Börsenschluss Dax auf Gipfel-Kurs

Dank fallender Ölpreise hat der Dax am Montag die Marke von 5900 Punkten verteidigt. Gerüchte trieben eine ganze Reihe von Werten an. Trotz der derzeit geringen Umsätze trauen Händler dem Leitindex in den kommenden Tagen durchaus bis zu 6000 Punkte zu.

Frankfurt am Main - Ein Rückgang der Ölpreise hat am Montag die Anleger am deutschen Aktienmarkt wieder zu Aktienkäufen animiert. Der Dax  kletterte um 0,56 Prozent auf 5909 Punkte und notierte damit auf dem höchsten Niveau seit Mitte Mai.

Händler beklagten das ungewöhnlich geringe Handelsvolumen, da wegen des Labor-Day-Feiertages in den USA die weltgrößten Börse in New York geschlossen blieb. "Viele Kursbewegungen sind zufallsbedingt, ein Markt ist so gut wie nicht vorhanden", fasste ein Händler die Lage zusammen. Der Umsatz im Dax brach auf 2,5 Milliarden Euro von 3,6 Milliarden Euro am Freitag ein.

Trotz der geringen Umsätze zeigten sich viele Börsianer zuversichtlich über die weitere Kursentwicklung. "Der Dax hat Luft bis 5950 oder sogar 6000 Punkte", sagte ein Händler. Unterstützt werde die Kauflaune der Anleger derzeit vor allem vom rückläufigen Ölpreis. Das Fass (159 Liter) Öl kostete nunmehr weniger als 68 Dollar. Auf diesem Niveau notierte der Ölpreis seit fünf Monaten nicht mehr. Vor einer Woche hatte ein Fass noch bei mehr als 72 Dollar notiert.

Für den MDax  mittelgroßer Werte ging es um 0,74 Prozent auf 8264 Punkte nach oben. Der TecDax  legte 0,53 Prozent auf 655,28 Zähler zu. Größter Gewinner im Dax waren die Aktien der Deutschen Börse , die vom weiter wachsenden Handelsvolumen an den Börsen im Vergleich zum Vorjahr und wieder laut gewordenen Spekulationen um eine Großfusion in der Branche profitierten.

Die britische Zeitung "Observer" hatte berichtet, die US-Technologiebörse Nasdaq erwäge eine feindliche Übernahme der Londoner Stock Exchange (LSE). Die Aktien des Frankfurter Börsenbetreibers verteuerten sich um 2 Prozent auf 121,27 Euro.

Gerüchte um die Deutsche Post - T-Aktie im Plus

Zu den größten Gewinnern zählten mit einem Plus von 1,82 Prozent auf 67,77 Euro auch die Aktien von Siemens , was einzelne Marktteilnehmer überwiegend als zufallsbedingt beschrieben. Andere Händler verwiesen auf Medienberichte, denen zufolge der Elektronik-Konzern eine Hybridanleihe mit einer Laufzeit von 60 Jahren plant. "Damit sichert sich Siemens für die Zukunft Liquidität um zu expandieren oder andere Pläne zu verwirklichen", sagte ein Händler.

Spekulationen über einen Einstieg der Beteiligungsgesellschaft Blackstone bei der Deutschen Post  trieben die Aktien des Logistikkonzerns um 1 Prozent auf 20,16 Euro nach oben. In Branchenkreisen wurde ein groß angelegter Einstieg von Blackstone bei der Post aber als sehr unwahrscheinlich bezeichnet. Die Post wollte sich zu den Spekulationen nicht äußern.

Analysten von VW-Präsentation nicht überzeugt

Die Aktien der Deutschen Telekom  - die T-Aktien tragen im Dax auf Sicht von neun Monaten die rote Laterne - legten 0,44 Prozent auf 11,42 Euro zu. Der Aufsichtsrat des Bonner Konzerns hatte am Wochenende Vorstandschef Kai-Uwe Ricke den Rücken gestärkt und Spekulationen über einen baldigen Wechsel an der Führungsspitze damit entkräftet. "Die Grabenkämpfe sind jetzt vielleicht vorüber, aber ob die Aktie deswegen mehr wert ist, bleibt abzuwarten", sagte ein Händler.

Die Aktien von Volkswagen  reagierten kaum auf die Nachrichten aus einer Analystenkonferenz. "Da gab es keine Neuigkeiten, unsere Analysten hat das jedenfalls nicht überzeugt", sagte ein Händler. Zum Handelsschluss notierten VW mit 63,35 Euro knapp 0,1 Prozent höher. Nach dem Gewinnsprung in der ersten Jahreshälfte bekräftigte VW vor den Analysten seine Prognose, wonach das operative Ergebnis auch im Gesamtjahr 2006 besser ausfallen soll als im Vorjahr.

Gerüchte treiben MLP und Premiere an

Die Dax-Verliererliste wurde von den Aktien von Tui  mit einem Minus von 0,71 Prozent auf 15,44 Euro angeführt, womit die Aktien bei relativ hohem Umsatz einen Teil ihres Gewinns vom Freitag wieder abgaben. Der Verkauf der Verluste schreibenden Schifffahrtsparte ist nach Konzernangaben auf der Aufsichtsratssitzung der Tui-Tochter Hapag-Lloyd am Freitag kein Thema.

Im MDax  kletterten die Papiere von MLP  nach Gerüchten um ein Interesse des französischen Finanzkonzerns AXA um 4,48 Prozent auf 13,99 Euro. Stephan Kalb von Sal. Oppenheim hält eine Übernahme allerdings für sehr unwahrscheinlich. Die Geschäftsmodelle beider Unternehmen passen nach Ansicht des Aktienanalysten strategisch nicht zueinander. "Allerdings ist ein Einstieg von AXA als Finanzinvestor in Form eines größeren Aktienpaket-Kaufs denkbar", sagte der Experte. MLP wollte sich zu den Gerüchten nicht äußern.

Auch Premiere  legten nach Spekulationen um einen Einstieg der Axel Springer AG  3,02 Prozent auf 10,24 Euro zu. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen ist ein Einstieg aber nicht beabsichtigt.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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