Börsenschluss Dax verliert 120 Zähler

Schwache US-Konjunkturdaten und schlechte Nachrichten vom Internetkonzern Google haben am Dienstag den Anlegern die Stimmung verdorben. Der Dax rutschte unter die Marke von 5800 Punkten. Lediglich BMW-Titel verbuchten nennenswerte Kursgewinne. Im TecDax fuhren die Papiere von Q-Cells Achterbahn.

Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienmärkte haben am Dienstag belastet von schwachen US-Konjunkturdaten ihre Verluste ausgebaut und deutlich im Minus geschlossen. Sowohl das US-Verbrauchervertrauen als auch der Chicago Einkaufsmanagerindex waren schlechter ausgefallen als am Markt erwartet. Zudem schockte der Internetkonzern Google  die Investoren mit einem schwachen Ausblick.

Der Dax  rutschte mit minus 2,01 Prozent auf 5796 Punkte tief in die Verlustzone. Das Tageshoch hatte bei 5916 Zählern gelegen. Der MDax  verlor 1,10 Prozent auf 8357 Punkte. Die Technologiewerte im TecDax  litten ebenfalls unter der negativen Stimmung und gaben 2,35 Prozent auf 743,43 Punkte ab.

Zum Handelsschluss in Deutschland notierte der Dow Jones  0,8 Prozent leichter auf 11.008 Zählern. Der Technologieindex Nasdaq Composite  gab 1,1 Prozent auf 2282 Punkte ab.

"Nach deutlichen Kursgewinnen der vergangenen Wochen haben nun viele Investoren erstmal Gewinne mitgenommen", sagte ein Marktstratege. Hiervon besonders betroffen seien die Unternehmen gewesen, die letztlich stark zugelegt haben; also Versorger, Technologiewerte, aber auch Banktitel.

Am Nachmittag seien die schwachen US-Daten hinzugekommen, die auf eine Abschwächung der konjunkturellen Unterstützung hindeuten und die Stimmung in den Keller gedrückt hätten, hieß es weiter. Zudem überraschte am Nachmittag der Internet-Konzern Google  die Investoren mit der Prognose eines sich abschwächenden Wachstums. Der Aktienkurs des Unternehmens sackte binnen weniger Minuten um mehr als 11 Prozent ab und zog den Gesamtmarkt nach unten.

USA: Verbraucher zeigen sich skeptisch

So hat sich das vom Conference Board erhobene Verbrauchervertrauen in den USA im Februar stärker als erwartet eingetrübt. Der Index für die Konsumstimmung sank von revidierten 106,8 Punkten (Erstschätzung: 106,3) im Vormonat auf 101,7 Punkte im Februar, teilte das private Wirtschaftsforschungsinstitut Conference Board am Dienstag mit. Volkswirte hatten zuvor mit einem Rückgang auf 103,9 Punkte gerechnet.

Zudem hat sich in der Region Chicago die Stimmung der Einkaufsmanager im Februar überraschend eingetrübt. Der Einkaufsmanager-Index sei auf 54,9 Zähler gefallen, teilte die regionale Einkaufsmanagervereinigung von Chicago am Dienstag mit. Befragte Volkswirte hatten mit 58,6 Punkten gerechnet. Im Januar hatte der Index 58,5 Punkte betragen. Indexstände von über 50 Punkten signalisieren eine wirtschaftliche Belebung, während Werte darunter auf einen Rückgang hinweisen. Der Chicago-Index gilt als zuverlässiger Indikator für den nationalen Einkaufsmanagerindex ISM.

Versorgerwerte stark unter Verkaufsdruck

Gewinnmitnahmen bei Eon und RWE

Die schwergewichtigen Versorgerwerte standen besonders unter Druck und zogen den Dax  mit nach unten. Eon  und RWE  büßten 2,82 Prozent auf 92,89 Euro und 3,06 Prozent auf 71,86 Euro ein. Händler sprachen zum einen von Gewinnmitnahmen. Zum anderen drohe Eon ein milliardenschwerer Bieterkampf mit Gas Natural um den spanischen Energiekonzern Endesa . Am Nachmittag äußerte die spanische Regierung erneut Bedenken zu der geplanten Übernahme durch den deutschen Versorger.

Zu den Verlierern zählten auch Aktien der Commerzbank  mit minus 3,45 Prozent auf 30,54 Euro. Der Markt sei zwar von dem Teilverkauf der Beteiligung an der Korean Exchange Bank (KEB) gerechnet, einige hätten aber auf einen Komplettverkauf gehofft, sagten Börsianer.

BMW-Aktie hält im Dax die Fahne hoch

Aktien von BMW  zählten hingegen zu den wenigen Werten im Dax, die den Handel im Plus beendeten. Die Papiere gewannen 0,82 Prozent auf 40,34 Euro. Nach einem guten Start ins neue Jahr ist auch der Februar für die Münchener nach eigenen Angaben erfolgreich verlaufen. Der Absatz sei prozentual zweistellig gestiegen, sagte BMW-Chef Helmut Panke auf dem Autosalon in Genf.

Volkswagen  gaben rund 1,60 Prozent auf 58,66 Euro nach. VW-Chef Bernd Pischetsrieder zweifelt noch an einer durchgreifenden Belebung der Automobilkonjunktur. "Wir gehen nicht davon aus, dass wir in diesem Jahr größeren Rückenwind vom Markt bekommen", sagte Pischetsrieder. Er erwarte 2006 ein Wachstum des Automobil-Weltmarktes um nur 1 Prozent. DaimlerChrysler  verloren 2,80 Prozent auf 46,50 Euro.

MPC standen nach Zahlen im Interesse der Anleger und verloren als einer der schwächsten Werte im MDax  3,65 Prozent auf 74,00 Euro. Es habe bei den Jahreszahlen zwar keine großen Überraschungen gegeben, allerdings sei der Ausblick für 2006 enttäuschend ausgefallen.

Sehr nervöser Handel mit Q-Cells-Aktien

Auf Berg- und Talfahrt begaben sich Titel des Solarzellenherstellers Q-Cells  im TecDax . Die Aktie pendelte zwischen rund 84 und knapp 96 Euro und schloss am Ende mit einem Minus von 3,91 Prozent auf 85,21 Euro. Händlern hatte ein konkreter Ausblick gefehlt, ansonsten seien die Zahlen gut ausgefallen.

Gewinner im TecDax  waren nach den drastischen Kursverlusten vom Vortag Morphosys  mit einem Plus von 6,67 Prozent auf 48,61 Euro. Das Biotechunternehmen hat innerhalb der Kooperation mit dem US-Unternehmen Centocor einen vierten therapeutischen Meilenstein erreicht. Zu den finanziellen Details machte das Unternehmen keine Angaben. In der Branche wurde ein sechs- bis siebenstelliger Betrag vermutet.

dpa-afx

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