Börsenschluss Anleger strafen Deutsche Post ab

Eine feste Wall Street half dem Dax am Dienstag wieder auf die Beine – und rettete zum Handelsschluss ein kleines Kursplus. Während BMW-Aktien den Index mit deutlichen Kursgewinnen anführen, wurden die Anteilsscheine der Deutschen Post von den Anlegern regelrecht verprügelt.

Frankfurt am Main - Überraschend eingetrübte Konjunkturerwartungen haben am Dienstag den deutschen Aktienmarkt zunächst belastet. Mit der festen Entwicklung der Aktienindizes an der New Yorker Wall Street konnten Dax und Co. ihre Verluste aber zuletzt deutlich verringern.

Der Dax  drehte nach Verlusten von zeitweilig rund einem halben Prozent zuletzt wieder in die Pluszone. Der Leitindex legte bis zum Abend 0,3 Prozent auf 5871 Punkte zu. Für den MDax  ging es indes um 0,1 Prozent auf 8436 Zähler nach unten. Der TecDax  verlor 0,6 Prozent auf 729 Punkte.

Wall Street dreht nach schwachem Start ins Plus

Die New Yorker Börse hatte am Dienstag den Handel im Minus eröffnet, die Indizes drehten anschließend aber ins Plus. Der Dow Jones  gewann bis zum Handelsschluss in Deutschland 0,3 Prozent auf 11.113 Zähler hinzu. An der Technologiebörse gewann der Nasdaq Composite  zuletzt 0,6 Prozent auf 2280 Punkte hinzu.

Zuvor hatte das Handelsministerium mitgeteilt, die Umsätze der US-Einzelhändler seien im Februar um 1,3 Prozent gesunken und damit stärker als vom Markt erwartet. Das Defizit in der US-Leistungsbilanz hat sich nach Angaben des Ministeriums im vierten Quartal 2005 auf 224,9 Milliarden Dollar erhöht. Analysten hatten im Schnitt mit einem Anstieg auf 217,7 Milliarden Dollar gerechnet.

Den Rückgang des ZEW-Index, der die Konjunkturerwartungen institutioneller Anleger misst, auf 63,4 (Prognose 71,0) Punkte von 69,8 Zähler nahmen einige Investoren in Deutschland zum Anlass, ihre Gewinne mitzunehmen, hieß es in Frankfurt. Der überraschend deutliche Rückgang der US-Einzelhandelsumsätze im Februar habe den Dax zeitweise zusätzlich belastet, hieß es in Frankfurt. "Die Zahlen von Goldman Sachs  kompensieren das ein wenig, deshalb fällt die Reaktion nur moderat aus", sagte ein Händler. Die US-Investmentbank hatte für das erste Quartal einen Rekordgewinn vorgelegt.

Aktionäre strafen Titel der Deutschen Post ab

Größter Dax-Verlierer waren die Aktien der Deutsche Post  mit einem Abschlag von zuletzt 7,1 Prozent auf 21,11 Euro. "Der Ausblick war sehr enttäuschend", sagte ein Händler. Der Bonner Konzern kündigte nach den milliardenschweren Übernahmen des Vorjahres für 2006 eine Verschnaufpause beim Betriebsgewinn an. Zudem rechnet er für das ohnehin krisengeschüttelte US-Geschäft vorläufig nicht mit einer Verbesserung. Auch 2007 werde man im US-Expressgeschäft noch keine Gewinne schreiben können, sagte Post-Chef Klaus Zumwinkel.

Schering geben nur moderat nach

Schering geben nur moderat nach

Schering-Aktien  gaben nach dem 26-prozentigen Gewinn vom Vortag nur knapp 1,0 Prozent auf 83,63 Euro nach. Merck KGaA , deren Aktien im MDax  notiert sind, verloren dagegen zuletzt weitere 4,2 Prozent auf 76,56 Euro.

Viele Anleger erwarten, dass der Darmstädter Pharmakonzern sein Übernahmeangebot für Schering erhöhen muss. Die von Schering-Aufsichtsratschef Giuseppe Vita als faire Bewertung der Schering-Aktien genannte Größenordnung von 90 bis 100 Euro bezeichnete Merck-Aufsichtsratschef Wilhelm Simson als unverständlich. Nach Angaben aus Branchenkreisen wollte der Aufsichtsrat von Schering am Dienstag beraten.

BMW-Titel führen weiter den Dax an

Größter Dax-Gewinner waren die Aktien von BMW  mit einem Plus von 2,9 Prozent auf 41,87 Euro, die Börsianern zufolge von einer Kaufempfehlung von UBS profitierten. "Die Empfehlung von UBS ist entscheidend", sagte ein Händler. Papiere der Deutsche Börse  gewannen 2,1 Prozent auf 114,20 Euro. Zeitweilig hatte die Titel am Dienstag rund 4 Prozent gewonnen.

Börsianer verwiesen auf das Gesprächsangebot der Vierländerbörse Euronext. "Damit wird eine Fusion zwischen den beiden Börsen wahrscheinlicher", kommentierte ein Händler. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Jacques Chirac schienen einem Zusammengehen der beiden ihren Segen zu geben. "Das könnte ein interessantes Projekt sein, wenn es dazu käme", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag nach einem deutsch-französischen Ministerrat in Berlin. Chirac stimmte der Einschätzung bei.

Münchener Rück  gaben ihre Gewinne vollständig ab und schlossen 0,4 Prozent niedriger bei 113,80 Euro. Im Handelsverlauf hatte die Aktien zeitweilig mehr als 1 Prozent zugelegt. Der Rückversicherer hatte 2005 trotz der Schäden aus der Serie verheerender Wirbelstürme in den USA einen Rekordgewinn erreicht.

Auch die Bankenwerte zogen im Verlauf an und stützten den Dax. "Die Quartalszahlen von Goldman Sachs sind sehr gut ausgefallen und haben den gesamten Bankensektor beflügelt", sagte ein Händler. Deutsche Bank  gewannen zuletzt 0,8 Prozent auf 94,20 Euro, Commerzbank  kletterten um 0,4 Prozent auf 29,94 Euro.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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