Donnerstag, 22. August 2019

Wochenausblick Bange Blicke nach Berlin

Rot-Grün holt auf, die Börse zittert. Sollte Schwarz-Gelb die absolute Mehrheit verfehlen, prognostizieren Analysten ein Ende der Hausse. Denn die Anleger erhoffen sich von der Wahl einen Regierungswechsel und tief greifende Reformen zur Belebung der Konjunktur.

Frankfurt - Verschlechterte Wahl-Umfragewerte für Union und FDP könnten den Deutschen Aktienindex (Dax) in der kommenden Woche belasten. "Alles andere als eine Regierung aus CDU/CSU und FDP wäre sehr schlecht für den Aktienmarkt, weil diese Konstellation die von den Anlegern favorisierte ist", sagt ein Händler. "Bei jeder anderen Regierung kann man sich den verstärkten Einstieg ausländischer Investoren erst einmal abschminken."

Richtungsweisend: Die Börse erwartet einen Wahlsieg von CDU-Kanzlerkandidatin Angela Merkel
Henning Kaiser / DDP
Richtungsweisend: Die Börse erwartet einen Wahlsieg von CDU-Kanzlerkandidatin Angela Merkel
Aktienstratege Frank Schallenberger von der LBBW hält angesichts der aktuellen Wahlumfragen in der kommenden Woche einen Rutsch des Dax unter die Marke von 4900 Punkten für möglich. Sein Kollege Volker Borghoff von HSBC Trinkaus & Burkhard rechnet dagegen nicht mit einem größeren Kursverlust: "Viele werden erst einmal das Wahlergebnis abwarten", so Borghoff.

Den jüngsten Wahlumfragen von ARD und ZDF zufolge werden Union und FDP bei der Bundestagswahl am 18. September keine parlamentarische Mehrheit erhalten. In den Wochen seit der Ankündigung der vorgezogenen Neuwahlen Ende Mai hat der Dax Börsen-Chart zeigen gut 15 Prozent auf ein Dreijahreshoch von 5020,47 Punkten zugelegt, und sich damit im europäischen Vergleich überdurchschnittlich entwickelt. In der abgelaufenen Woche betrug das Plus per Saldo knapp vier Prozent. Anleger erhoffen sich von der Wahl einen Regierungswechsel und anschließende tief greifende Reformen zur Ankurbelung der Konjunktur.

Wahlausgang überschattet Konjunkturdaten

Die bevorstehenden Bundestagswahlen werden voraussichtlich selbst die anstehenden US-Konjunkturdaten in den Hintergrund drängen. "Am interessantesten ist der Index des US-Verbrauchervertrauens der Universität von Michigan am Freitag", sagt LBBW-Stratege Schallenberger. "Aber er hat das Pech, dass er ausgerechnet zwei Tage vor der Wahl veröffentlicht wird." Daneben sollen am Donnerstag noch die üblicherweise stark beachteten US-Inflationsdaten bekannt gegeben werden.

Unter den deutschen Unternehmen will kommende Woche (Donnerstag) lediglich der im Kleinwerte-Index SDax gelistete Modekonzern Escada Börsen-Chart zeigen Quartalszahlen vorlegen.

Ungeachtet der verheerenden Verwüstungen durch den Wirbelsturm "Katrina" erwarten Börsianer von der beginnenden "Beichtsaison" in den USA, in der Unternehmen gegebenenfalls ihre Geschäftsprognosen korrigieren, keinen nachhaltigen Einfluss auf den Aktienmarkt. "Die Belastung durch die Zerstörungen und die positiven Konjunktureffekte wegen des beginnenden Wiederaufbaus werden sich unter dem Strich die Waage halten", fasst ein Händler die Einschätzung vieler Marktteilnehmer zusammen.

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