Märkte Gegenwind für die Börse

Leicht negative Vorgaben von der Wall Street haben die meisten deutschen Aktien am Freitag belastet. IBM-Ergebnisse unterhalb der Erwartungen drückten Technologiewerte. Deutsche Börse gewannen wegen Gerüchten über eine Aufspaltung.

Frankfurt am Main - Enttäuschung über den Quartalsbericht des US-Computerriesen IBM  hat die Anleger am deutschen Aktienmarkt am Freitag zu Gewinnmitnahmen veranlasst. Der Dax  fiel am Vormittag um bis zu 0,6 Prozent auf 6651 Punkte. Sollte er auf diesem Niveau schließen, wäre das ein Wochenverlust von etwa 0,8 Prozent. "Die Stimmung ist zerstört", sagte ein Händler. "Schuld daran ist eine Mixtur von Gründen. IBM hat enttäuscht und Bernanke hat verunsichert."

US-Notenbankpräsident Ben Bernanke hatte am Donnerstag vor einem Teufelskreis aus steigenden Staatsausgaben und höheren Zinsen gewarnt und die derzeitige Situation als "Ruhe vor dem Sturm" bezeichnet. Gestützt wurde der Dax von Kursgewinnen bei den Aktien der Deutschen Börse  und von DaimlerChrysler . IBM hatte im vierten Quartal zwar seinen Gewinn um elf Prozent gesteigert, beim Geschäft mit Computer-Hardware aber die Erwartungen einiger Analysten nicht erfüllt. Daraufhin war der Aktienkurs im nachbörslichen Handel in New York um rund fünf Prozent eingebrochen. Im Xetra-Handel fiel der Kurs um 5,6 Prozent.

Im Dax litten Händlern zufolge vor allem die Aktien des Chipherstellers Infineon  unter der Enttäuschung über Big Blue. "IBM hat Probleme mit dem Hardware-Geschäft, das belastet Infineon", sagte ein Händler. Infineon fielen um 3,8 Prozent auf 10,67 Euro. Der TecDax  fiel um 0,7 Prozent. Insgesamt gingen die Kursverluste quer durch alle Branchen. Bei den Nebenwerten überwogen hingegen die Käufer. Der MDax  stieg um 0,2 Prozent auf 9570 Punkte. Händler machten für manche Kursbewegung den kleinen Verfallstag an der Terminbörse verantwortlich. Einige Anleger versuchten daher, die Kurse in eine für sie günstige Richtung zu beeinflussen. Fällig werden Optionen auf Indizes und einzelne Aktien.

Spekulationen auf eine Aufspaltung der Deutschen Börse trieben die Aktien des Börsenbetreibers um bis zu drei Prozent auf ein Rekordhoch von 161,39 Euro. "Es gibt Gerüchte, wonach der Konzern in drei Teile aufgeteilt werden soll", begründete ein Händler den erneuten Run auf die Titel. Das "Wall Street Journal" hatte berichtet, nach der gescheiterten Übernahme der Euronext erwäge der Konzern, seine Managementstruktur in drei Teile aufzuteilen: Aktien, Derivate und Abwicklung.

Eine Empfehlung von Morgan Stanley trieb die Aktien von DaimlerChrysler um bis zu zwei Prozent auf 48 Euro. Im Vorfeld der Bekanntgabe eines Sanierungsplans für Chrysler schossen die Spekulationen über einen möglichen Verkauf der verlustträchtigen US-Tochter ins Kraut. "Daimler könnte einen Ausstieg erwägen", mutmaßen die Analysten von UBS. Konzernchef Dieter Zetsche hatte am Vorabend bei der Vorstellung der neuen C-Klasse in Stuttgart angekündigt, in näherer Zukunft einen Plan zur Chrysler-Sanierung vorzustellen.

Die Aktien von ThyssenKrupp  konnten derweil nicht von den anlässlich der Hauptversammlung vorgelegten Quartalszahlen profitieren. Vielmehr lösten die Zahlen Gewinnmitnahmen aus. "Schließlich sind die Aktien im vergangenen Jahr super gelaufen, da sind Gewinnmitnahmen in einem schwächeren Markt nur normal", erklärte ein Händler. ThyssenKrupp fielen um bis zu 1,3 Prozent. Die im MDax notierten Aktien von Hochtief  und Bilfinger Berger  profitierten von verschiedenen Analystenempfehlungen. Hochtief stiegen um bis zu 4,3 Prozent, Bilfinger Berger um bis zu 2,6 Prozent.

manager-magazin.de mit Material von reuters