Börsenschluss Dax beugt sich dem Druck

Der Ölpreisrekord hat den Anlegern am deutschen Aktienmarkt am Donnerstag die Kauflaune verdorben. Auch Kursverluste der Index-Schwergewichte Telekom und RWE zogen den Dax nach unten. Die Commerzbank widersprach Übernahmegerüchten, und der Kurs fiel.

Frankfurt - Nach dem steilen Anstieg vom Vortag litt der Dax  am Donnerstag unter Gewinnmitnahmen und verlor die 5000-Punkte-Marke wieder aus dem Blick. Nach den zum Teil massiven Aufschlägen sei diese Entwicklung aber auch nicht verwunderlich, urteilten Händler. Der Rekordölpreis von zeitweise mehr als 65 Dollar je Barrel (159 Liter) sowie schwache US-Konjunkturdaten belasteten den Dax zusätzlich, der mit einem Minus von 0,7 Prozent bei 4954 Punkten aus dem Handel ging. Der TecDax  verlor 0,9 Prozent auf 588 Zähler und der MDax  0,8 Prozent auf 6806 Punkte. Geprägt wurde das Marktgeschehen vom letzten großen Tag der Berichtssaison.

An den US-Börsen tendierten die beiden wichtigsten Indizes gut behauptet. Der Dow Jones  stieg bis Handelsschluss in Deutschland um 0,3 Prozent auf 10.629 Punkte. Der Nasdaq Composite  kletterte um 0,3 Prozent auf 2164 Zähler. Der Euro übersprang die Marke von 1,24 Dollar und kostet am frühen Abend 1,2438 Dollar. Die Europäische Zentralbank stellte einen Referenzkurs von 1,2405 Dollar nach 1,2377 Dollar am Mittwoch fest.

Im Dax verbuchten die Papiere von RWE  zuletzt einen Abschlag von 1,6 Prozent auf 55,31 Euro, obwohl der Versorger sein Betriebsergebnis im Halbjahr stärker als erwartet gesteigert hatte. "Die Zahlen waren gut, aber sie enthielten keine positive Überraschung", sagte HVB-Analyst Lars Korinth. "Es sieht so aus, als hätten einige Anleger mehr erwartet."

Um 2,1 Prozent auf 16,11 Euro gaben die Aktien der Deutschen Telekom  nach. Der Konzern hat mit einem bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im zweiten Quartal die Erwartungen übertroffen, lag mit dem Nettogewinn allerdings unter den Schätzungen. Fondsmanager Heinrich Ey von der Fondsgesellschaft Dit erklärte auch hier die Kursverluste damit, dass einige Anleger auf mehr gehofft hatten. "Die Erwartungen waren ziemlich hoch", sagte er.

Tui-Titel drehen ins Minus

Tui-Titel drehen ins Minus

Bei Tui  werteten Analysten negativ, dass das operative Touristikergebnis nur dank eines Sonderertrages aus Flugzeugverkäufen zugelegt habe und sich operativ somit nicht verbessert, sondern verschlechtert habe. Tui führte dagegen an, dass dem Sondererlös einmalige Aufwendungen für den Ausbau des Billigfluggeschäfts gegenüberstünden. Somit könne zu Recht von einem operativ verbesserten Touristikergebnis gesprochen werden. Tui-Aktien verbilligten sich um 1,5 Prozent auf 21,65 Euro.

Größter Verlierer im Dax  waren die Papiere von Infineon  mit einem Abschlag von 4,2 Prozent auf 7,78 Euro. "Da ist einfach keine Fantasie in der Aktie", sagte ein Händler.

Zu den wenigen Lichtblicken im Dax zählten nach der Anhebung der Gewinnprognose die Aktien des Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzerns MAN . Die Quartalszahlen hätten die Erwartungen weitgehend getroffen, sagte LRP-Analyst Michael Punzet. Die Anhebung der Gewinnprognose für das Gesamtjahr passe daher ins Bild. Titel von MAN verbesserten sich um 3,1 Prozent auf 41 Euro.

Commerzbank-Titel auf Berg- und Talfahrt

Anhaltende Gerüchte um ein Interesse der französischen Bank BNP Paribas  sorgten zeitweise für ein Plus der Commerzbank-Aktien  um knapp 4 Prozent auf 22,62 Euro. Die Titel, die damit ein 52-Wochenhoch markierten, drehten dann allerdings ins Minus, nachdem ein Mitglied des Aufsichtsrats der Nachrichtenagentur Reuters gesagt hatte, er habe kein Indiz für Gespräche mit BNP oder anderen Banken. Commerzbank-Papiere schlossen 2,3 Prozent tiefer bei 21,30 Euro.

Spekulationen über ein Interesse des Schweizer Pharmakonzerns Novartis  an dem deutschen Wettbewerber Schering  trieben die Aktien des Berliner Unternehmens um 2,2 Prozent in die Höhe auf 53,10 Euro. Schering wollte die Gerüchte nicht kommentieren.

Medion bremst Kurssturz

Aareal Bank bleibt hinter Erwartungen zurück

Zu den größten Verlierern im MDax zählten die Papiere der Hannover Rück  mit einem Minus von 5,2 Prozent auf 30,60 Euro. Analysten begründeten dies mit Gewinnmitnahmen und damit, dass der Rückversicherer operativ schwächer als erwartet abgeschnitten habe. Anleger fürchteten eine Verschlechterung des stark zyklischen Marktes. "Die Sorge der Investoren ist, dass 2006 die Preise deutlich unter Druck geraten könnten", sagte Analyst Ralph Dibbern von M.M. Warburg.

Auf den Verkaufslisten standen auch die im MDax  notierten Titel der Aareal Bank , die mehr als 4,6 Prozent auf knapp 27,48 Euro nachgaben. Die Aareal Bank ist mit ihrem Ergebnis im ersten Halbjahr hinter den Erwartungen der Analysten zurückgeblieben. Zwar stieg der Konzerngewinn gegenüber Vorjahreszeitraum um gut 15 Prozent auf 30 Millionen Euro, wie die Bank mitteilte. Analysten hatten allerdings mit einem Gewinn von 38 Millionen Euro gerechnet.

Medion-Aktie begrenzt ihre Verluste

Die Aktie des Essener Elektronik-Großhändlers Medion  konnte ihre rasante Talfahrt abbremsen und reduzierte die Verluste zuletzt auf 1,9 Prozent bei knapp 12,99 Euro. Zeitweilig hatte der Wert mit mehr als 5 Prozent in der Verlustzone gestanden. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern sei von 12,2 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2004 auf nunmehr sechs Millionen Euro geschrumpft, teilte das Unternehmen am Morgen mit. Dagegen habe der Umsatz nach drei rückläufigen Quartalen wieder auf 499 (490,2) Millionen Euro gesteigert werden können, nach 490 Millionen in der entsprechenden Vorjahresperiode.

Medion teilte mit, trotz eingeleiteter Kostensenkungen und Strukturverbesserungen dürften auch im Gesamtjahr Einbußen bei Umsatz und Gewinn zu erwarten sein. Das Essener Unternehmen hatte bereits 2004 bei einem Umsatz von 2,6 Milliarden Euro den Überschuss auf 50,7 Millionen Euro halbiert.

Im TecDax  waren die Papiere von Funkwerk  gefragt, die trotz eines Gewinneinbruchs im Halbjahr um knapp vier Prozent zulegten. "Schon vor den Zahlen war eine gewisse Skepsis da, die die Aktien belastet und die sich mit den Zahlen auch bewahrheitet hat", sagte Analyst Thomas Langer von der WestLB. Nun bestehe die Hoffnung, dass die Wachstumsschwäche zu Ende sei. Die Aktie gewann 3,2 Prozent auf 32 Euro.

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