Märkte Bayer stützt den Dax

Der Deutsche Aktienmark kann die Kursgewinne zum Handelsstart nicht halten und rutscht auf das Niveau der vergangenen Woche zurück. Bayer-Aktien verteidigen die Dax-Spitze, während die Aktionäre von Infineon und der Deutschen Post Verluste hinnehmen müssen.

Frankfurt am Main - In Erwartung der Zwischenbilanzen wichtiger US-Konzerne ist der Deutsche Aktienindex (Dax ) am Morgen um bis zu 0,4 Prozent auf 4733 Punkte gestiegen und konnte damit gleich zu Beginn der Woche den höchsten Indexstand seit drei Jahren erreichen. Dann aber kippte der Dax wieder zurück und rangiert mittlerweile wieder bei 4714 Indexpunkten - dem Niveau der vergangenen Handelswoche. Der MDax  der mittelgroßen Werte büßte bereits mehr als 0,2 Prozent seines Wertes ein, auf nunmehr 6524 Punkte. Und auch der TecDax  rutschte mit einem Indexstand von gut 585 Zählern knapp unter den Schlussstand des vergangenen Freitags.

Die späten Kursgewinne an der New Yorker Wall Street zum Wochenende stützten den Markt nur zu Handelsbeginn, sagten Händler. Bremsend wirke zudem der gestiegene Ölpreis.

Bayer-Aktien  halten sich bisher an der Dax-Spitze. Marktteilnehmer verwiesen auf die Nachricht, dass die Europäische Kommission das Antibiotikum Avalox zur Behandlung komplizierter Haut-und Weichteilinfektionen zugelassen hat. Der Aktienkurs des Leverkusener Konzerns stieg um gut 1,1 Prozent auf 28,50 Euro.

Infineon-Aktien  verloren bisher knapp 0,5 Prozent auf gut 8,35 Euro. Nach Volkswagen  wird auch der Chiphersteller von einem Korruptionsskandal erschüttert. Der für die Speicherchip-Sparte zuständige Vorstand Andreas von Zitzewitz trat am Samstag angesichts laufender Ermittlungen zurück. Der Infineon-Aufsichtsrat nahm an Sonntag den Rücktritt an. Am Tag zuvor wurden in einer Großrazzia die Infineon-Zentrale und Büros und Privathäuser in Deutschland und der Schweiz durchsucht. Von Zitzewitz wird vorgeworfen, gegen Zahlung sechsstelliger Bestechungsgelder Sponsoring-Verträge im Motorsport-Bereich vermittelt zu haben.

IWKA-Aktien  gaben um hohe 6,4 Prozent auf rund 18,15 Euro nach. Im Machtkampf beim Karlsruher Maschinen- und Anlagenbauer hat der umstrittene US-Finanzinvestor und Großaktionär Guy Wyser-Pratte einen entscheidenden Sieg errungen und denkt nun auch über ein Aufsichtsratsmandat nach. Alle sechs IWKA-Aufsichtsräte der Kapitalseite kündigten am Freitagabend ihren Rückzug an.

Bund verkauft letzte Post-Anteile

Bund verkauft letzte Post-Anteile

Weiter im Fokus stehen auch die Volkswagen-Aktien . Die Papiere gaben 0,25 Prozent auf rund 40,50 Euro ab. Der Skandal bei dem Autobauer verunsichert zunehmend die Kundschaft bei Europas größtem Autohersteller. "Wir spüren inzwischen die Auswirkungen. Das Thema ist drin in den Kundenköpfen", sagte Michael Lamlé, Geschäftsführer des VW-Händlerverbands, der dpa. Vor allem Großkunden würden die Affären sehr kritisch zur Sprache bringen. Laut einer aktuellen Umfrage ist nach Einschätzung vieler Autokäufer das Image der Marke VW beschädigt.

Die Aktien der Deutschen Post  gaben 0,3 Prozent ab, Papiere der Deutschen Telekom  legten 0,1 Prozent zu. Der Bund trennt sich von sämtlichen Anteilen an der Deutschen Post. Die staatseigene KfW-Bankengruppe hat am Montag die verbliebenen 7,3 Prozent der Anteile an der Deutschen Post übernehmen. Zudem hat sie weitere 7,3 Prozent Bundesanteile an der Deutschen Telekom übernommen. Beide Geschäfte zusammen haben ein Volumen von fünf Milliarden Euro. Das Geld fließt dem Bund zu und soll Lücken im laufenden Haushalt schließen.

Pfleiderer-Aktien  legten um 8,1 Prozent auf 15,94 Euro zu. Der Möbel- und Bauzulieferer hat die Holzwerkstoff-Aktivitäten der Kunz Gruppe in Deutschland und Nordamerika übernommen. Der Kaufpreis betrage 212 Millionen Euro, teilte Pfleiderer mit. Hinzu kämen Verbindlichkeiten in Höhe von rund 267 Millionen Euro.

Im TecDax  verloren Teles  2,6 Prozent auf 8,25 Euro. Der Internet-Dienstleister ist im abgelaufenen Quartal in die Verlustzone gerutscht. Wie die Gesellschaft mitteilte, brach das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) auf minus 2,4 Millionen Euro ein. Im Vorjahr wies Teles noch plus 0,5 Millionen Euro aus. Der Umsatz reduzierte sich von 7,4 auf 6,5 Millionen Euro. Die Daten fielen laut Händlern "leicht enttäuschend" aus.

Aktien des Pay-TV-Senders Premiere  stiegen um 0,9 Prozent auf 28,85 Euro. Ein Verkauf des Sportkanals DSF von EM.TV  an Premiere, über den im aktuellen "Focus" spekuliert wird, steht nach Angaben von beiden Unternehmen aktuell nicht zur Debatte. "DSF ist ein wichtiger integraler Bestandteil von EM.TV. Es gibt derzeit keinen Grund anzunehmen, dass sich daran etwas ändert", sagte ein EM.TV-Sprecher.

Mehr lesen über Verwandte Artikel