Wochenausblick Fokus auf Quartalszahlen der Großen

Nach der abgelaufenen Rekordwoche dürfte die gute Stimmung an den deutschen Aktienmärkten nach Ansicht vieler Börsianer anhalten. Gefährlich könnte es werden, wenn einige der großen Unternehmen, die in den kommenden Tagen Quartalszahlen vorlegen, die Erwartung der Anleger enttäuschen.

Frankfurt am Main - Beflügelt von sinkenden Ölpreisen, relativ freundlichen US-Konjunkturdaten und dem positiven Auftakt der US-Berichtssaison erreichte Leitindex Dax  in der abgelaufenen Börsenwoche den höchsten Stand seit Juni 2002. Somit stehen die Chancen gut, dass das wichtigste deutsche Börsenbarometer die Marke von 4700 Punkten verteidigt. Allerdings könnten eine Trendwende beim Ölpreis oder einige schlechte Bilanzen wichtiger US-Unternehmen dem Aktienmarkt nach Meinung vieler Analysten schnell einen Dämpfer verpassen.

Das Geschehen an den deutschen Kapitalmärkten wird in der neuen Woche eindeutig von Meldungen aus den USA bestimmt. Die US-Berichtssaison steuert ihrem ersten Höhepunkt entgegen. Eine Vielzahl weltweiter Marktführer werden sich zu ihrem Geschäft äußern und damit auch die Aktien der deutschen und europäischen Branchenkollegen beeinflussen. Eine regelrechte Flut von Bilanzen steht vor allem im Technologie-Sektor bevor.

Direkt zu Wochenbeginn präsentiert der US-Technologie-Konzern IBM  seine Ergebnisse. Mit Spannung werden die Investoren auf die Zahlen sowie den Ausblick schauen und dabei Rückschlüsse auf den weltweiten Sektor ziehen. Auch der weltgrößte Chiphersteller Intel  veröffentlicht seine Ergebnisse - was auch die Aktien des deutschen Konkurrenten Infineon  beeinflussen wird. Außerdem legen noch die wegweisenden Internet-Unternehmen Yahoo , Google  und Ebay  ihre Bilanzen vor.

GM- und Ford-Zahlen im Zeichen der Rabattschlacht

Die Aktien deutscher Autobauer werden ebenfalls in den Fokus rücken, wenn die US-Branchengrößen General Motors (GM ) und Ford  über ihr Geschäft berichten.

Beide US-Konzerne versuchen derzeit mit hohen Rabatten in ihrer Heimat, dem wichtigsten Automarkt der Welt, Anteile zu erobern. Zahlen aus Übersee werden zudem auch deutsche Pharmawerte bewegen. Denn in der neuen Woche legen auch die US-Pharmariesen Pfizer  und Merck & Co.  ihre Zwischenergebnisse vor.

Spannend wird es auch in der Softwarebranche: So berichten am Donnerstag der Branchenprimus Microsoft  und auch Europas führender Softwarekonzern SAP über Umsatz und Gewinn. Bei den Walldorfern werden Analysten vor allem auf die wichtigen Lizenzerlöse achten, die laut Vorhersage der HypoVereinsbank (HVB ) um 10,7 Prozent auf 550 Millionen Euro zugelegt haben. Der Quartalsumsatz dürfte auf 1,94 Milliarden Euro und der Nettogewinn auf 281 Millionen Euro klettern.

"Gute Zahlen geben geringere Impulse"

"Gute Zahlen geben kurzfristig immer geringere Impulse"

Neben SAP wird am Freitag als weiteres deutsches Dax-Unternehmen Schering  seine Bilanz präsentieren. Wie bei Pharmaunternehmen üblich, werden die Investoren besonders dann aufmerksam zuhören, wenn das Management Aussagen zu künftigen Medikamenten macht. Von der HVB wird ein Quartalsumsatz von 1,28 Milliarden Euro und ein Überschuss von 138 Millionen Euro vorhergesagt.

Doch gute Bilanzen allein garantieren noch keinen Anlauf der Indizes auf neue Höchststände. Darauf weist die Landesbank Rheinland-Pfalz hin: "Nach dem Kursanstieg des Dax um mehr als 500 Punkte seit Mitte April wird es mehr und mehr wahrscheinlich, dass gute Unternehmenszahlen dem Gesamtmarkt kurzfristig keine Impulse mehr geben können." Die Bankgesellschaft Berlin hat ihrerseits als "Hauptbelastungsfaktor" den Ölpreis für den Aktienmarkt ausgemacht.

Sollte es zudem "stärkere Enttäuschungen" in der Berichtssaison geben, sei eine "schnelle Korrektur" möglich.