Börsenschluss Dax klar über 6800 Punkten

Gute Vorgaben aus den USA trieben den Dax auf den höchsten Stand seit November 2000. Deutsche Post und Continental führen die Gewinnerliste mit mehr als drei Prozent Kurszuwachs an. Bei Henkel monieren Anleger den Ausblick und verkaufen die Titel.

Frankfurt am Main - Mit viel Schwung waren die deutschen Aktien am Donnerstag in den Handel gestartet und konnten ihre Zugewinne zum Großteil bis Börsenschluss noch ausbauen. Am Vormittag notierte der Dax  bei 6874 Punkten und damit so hoch wie seit November 2000 nicht mehr. Mit plus 0,92 Prozent auf 6851,28 Zähler ging er aus dem Handel. Der MDax rückte um 1,20 Prozent auf 9903,32 Zähler vor. Der TecDax gewann 1,75 Prozent auf 827,37 Punkte.

Der Antrieb kommt laut Händlern aus Übersee: Die US-Notenbank hatte ihren Leitzins wie erwartet unverändert belassen und dem Dow Jones mit ihrem begleitenden Kommentar zu einem neuen Rekordhoch verholfen. Auch die Börse in Tokio verzeichnete Gewinne. "Das Thema Zinserhöhungen ist zunächst einmal vom Tisch", sagte ein Börsianer. "Ich könnte mir daher vorstellen, dass wir heute einen kräftigen Schluck aus der Pulle nehmen.

Die US-Notenbank hatte am Vorabend (MEZ) in ihrem Begleitkommentar zum Zinsentscheid keine Hinweise auf einen Kurswechsel geliefert. Einige Börsianer hatten befürchtet, die Fed könnte mögliche Zinserhöhungen signalisieren. Den Leitzins hatten die US-Notenbanker wie erwartet bei 5,25 Prozent belassen.

In Deutschland stehen die Deutsche Bank  und Henkel  mit Zahlen im Fokus. Die Deutsche Bank meldete für 2006 das beste Geschäftsjahr ihrer Unternehmensgeschichte. Der Überschuss im vergangenen Jahr stieg um 70 Prozent auf sechs Milliarden Euro. Analyst Andreas Weese von der HVB sagte allerdings: "Bereinigt um Einmaleffekte haben die Zahlen zum vierten Quartal unsere hohen Erwartungen weitgehend getroffen, waren aber nicht überraschend stark." Die Aktie reagierte entsprechend und legte nur moderat um 0,05 Prozent auf 108,49 Euro zu.

Henkel legte bei Umsatz und Gewinn wie erwartet ebenfalls kräftig zu. "Der Ausblick war aber etwas verhalten", sagte ein Händler. Aktien von Henkel  verloren 4,73 Prozent auf 100,80 Euro und waren damit schwächster Wert im Dax.

Good News von KarstadtQuelle

Gefragt waren hingegen die Papiere der Deutschen Post, die an der Spitze des Kurszettels um 3,60 Prozent auf 24,45 Euro zulegten und damit so teuer war wie zuletzt vor sechs Jahren. «Fundamental gibt es nichts Neues», sagte ein Händler.

KarstadtQuelle verteuerten sich im MDax um 3,44 Prozent auf 25,58 Euro. Positive Zahlen der Touristik-Tochter Thomas Cook sowie der Verkauf der französischen Versandhandelstochter Quelle S.A.S. an die Beteiligungsgesellschaft Aurelius für einen wohl zweistelligen Millionenbetrag dürften die Kurstreiber gewesen sein.

Aktien von BASF  setzten sich mit einem Plus von rund 2,80 Prozent zeitweise an die Spitze des Dax . Der Chemiekonzern erwägt nach dem Stromausfall im November Schadenersatzforderungen gegen den Energiekonzern Eon. "Wir sind bei der Schadenaufnahme und prüfen rechtliche Schritte", sagte eine BASF-Sprecherin dem "Tagesspiegel" (Donnerstagausgabe). Die Stromnetze waren am 4. November in weiten Teilen Europas ausgefallen, nachdem Eon  eine Hochspannungsleitung über die Ems abgeschaltet hatte. Am Dienstag hatte die EU-Kommission einen Untersuchungsbericht veröffentlicht, der dem Eon-Konzern technische Mängel und fehlende Vorkehrungen für die Netzsicherheit vorwarf. Die Aktie von Eon zeigte sich von den Nachrichten kaum berührt und gewann rund 2 Prozent auf 106 Euro hinzu.

Linde-Verkauf in Chile treibt den Kurs

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Die Papiere von Fresenius Medical Care  (FMC) gewannen 1,80 Prozent auf 104,50 Euro. Der Dialysespezialist und das Biotechnologie-Unternehmen Amgen Europe wollen durch ein gemeinsames Forschungsprojekt die Qualität der Behandlung von Nierenkranken verbessern. Das Forschungsabkommen sehe die Schaffung einer Arbeitsgruppe von europäischen Nierenspezialisten vor, teilten beide Unternehmen mit. Ziel sei die Verbesserung der derzeitigen Therapiemöglichkeiten.

Die Aktien von Linde  standen ebenfalls im Fokus. Der Gasehersteller hat seinen 41-Prozent-Anteil am chilenischen Industriegaseunternehmen Indura für rund 150 Millionen Euro an seinen Joint-Venture-Partner Inversiones Y Desarrollos (Invesa) verkauft. Linde gewannen rund 1,14 Prozent auf 836,15 Euro hinzu.

Die Übernahme des Energiedienstleisters Techem  durch die Finanzinvestoren Macquarie Bank  und BC Partners droht laut "Handelsblatt" zu scheitern. Wie die Zeitung unter Berufung auf Finanzkreise berichtet, sollen sich mehrere Hedgefonds bei Techem engagiert haben und 60 bis 65 Euro je Aktie verlangen. Die weitere Entwicklung mit möglichen Angebotserhöhungen sei aber "schwer abschätzbar", sagten Händler. Die Aktie von Techem notierte zunächst kaum verändert.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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