus. Der L-Dax schloss bei 6568,21 Punkten, nachdem der deutsche Leitindex Dax  das elektronische Geschäft bereits mit einem Abschlag von 1,36 Prozent bei 6623,99 Zählern beendet hatte. Der L-MDax ging mit 9574,72 Punkten aus dem Handel. Auf Xetra hatte der MDax  0,73 Prozent auf 9657,75 Zähler eingebüßt. Der L-TecDax schloss bei 802,49 Punkten und sank damit nochmals kräftig unter den Xetra-Schluss des TecDax  von minus 2,20 Prozent auf 816,68 Punkte.

"Bruch mit dem kleinen Aufwärtstrend"

"Es ist ziemlich klar, dass der Markt mit dem kleinen Aufwärtstrend bricht und wieder zum Monatsanfang zurückkehrt", kommentierte Stephen Massocca von Pacific Growth Equities den Kursrutsch an der Wall Street. Am 27. Februar hatte ein erster dramatischer Ausverkauf in diesem Jahr viele Anleger kalt erwischt. Auslöser war unter anderem der größte Rückgang am chinesischen Aktienmarkt seit zehn Jahren.

Der US-Hypothekenanbieter New Century teilte am Dienstag mit, die Börsenaufsicht überprüfe die Buchhaltung des Konzerns, und das Justizministerium habe ebenfalls Ermittlungen eingeleitet. New Century bietet Hypotheken für Kunden mit schlechter Bonität an, und ein drohender Konkurs des Konzerns könnte die so genannte Subprime-Mortgage-Branche in Mitleidenschaft ziehen. Auch Auswirkungen auf die gesamte US-Wirtschaft wurden befürchtet.

New-Century-Papiere wurden zwar vom Handel an der New Yorker Börse ausgeschlossen, sie setzten aber ihre Talfahrt dennoch fort. In den Pink Sheets der so genannten "Penny Stocks" notierten die Aktien bei 1,20 Dollar. Doch auch andere Finanzkonzerne mit Geschäftsverbindungen in den Subprime-Mortgage-Sektor strudelten im Sog der schlechten Nachrichten.

"Mehr Barmittel und weniger Aktien"

"Mehr Barmittel und weniger Aktien"

Zu den größten Verlierern im S&P gehörte Bank of America  mit einem Abschlag von 3,19 Prozent. Die Aktien der Spar- und Darlehenskasse Washington Mutual  fielen um gut fünf Prozent. An der Nasdaq  musste Accredited Home Lenders  den prozentual größten Kursverlust einstecken. Aktien des Subprime-Kreditgebers stürzten mehr als 65 Prozent auf 3,97 Dollar und erreichten zwischenzeitlich sogar ein Allzeittief von 3,77 Dollar.

Indirekt waren auch die Investmentbanken UBS und Bear Stearns betroffen. Sie wurden vom Bundesstaat Massachusetts vorgeladen, um Dokumente zu ihren Subprime-Sektor-Bewertungen vorzulegen. UBS-Papiere  gaben in New York 3,6, Bear Stearns 6,65 Prozent nach.

Auch laufen jüngsten Konjunkturdaten zufolge die Geschäfte der Einzelhändler schlechter als erwartet, was den Anlegern zusätzlichen Zündstoff für Sorgen um die gesamte US-Wirtschaft lieferte. "Die Ereignisse des heutigen Tages - der Einzelhandelsabsatz die wachsenden Sorgen über den Subprime-Markt - lassen die Leute erkennen, dass sie mehr Barmittel und weniger Aktien brauchen", sagte Michael James von Wedbush Morgan in Los Angeles.

Goldman Sachs mit Rekordquartal

An dem allgemeinen Verkaufstrend bei den Finanzhäusern konnten auch die guten Nachrichten der Investmentbank Goldman Sachs  nichts ändern. Das Institut hatte im abgelaufenen Quartal Rekordergebnisse erzielt. Die Papiere stiegen daraufhin zwar zunächst, lagen aber später 1,76 Prozent im Minus bei 199,03 Dollar.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,96 Milliarden Aktien den Besitzer, 574 Werte legten zu, 2768 gaben nach und 110 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von rund 2,2 Milliarden Aktien 549 Titel im Plus, 2534 im Minus und 83 unverändert.

Die zehnjährigen Staatsanleihen legten im späten Handel auf 101-01/32 Punkte zu. Sie rentierten mit 4,4947 Prozent. Die 30-jährigen Bonds gewannen auf 101-15/32 Zähler. Dabei ergab sich eine Rendite von 4,6583 Prozent.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx

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