Börsenschluss Weggeknickt

Die Aktienkurse vieler deutscher Unternehmen standen heute unter Druck. Der Preis für ihre Anteilscheine sank nach teils schwächeren Geschäftszahlen. Teils aber auch, weil Experten selbst bei guten Ergebnissen noch mehr erwartet hatten. Schwache US-Konjunkturdaten ließen den Dax endgültig einbrechen.

Frankfurt am Main - Schlechte Stimmung an der Börse in Frankfurt: Der Deutsche Aktienindex Dax  rutschte heute kräftig ins Minus, zuletzt gab er 1,5 Prozent auf 5596,74 Punkte ab. Händler verwiesen auf den Anstieg eines US-Inflationsindikators. Die Verbraucherpreise in den USA waren im Juni binnen Jahresfrist auf 2,4 Prozent gestiegen. Das war der höchste Stand seit April 1995. Beobachter fürchten nun, die US-Notenbank könnte erneut die Zinsen erhöhen. Auch steigende Ölpreise drückten auf die Stimmung am Aktienmarkt.

So büßte hierzulande auch der MDax  der mittelgroßen deutschen Aktiengesellschaften 0,13 Prozent seines gestrigen Schlussstandes auf 7858,82 Zähler ein. Einzig der Technologieindex TecDax  rückte um 1,39 Prozent auf 629,2 Stellen vor.

In der Spitze der Dax-Gewinner hielten sich den gesamten heutigen Handelstag die Papiere von MAN , die schließlich ein kleines Plus von 0,51 Prozent auf 56,88 Euro aufwiesen. Der Maschinen- und Nutzfahrzeugkonzern hatte heute nach kräftigen Zuwächsen im zweiten Quartal seine Erwartungen für das Gesamtjahr angehoben.

Dagegen verbuchten die Titel von Metro  zeitweise Verluste in Höhe von 2,5 Prozent. Händler führten dies auf Spekulationen zurück, Großaktionär Haniel könnte seinen 18,5 prozentigen Anteil an dem Handelsriese verkaufen. Zudem habe Metro einen zurückhaltenden Ausblick geliefert. Nachdem Haniel klar gemacht hatte, sich derzeit nicht von seinem Metro-Anteil trennen zu wollen, erholte sich der Aktienkurs auf minus 2,06 Prozent verglichen mit dem gestrigen Schlusskurs und einem Preis pro Metro-Anteilsschein in Höhe von 43,73 Euro.

Zu den größten Verlierer im Auswahlindex Dax gehörte zudem die Deutsche-Post-Aktie . Der Preis für das Wertpapier sinkt um 4,28 Prozent auf 18,55 Euro. Zuvor hatte die Post deutlich weniger Quartalsgewinn präsentiert als Experten erwartet hatten. ür das Gesamtjahr peilt die Post weiterhin einen Gewinn vor Zinsen und Steuern von mindestens 3,9 Milliarden Euro an und einen Umsatz von 60 Milliarden Euro. Für 2005 hatten die Bonner 70 Cent je Aktie ausgeschüttet. Post-Chef Klaus Zumwinkel stellte den Post-Anlegern zudem eine höhere Dividende in Aussicht. "Das Problem des Marktes ist wahrscheinlich, dass die Zahlen keine echte positive Überraschung beinhalten und die Post in Sachen Ausblick nichts Überwältigendes in Aussicht stellt", sagte LRP-Analyst Per Ola Hellgren.

Schlechtester Dax-Wert waren heute allerdings die Titel der Deutschen Bank . Besitzer der Anteilsscheine an Deutschlands größtem Geldhaus mussten einen Wertverlust ihres Investments in Höhe von 4,71 Prozent auf 86 Euro hinnehmen. Die Deutsche Bank steigerte im zweiten Quartal zwar dank eines starken Investmentbankings ihren Gewinn um rund ein Drittel und erfüllte die Erwartungen der Analysten. "Der Kursrückgang ist eine klassische Überreaktion, er ist auch eine Folge der nervösen Märkte", meint daher HypoVereinsbank-Experte Andreas Weese.

Solar-Sommer stützt TecDax

Solar-Sommer stützt TecDax

Im Nebenwerteindex MDax  überzeugten heute unter anderem die Anteilsscheine des Börsenneulings Wacker Chemie , die um 10,86 Prozent auf 90,35 Euro an Wert gewannen. Der Chemiekonzern erhöhte wegen der starken Nachfrage nach Siliziumscheiben seine Gewinnprognose für das laufende Jahr.

Dagegen rutschten die Titel von Heidelberger Druck  auf einen der hinteren Plätze der heutigen MDax-Liste. Die Aktie des Druckmaschinenproduzenten fiel um 1,52 Prozent auf 31,80 Euro. Das Unternehmen teilte am Dienstag mit, bei einem um 9 Prozent auf 719 Millionen Euro gestiegenen Umsatz habe sich das Betriebsergebnis auf 16 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Analysten hatten im Schnitt jedoch mit einem Anstieg auf 23 Millionen Euro von sieben Millionen Euro im Vorjahresquartal gerechnet. Lichtblick: Die Auftragslage sei überraschend gut, so ein Analyst.

Angeführt von den Solarwerten legte der TecDax  heute als einziges bedeutender Börsenbarometer des Frankfurter Aktienmarktes zu. Die Nachfrage nach Aktien aus der Solarbranche heizte vor allem den Kurs der Solarworld-Titel  an. Der Preis für Solarworld-Anteilsscheine steigt um 9,65 Prozent auf 46,92 Euro.

"Die vorgelegten Geschäftszahlen des Unternehmens sind exzellent", kommentierte MM-Warburg-Analyst Nils Machemehl die Geschäftsentwicklung des Solartechnikherstellers;as Bonner Unternehmen steigerte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern in den drei Monaten von April bis Juni um 111 Prozent auf 38 Millionen Euro. Der Konzerngewinn nach Steuern stieg um 113 Prozent auf 23,6 Millionen Euro. Deutliche Kurszuwächse verbuchten auch die Besitzer von Q-Cells- , Solon-  und Conergy-Titeln , die um 4,78 Prozent auf 29,37 Euro, um 4,14 Prozent auf 32,70 Euro sowie um 2,97 Prozent auf 42,98 Euro zulegten.

Der Euro-Kurs ist heute dagegen gefallen. Die Europäische Zentralbank setzte ihren Referenzkurs auf 1,2759 Dollar fest, nach 1,2767 Dollar am Montag. Ein Dollar kostete damit 0,7838 Euro.

Anders die Tendenz beim Ölpreis: Ein Barrel (159 Liter) der Sorte West Texas Intermediate kostete zuletzt 74,63 US-Dollar und damit 23 Cent mehr als zu Handelsschluss am Vortag. 159 Liter der Nordseesorte Brent waren erneut nur zu Preisen von mehr als 75 Dollar zu haben. Zuletzt mussten Käufer dafür 75,43 Dollar zahlen, das sind 28 Cent mehr als gestern. "Der Ölpreis bleibt angesichts der weiter bestehenden Unsicherheit in Nahost anfällig für kräftige Sprünge nach oben", kommentierte Analyst Paul Harris von der Bank of Ireland den Preisauftrieb.

An der Wall Street in New York sorgten gestiegene Inflationssorgen ebenso für sinkende Kurse. Der dortige Dow-Jones-Aktienindex  gab in den ersten Handelsstunden rund 0,6 Prozent auf 11.115 Punkte nach. Auch in Japan zeigten die Kurse nach Gewinnmitnahmen leicht nach unten. Vor allem Elektroniktitel standen auf den Verkaufszetteln der Investoren. Tokios Nikkei-225-Aktienindex  verlor bis Handelsschluss 0,1 Prozent auf 15.440 Zähler.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa, dpa-afx und reuters

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