Börsenschluss Gerüchte und Spekulationen

Die wichtigsten deutschen Aktienindizes legten heute an Wert zu, große Kursgewinne verbuchen die Anleger allerdings nicht. Besonders gefragt waren die Aktien der Deutschen Börse und von ThyssenKrupp.

Frankfurt - Gute Vorgaben aus Asien und den USA haben dem deutschen Aktienmarkt heute zu Handelsbeginn Kursgewinne beschert. Dann allerdings bröckelten die Notierungen ab und rutschten zweitweise sogar ins Minus. Mittlerweile erreicht der deutsche Aktienleitindex Dax  allerdings wieder ein Niveau von 5533,42 Zähler - und damit ein Plus gegenüber dem Vortag um 0,55 Prozent. Der MDax  der mittelgroßen deutschen Aktiengesellschaften legt um 1,04 Prozent auf 7.647,93 Indexpunkte zu. Und der Technologieindex TecDax  rückt um 0,96 Prozent auf 633,7 Stellen vor.

"Wir müssten langsam den Boden erreicht haben", kommentierte LBBW-Analyst Frank Schallenberger die Dax-Erholung. "Die kommende Quartalssaison dürfte genügend positive Impulse für die Märkte geben." Im Juli beginnt zunächst in den USA die Berichtssaison für das zweite Quartal, in der zweiten Monatshälfte folgen die großen europäischen Konzerne.

Stärkster Wert im Dax waren die Anteilsscheine der Deutschen Börse  mit plus 3,65 Prozent auf 105,41 Euro. Händler mutmaßten, die Fusionsversuche des Frankfurter Börsenbetreibers sorge für die Kursgewinne. "Am Markt wird spekuliert, dass der Zusammenschluss der Deutschen Börse mit der Vierländerbörse Euronext  wahrscheinlicher wird", sagte ein Händler. "Dem trägt der Aktienkurs der Deutschen Börse heute Rechnung."

Auch die Aktien der Euronext zogen um mehr als 3 Prozent an. Damit folgten beide Titel auch den Aktien der New Yorker Börse (Nyse ), die am Vorabend mehr als 7 Prozent zugelegt hatten. Die Papiere der Deutschen Börse profitierten Börsianern zufolge zusätzlich von der Erhöhung des Kursziels durch die Analysten der französischen Bank Cheuvreux auf 141 Euro von 127 Euro.

Ebenfalls gut entwickelten sich heute die Anteilsscheine von ThyssenKrupp . Sie gewannen 2,12 Prozent auf 25,10 Euro. Die Aktionäre des deutschen Unternehmens profitieren heute von der Fusionswelle in der Branche. "Es wird spekuliert, dass Mittal  sein Angebot für Arcelor  anhebt, und wenn die Offerte steigt, dann treibt das die Bewertung für den ganzen Sektor in die Höhe", erklärte ein Händler. Die Arcelor-Titel sind in Paris derzeit bis auf weiteres vom Handel ausgesetzt.

Deutliche Kursgewinne um 1,5 Prozent auf 121,42 Euro verbuchten zudem die Allianz-Aktien. Ihr Kurs steigt, weil der Konzern 7500 Arbeitsplätze streichen will. Dadurch hofft das Unternehmen 500 Millionen bis 600 Millionen Euro pro Jahr zu sparen. Die US-Investmentbank Merrill Lynch  bekräftigte zudem ihre Kaufempfehlung für Allianz-Aktien, da das operative Geschäft des vVersicherungsunternehmens gut laufe und die Aktie im Vergleich zum Wettbewerb eine höhere Bewertung erlaube.

Unter die besten Titeln des Tages schoben sich auch die Papiere der Commerzbank . Sie mussten zwar im Handelsverlauf einen Teil ihrer zwischenzeitlichen Gewinne abgeben, verbuchten zuletzt aber ein Plus in Höhe von 1,42 Prozent auf 27,93 Euro. Das Kursplus hatte zeitweilig rund 3 Prozent betragen. Händler begründeten dies mit der Aufnahme von Commerzbank in die Auswahlliste der französischen Bank Cheuvreux.

Auf den letzten Dax-Platz rutschten dagegen die Titel von Altana . Sie büßten 0,78 Prozent ihres bisherigen Wertes auf 43,08 Euro ein. Die Citigroup  hatte zuvor 830.000 Altana-Aktien zu jeweils 42,75 Euro platziert. Verkäufer sei ein Investor aus den USA, sagte ein Altana-Sprecher.

Im MDax  entwickelten sich heute die Aktien von Vivacon  mit einem Abschlag von 3,4 Prozent auf 19,90 Euro zum größten Kursverlierer. Händler führten dies auf die Verlängerung der Zeichnungsfrist für die Aktien der an die Londoner Börse AIM strebenden Wohnimmobiliengesellschaft Vivacon German Properties PLC (VGP) zurück. "Die Anleger haben die Befürchtung, dass das Geschäftsmodell so nicht funktionieren wird, deshalb strafen sie die Aktie fast täglich ab", sagte ein Händler. Vivacon-Titel haben seit Jahresbeginn fast 30 Prozent an Wert verloren, während der Gesamtmarkt leicht im Plus liegt.

Im TecDax  setzten die Titel von Evotec  ihren Höhenflug vom Vortag fort und gewannen zuletzt 4,88 Prozent auf 3,44 Euro. Das Biotech-Unternehmen hatte am Mittwoch eine Kooperation mit dem Schweizer Pharmakonzern Roche  Holding bekannt gegeben, durch die Meilensteinzahlungen in Höhe von bis über 100 Millionen Euro möglich sein.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters