Wochenausblick Wenn der Leitwolf lahmt

Wegweiser für den deutschen Aktienmarkt wird in der kommenden Woche die US-Bilanzsaison sein. "Die Richtung, die Amerika vorgibt, muss stimmen", sagen Analysten. Positiv werden fundamentale Daten und sinkende Ölpreise bewertet, negativ die schwindende Hoffnung auf sinkende Zinsen.

Frankfurt am Main - Neues Jahr, neues Spiel, neues Glück - dieses Motto könnte die kommende Börsenwoche noch beherrschen. "Der Januar-Effekt, dass Investoren ihre Bücher neu aufmachen und frisches Geld in den Markt fließt, ebbt aber langsam ab. Wenn die Anfangseuphorie schwindet, wird es auf fundamentale Impulse ankommen, ansonsten wird der Dax voraussichtlich auf der Stelle treten", sagte LBBW-Marktstratege Steffen Neumann voraus. Wegweiser für den deutschen Aktienmarkt wird die US-Bilanzsaison sein, die am Dienstag mit dem Zahlenwerk des weltgrößten Aluminiumherstellers Alcoa  beginnen wird.

"Die Richtung, die Amerika vorgibt, muss stimmen", macht Neumann die Abhängigkeit der deutschen Werte vom US-Saisonauftakt deutlich. Schwache Vorgaben aus Japan und eine Gewinnwarnung des US-Telekomausrüsters Motorola  trübten die Stimmung bisher etwas ein.

Trotz bisher fundamental guter Wirtschaftsdaten aus den USA wird insbesondere der kräftige Anstieg der Stundenlöhne nach Einschätzung der DekaBank die Inflationssorgen der US-Notenbank weiter schüren. "Eine Leitzinssenkung in diesem Quartal ist damit vom Tisch", sagt DekaBank-Ökonom Rudolf Besch.

Eine Stütze für den Markt ist dagegen der weiter sinkende Ölpreis, wie Analystin Anne-Kristin Yasuda von der Landesbank Berlin betont. Seit Jahresanfang hat der Ölpreis rund 10 Prozent nachgegeben; hiervon profitieren insbesondere Luftfahrttitel.

Blieben negative Überraschungen aus, könne der deutsche Aktienindex Dax  seine Aufwärtstendenz fortsetzen und sein zu Beginn der ablaufenden Woche erreichtes Sechs-Jahres-Hoch wieder erreichen. "Die 6700 Punkte kann der Markt wieder schaffen. Es gibt im Moment eben keine echten Alternativen zur Anlage in Aktien", sagt Carsten Klude von MM Warburg. Metro , Praktiker  und Südzucker  geben am Donnerstag Zahlen bekannt.

Etwas skeptischer für die kommende Woche ist Kai Stefani von der Fondsgesellschaft Dit. "Nach der sehr guten Performance zu Beginn des Jahres braucht der Markt Luft zum Durchatmen und muss erst neuen Schwung holen. Hinzu kommt, dass es kaum Daten gibt, die wirklich positive Impulse liefern könnten." Dennoch bleibe er für die Anlageform Aktie insgesamt weiter positiv gestimmt, ergänzte Stefani. Bereits im Verlauf dieser Woche war dem Dax wegen Gewinnmitnahmen aber etwas die Puste ausgegangen. Er legte im Schnitt knapp 0,4 Prozent zu und stand am Freitagmittag bei 6645 Punkten.

Der Bernhard-Faktor

Der Bernhard-Faktor

Für Unruhe könnte am Donnerstag die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihren geldpolitischen Kommentaren sorgen. Die nächste Zinserhöhung im ersten Quartal auf einen Schlüsselzins von 3,75 Prozent ist nach Prognosen der Analysten schon so gut wie sicher, wenn auch für Donnerstag noch nicht damit gerechnet wird. "Ich gehe bezüglich weiterer Zinsanhebungen von einer verschärften Rhetorik der Notenbanker aus", sagt Stefani.

"Sollten die Kommentare der EZB weniger stark auf weitere Zinserhöhungen hinweisen als erwartet, würde das den Märkten Auftrieb geben. Damit wäre eine reichliche Geldversorgung bei günstigen Bedingungen zugestanden", erklärt Kollege Neumann.

Bereits am Sonntag ist mit Nachrichten aus dem Autosektor von der Detroiter Automesse zu rechnen. Experten rechnen aber nicht mit allzu großen Impulsen für die Autoaktien.

Mehr Gewicht wird der Sitzung des VW-Aufsichtsrats-Präsidiums am Mittwoch beigemessen, bei der der neue Konzernchef Martin Winterkorn seine Umstrukturierungspläne vorstellen soll. Zudem wird es wohl nach monatelangen Spekulationen Klarheit über die Zukunft von VW-Markenchef Wolfgang Bernhard geben. Nach Informationen aus Konzernkreisen steht auch die geplante Lkw-Allianz von MAN  und Scania  auf der Agenda. Volkswagen  ist Großaktionär von MAN und Scania und will sein eigenes Geschäft mit schweren Lkw später in ein Bündnis einbringen.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa/afx

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