Börsenschluss Erster Rücksetzer

Deutschlands Anleger mussten heute zumeist Kursverluste verkraften. Alle bedeutenden Aktienindizes rutschten ins Minus. Für Aufsehen sorgten allerdings vor allem die Preisschwankungen auf den Rohstoffmärkten.

Frankfurt am Main - Das Kursfeuerwerk zu Jahresbeginn ist zwar vorerst vorbei; gestern erreichte der Deutsche Aktienindex (Dax)  noch ein Mehjahreshoch, heute jedoch musste er einen Rückschlag hinnehmen. Allerdings blieben die Einbußen des Frankfurter Standardwerteindexes überschaubar: Der Dax büßte heute 0,25 Prozent seines bisherigen Indexniveaus ein und rutschte somit auf 6674,40 Punkte ab.

Kräftiger fiel dagegen das Minus der übrigen bedeutenden Aktienkursbarometer der Frankfurter Wertpapierbörse aus: Der MDax  der mittelgroßen Werte verlor 0,53 Prozent auf 9486,85 Zähler und der Technologieindex TecDax  büßte sogar 1,65 Prozent auf 765,96 Stellen ein.

Ins Blickfeld der deutschen Anleger sind heute vor allem die Aktien der Deutschen Telekom  geraten. Zwar gab es nichts Neues über das Geschäft der größten europäischen Telefonfirma. Doch Investoren kauften heute kräftig zu, so dass der Kurs der Telekom-Anteilsscheine um 2,7 Prozent auf 14,45 Euro stieg. Das reichte, um an die Spitze aller Dax-Werte vorzurücken - und den Dax im Alleingang mit etwa zehn Pluspunkten zu stützen.

Ebenfalls gut entwickelten sich die Papiere der der Lufthansa  und der Allianz, die sich mit einem Plus von 2,09 Prozent auf 21,90 Euro sowie 1,23 Prozent auf 159,45 Euro ebenfalls in der Tagesgewinnergruppe festsetzten.

Dagegen mussten die Aktienbesitzer der führenden deutschen Energieversorgungsunternehmen RWE  und Eon  deutlich Wertminderungen ihrer Investments hinnehen. RWE-Titel und Eon-Anteilsscheine gaben jeweils um 1,99 Prozent 83,79 Euro sowie auf 101,69 Euro nach. Spekulationen auf fallende Gewinnmargen wegen steigenden Wettbewerbsdruck drückten die Kurse der beiden Versorgerwerte überdurchschnittlich. Allein ihr Minus drückte den Dax zeitweise um etwa 20 Punkte.

Noch größere Verluste verbuchten nur ThyssenKrupp-Investoren. Der Preis für ihre Aktien  sinkt heute um 3,42 Prozent auf 34,73 Euro. Das ist zugleich der höchste Aktienkursverlust, den ein Dax-Unternehmen heute erleidet.

Für Aufsehen bei Großinvestoren sorgten allerdings Preisschwankungen an den Rohstoffmärkten, vor allem der Verfall des Kupferpreises. Kupfer notierte gestern auf seinem Neun-Monatstief, heute kaum erholt davon.

Mit in diesen Sog gerieten deshalb an den internationalen Aktienmärkten die Titel von Minen- und Metallunternehmen wie beispielsweise Rio Tinto  oder Xtrata, deren Besitzer jeweils mehr als 10 Prozent ihres Investmentwertes verloren. "Hier fanden vor allem Gewinnmitnahmen statt. Beide Werte sind im vergangenen Jahr sehr gut gelaufen und die Anleger realisieren angesichts der jüngsten Kursverluste ihre Gewinne", sagt Jan Vrbsky von der Baaderbank.

Die Ölpreise haben zudem heute ihren Abwärtstrend der vergangenen Handelstage fortgesetzt. In London und New York gaben die Preise für einen Barrel Rohöl um mehr als zwei Dollar oder rund 3,5 Prozent nach. Das Fass (159 Liter) Brent kostete in London erstmals seit Dezember 2005 weniger als 56 Dollar. Der Preis für ein Fass US-Leichtöl der Sorte WTI gab in New York um 2,10 Dollar auf 56,21 Dollar nach. Am Vortag war der US-Ölpreis um mehr als 2,70 Dollar gesunken. Dies war der stärkste prozentuale Preisrückgang an einem Tag seit April 2005.

Opec will notfalls eingreifen

Opec will notfalls eingreifen

Zu der Verbilligung trugen vor allem auch ungewöhnlich milde Wintertemperaturen im Nordosten der USA bei, dem größten Heizölmarkt der Welt. Prognosen zufolge soll die US-Nachfrage nach Heizöl in der Woche zum 6. Januar rund 33 Prozent unter dem für die Jahreszeit im Durchschnitt üblichen Wert liegen.

Der niedrige Verbrauch führte am Donnerstag veröffentlichten Daten zufolge auch zu einem Anstieg der Lagerbestände. Sie stiegen um mehr als zwei Millionen Barrel und damit deutlicher als von Analysten erwartet.

Die Organisation Erdölproduzierender Länder (Opec) erklärte, bei einem anhaltenden Preisverfall eventuell einzuschreiten. Ein iranischer Vertreter der Organisation sagte, die Opec beobachte die Entwicklung sehr genau.

Euro-Kurs sinkt

Zum Jahreswechsel 2006/2007 hatte der US-Ölpreis nur einen Cent höher gelegen als zwölf Monate zuvor. Im Jahresmittel allerdings war der Rohstoff im vergangenen Jahr nahezu zehn Dollar teuerer als 2005.

Darüber hinaus verlor heute der Euro  an Wert. Zeitweise notierte er gegenüber dem Dollar fast zwei Cent niedriger als am Vortag. Analysten erklärten die anziehende Dollar-Nachfrage mit der zuletzt überraschend guten Stimmung im verarbeitenden Gewerbe in den USA. Außerdem habe das Protokoll zur Sitzung der US-Notenbank im Dezember Spekulationen auf eine baldige Zinssenkung gedämpft. Die Gemeinschaftswährung kostete zuletzt 1,3106 Dollar.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx, dpa und reuters

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