Börsenschluss 7000er-Hürde zu hoch

Der Dax verzeichnet ein zartes Minus von 1,5 Punkten. Starke Impulse aus den USA sind ausgeblieben, kritische Töne von Microsoft-Chef Steve Ballmer schickten den US-Bluechip allerdings auf Talfahrt. Im Fokus der Anleger in Frankfurt standen Aktien der Deutschen Börse.

Frankfurt am Main - Der Dax  hat am Freitag nach einer Berg- und Talfahrt fast unverändert geschlossen. Der Leitindex ging mit minus 0,02 Prozent bei 6957,07 Punkten aus dem Handel. Bei 6979,02 Punkten hatte er am frühen Nachmittag ein neues Hoch seit November 2000 erreicht.

Der MDax  der mittelgroßen Werte sank um 0,43 Prozent auf 10 129,38 Zähler. Der TecDax  gab um 0,23 Prozent auf 847,30 Punkte nach. "Vor einem verlängerten Wochenende in den USA und entsprechend geringerem Handelsvolumen dürften die Anleger nach einer insgesamt guten Woche vorsichtig agieren und Gewinne mitnehmen", sagte ein Börsianer. Am Montag sind die US-Börsen wegen des so genannten President's Day geschlossen.

Die Vorgabe gibt Händlern zufolge keinen klaren Impuls: Der Nikkei-225-Index  schloss knapp behauptet. An der Wall Street notierten die Indizes fast exakt auf Vortagsniveau.

Besonders eine Warnung von Microsoft-Chef Steve Ballmer vor überzogenen Umsatzerwartungen beim neuen Betriebssystem Vista drückte die Stimmung der Anleger. Zudem litten die Kurse unter der Nachricht, dass sich die Lage am US-Immobilienmarkt zu Jahresbeginn überraschend deutlich verschlechtert hat.

Starkes Minus im US-Wohnungsbau

Der Dow Jones  notierte um 21.45 Uhr MEZ bei 12.761 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index notierte 0,2 Prozent tiefer bei 1454 Zählern. Auch der Technologie-Index Nasdaq Composite  blieb auf dem Vortagsschluss von 2497 Stellen. Wie das US-Handelsministerium mitteilte, sank die Zahl der Wohnbaubeginne im Januar um gut 14 Prozent auf 1,4 Millionen Häuser. Dies war das stärkste Minus seit Oktober und deutlich niedriger als vom Markt erwartet.

Zudem verzeichnete der von Anlegern stark beachtete Michigan-Index im Februar überraschend einen Rückgang. Das bedeutet, dass das Vertrauen der US-Verbraucher in die Wirtschaft ihres Landes gesunken ist. "Die heute veröffentlichten Zahlen waren generell unerwartet schwach, besonders enttäuschend waren aber die Immobiliendaten", sagte Steve Goldman von Weeden & Co. "Zudem sehen wir heute Gewinnmitnahmen, nachdem der Markt die vergangenen drei Tage nur zugelegt hat."

Der Dow hatte am Donnerstag den zweiten Tag in Folge auf einem Rekordstand geschlossen. Zu den Verlierern zählte Microsoft . Die am stärksten gehandelten Papiere des Nasdaq verbilligten sich um gut zwei Prozent auf 28,80 Dollar. Zuvor hatte Konzern-Chef Ballmer erklärt, einige der Analystenschätzungen für Windows Vista seien übermäßig aggressiv.

Goodyear fällt, GM steigt

Goodyear fällt, GM steigt

Kursverluste verzeichnete auch die Aktie des größten US-Reifenherstellers Goodyear : Sie fiel knapp ein Prozent auf 25,18 Dollar. Der Continental -Rivale hatte seinen Quartalsverlust wegen eines Streiks um etwa das siebenfache ausgeweitet. Zu den Gewinnern am Markt zählte dagegen die Aktie des weltgrößten Autobauers General Motors . Dieser führt erste Gespräche über eine Übernahme des Rivalen Chrysler. DaimlerChrysler-Vorstandschef Dieter Zetsche prüft für die defizitäre US-Tochter derzeit alle Optionen. GM-Aktien stiegen 0,1 Prozent auf 36,47 Dollar.

Kursgewinne verbuchte auch die Aktie der US-Bank Compass Bancshares , nachdem Spaniens zweitgrößte Bank BBVA den Kauf des Instituts bekannt gegeben hatte. Die Compass-Aktie legte um sechs Prozent auf 70,41 Dollar zu.

"Die Vorgaben von der Wall Street waren nicht schlecht, aber auch nicht gut genug, um uns einen weiteren Schub zu geben", sagte ein Händler in Frankfurt. "Daher gehe ich davon aus, dass die Anleger eher Gewinne mitnehmen." In den vergangenen Tagen hatte der Dax vergeblich zum Sprung über die 7000 Punkte angesetzt.

Im Fokus standen Aktien der Deutschen Börse . Händler verwiesen auf einen Bericht des "Platow Briefes", wonach Finanzchef Mathias Hlubek den Frankfurter Börsenbetreiber verlassen könnte. Ein Nachfolger werde aber noch nicht gesucht, heißt es in der Freitagausgabe des Börsenbriefes weiter.

Übernahmegerüchte um Salzgitter

Thielert-Aktien  waren ebenfalls in Bewegung kommen. Händler verwiesen auf einen Bericht in der "Prior Börse". Dem Börsenbrief zufolge gerät Thielert "immer stärker unter Beschuss". Dabei wird ein Schreiben der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) zitiert, wonach die Aktionärsschützer es für möglich hielten, dass Unternehmenschef Thielert bereits seine Flucht vorbereiten könnte.

Der Stahlkocher Salzgitter  will den kanadischen Konkurrenten Algoma Steel übernehmen. Zu diesem Zweck würden bereits erste Gespräche geführt, hieß es am Abend. Die Verhandlungen befänden sich aber noch in einem sehr frühen Stadium. Aktien von Algoma Steel sprangen in Toronto um 19,82 Prozent auf 53,537 Kanada-Dollar hoch. Einem Händler zufolge sind die Pläne schwer einzuschätzen, da Algoma weniger bekannt sei.

Im Blickpunkt standen auch Aktien von Techem . Der Eschborner Energiedienstleister und Messtechnikkonzern sucht einen neuen Großaktionär. Vorstandschef Horst Enzelmüller sagte in der Freitagsausgabe der "Süddeutsche Zeitung", er habe bereits Kontakt zu möglichen Interessenten. Ein Händler äußerte sich am Morgen skeptisch zum möglichen Einstieg eines neuen Großinvestors. Die Titel von Techem seien derzeit hoch bewertet.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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