Wochenausblick 6000 Punkte in Sicht

Die Marke von 6.000 Punkten rückt für den Dax nach Einschätzung von Experten in greifbare Nähe. Nach der jüngsten Kursrallye dürften die deutschen Aktien auch in der kommenden Woche mit steigenden Kursen in den Handel starten. Mit Spannung werden die Zahlen der Deutschen Bank und das Zinsvotum der US-Notenbank Fed erwartet.

Frankfurt/Main - Das positive konjunkturelle Umfeld und Unternehmenszahlen, die die Umstrukturierungen der vergangenen Jahre widerspiegeln, steigern die Chancen für weitere positive Impulse am Aktienmarkt, wie Marktstratege Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg feststellt.

Angetrieben von hohen Gewinnen bei ThyssenKrupp  infolge der Pläne für eine Gigantenhochzeit im Stahlsektor hatte der deutsche Leitindex Dax  am Freitag erstmals seit August 2001 die Marke von 5.600 Punkten überschritten. Er legte - unterstützt auch von positiven Zahlen bei SAP  und Siemens  innerhalb einer Woche ein Kursplus von 5,58 Prozent hin. Auch der MDax  kletterte zum ersten Mal über die Marke von 8.000 Punkten und damit auf einen neuen Rekordwert.

Auch nach Ansicht von Experten der Bankgesellschaft Berlin  könnte sich der Weg nach oben weiter fortsetzen. "Für die innere Stärke des Marktes spricht, dass der Kursaufschwung ohne US-Unterstützung zustande gekommen ist", heißt es im Wochenausblick der Bank.

Angesichts der verbesserten Wirtschaftsdaten liege es nahe, dass sich die Bereitschaft ausländischer Anleger, sich in der Eurozone und vor allem in Deutschland zu engagieren, angehalten oder gar verstärkt habe. Belastungsfaktoren wie etwa ein steigender Ölpreis sollten jedoch im Auge behalten werden, rät die Bank.

Eine Reihe von Unternehmen legen in der kommenden Woche ihre Bilanzzahlen vor. Einen Höhepunkt im Berichtsreigen werden am Donnerstag die Zahlen der Deutschen Bank  für das Gesamtjahr 2005 bilden. Der Branchenprimus hat nach Einschätzung von Analysten den Gewinn auch im vierten Quartal wieder deutlich gesteigert und damit das Jahresziel - eine um Sondereffekte bereinigte Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern - erreicht.

Unter dem Strich dürfte die größte deutsche Bank im vergangenen Jahr nach Einschätzung von Analysten mit 3,82 Milliarden Euro rund 54 Prozent mehr verdient haben als vor einem Jahr. Beim Gewinn vor Steuern rechnen die Experten mit einem Plus von 59 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro.

Am Dienstag steht die im MDax notierte Norddeutsche Affinerie  mit Geschäftszahlen auf dem Terminplan von Marktteilnehmern. Im vierten Quartal 2004/2005 hatte Europas größte Kupferhütte die Erwartungen der Analysten übertroffen. Auf der Agenda stehen auch mehrere Konjunkturdaten. Am Donnerstag gibt die Europäische Zentralbank (EZB) am Nachmittag die Ergebnisse ihrer Ratssitzung bekannt. Für den Euroraum wird erst im März mit einer Zinsanhebung gerechnet.

Fed-Sitzung und Zahlen in Amerika

Das Geschehen an der Wall Street dürfte in dieser Woche insbesondere von der Sitzung der US-Notenbank Fed und weiteren Geschäftszahlen großer Unternehmen bestimmt werden. Analysten halten dabei eine zweite Woche mit satten Gewinnen durchaus für möglich. Allgemein wird erwartet, dass die Fed am Dienstag die Zinsen zum 14. Mal in Folge auf dann 4,5 Prozent anheben wird.

Allerdings könnte die Notenbank auf der letzten Sitzung von Fed-Chef Alan Greenspan auch ein Ende der Zinserhöhung signalisieren. "Es kann sein, dass wir uns dem Ende des Zinserhöhungs-Zykluses nähern", sagte Hans Olsen von Bingham Legg Advisers. "Vielleicht ist es Zeit, dass die Fed das deutlich macht. Davon würden Aktien profitieren." In den vergangenen Tagen hatten schwächer als erwartete Zahlen zum amerikanischen BIP-Wachstum die Hoffnung der Börsianer auf ein Ende der Zinsanhebungen bestärkt.

Der zweite große Einfluss dürfte von weiteren Unternehmenszahlen kommen. Nachdem in der vergangenen Woche Microsoft  und Procter & Gamble  starke Zahlen vorlegten, werden mit besonderer Spannung Exxon Mobil  und Google  erwartet. Auch Altria , Boeing  und Starbucks  sollen Quartalsergebnisse präsentieren.

Etwa die Hälfte der Firmen im S&P 500 haben bislang ihre Zahlen vorgelegt. Im Durchschnitt wurde dabei ein Gewinnanstieg von 12,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erzielt, berichtet Standard & Poor's.

Zu den weiteren Einflüssen dürfte die Rede zur Lage der Nation von US-Präsident George W. Bush gehören. Zwar wurde erwartet, dass er sich in der Nacht zum Mittwoch auf politische Themen konzentriert. "Aber vielleicht redet er ja auch über den Arbeits- und Immobilienmarkt", sagte Jason Schenker von Wachovia. An US-Konjunkturzahlen stehen im Laufe der Woche die Daten zu persönlichen Einkommen und Konsumausgaben, zum Arbeitsmarkt, der Einkaufsmanagerindex von Chicago und das Verbrauchervertrauen an.

Der Dow Jones  schloss am Freitag um 0,90 Prozent höher auf 10.907 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index stieg um 0,78 Prozent auf 1283 Zähler. Der Nasdaq Composite  legte 0,93 Prozent auf 2304 Punkte zu. Im Vergleich zur Vorwoche stieg der Dow um 2,24 Prozent, der S&P um 1,76 Prozent und der Nasdaq um 2,52 Prozent.

dpa-afx, rtrs

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