Märkte Siemens verdirbt die Stimmung

Schwacher Tag an der Frankfurter Börse: Der Deutsche Aktienindex verliert deutlich an Wert. Vor allem die Verluste des Dax-Schwergewichtes Siemens haben den Markt nach unten gezogen - zwischenzeitlich sogar auf einen neuen Jahrestiefstand.

Frankfurt am Main - Die deutschen Aktien haben am Mittwoch zum Teil kräftig verloren. Der Leitindex Dax  fiel um 1,06 Prozent auf 4189 Punkte und sank dabei zeitweise sogar auf den tiefsten Stand dieses Jahres von 4157,51 Zählern. Der MDax  für mittelgroße Unternehmen gab mit einem Minus in Höhe von 1,58 Prozent auf 5534 Zähler noch etwas weniger kräftig nach. Und der Technologieindex TecDax  fiel ganz knapp unter die Marke von 500 Punkten: ein Minus in Höhe von 1,4 Prozent.

Grund für den bescheidenen Handelsverlauf war nach Meinung der meisten Händler der verhaltene Geschäftsausblick des Elektroriesen Siemens. "Die bislang schwache Quartalsentwicklung der Unternehmen trübt das Stimmungsbild der Anleger sehr stark ein. Für die Investoren besteht derzeit kein Anlass, sich am Aktienmarkt stärker zu engagieren", sagte Heinz-Bernd Schmitz, Händler bei der NordLB. "Siemens gibt die Richtung vor, und die zeigt nach unten", ergänzte ein Händler.

Aktienverkäufe löste am Nachmittag zudem der Rückgang der US-Auftragseingänge für langlebige Güter aus. Verglichen mit dem Vormonat ermittelten die Statistiker ein Minus in Höhe von 2,8 Prozent; erwartet worden war dagegen ein kleines Plus.

Siemens enttäuscht Anleger

Mit Kursverlusten in Höhe von 2,7 Prozent auf 56,60 Euro zählten die Siemens-Aktien  zu den größten Dax-Verlierern. Für Verstimmung bei den Börsianern sorgte der Industriekonzern vor allem mit der enttäuschenden Entwicklung in der Problemsparte Kommunikation. "Das Augenmerk richtet sich auf die Kommunikationssparte. Da haben sich die schlechten Erwartungen bestätigt", sagte Oliver Drebing, Analyst bei SES Research. LRP-Analyst Thomas Hofmann sieht die angekündigte Ausgliederung der Handy-Sparte als ersten deutlichen Schritt in Richtung einer Trennung. "Per saldo fiel der Quartalsbericht enttäuschend aus. Kaum zeichnet sich eine Lösung bei den Handys ab, liefert das Segment Siemens Business Services schwache Zahlen", fällt Hofmanns Fazit aus.

MAN verliert, weil Konkurrenten verlieren

Aktien von MAN  gerieten ebenfalls in den Abwärtssog, nachdem die Geschäftszahlen des schwedischen Konkurrenten Scania unerwartet schwach ausgefallen sind. Die Titel des Münchener Maschinen- und Lkw-Herstellers gaben zeitweise um 4,8 Prozent auf 32,76 Euro nach. "Das schwächer als erwartet ausgefallene erste Quartal von Scania und deren enttäuschender Ausblick ziehen MAN nach unten", sagte ein Händler. Derzeit kosten MAN-Aktien rund 32,70 Euro, das sind mehr als 5 Prozent weniger als gestern.

Verkauft wurden auch die Anteilsscheine von ThyssenKrupp , die 2,8 Prozent auf 14,10 Euro nachgaben. Auch andere europäische Stahlwerte wie Arcelor  und Corus  verbuchten Kursverluste. Händler machten dafür Befürchtungen vor einem Ende des Stahlbooms verantwortlich. Erst am Dienstag hatte sich der Stahlkonzern Mittal  angesichts hoher Rohstoffkosten zurückhaltend zum zweiten Quartal geäußert.

Unter der schlechten Sektorstimmung litten auch die Aktien des Handelskonzerns Metro . "Die jüngsten Wirtschaftsdaten tragen ja nicht gerade dazu bei, die Verbraucher zu mehr Konsum zu animieren", sagte ein Händler. Metro-Aktien verloren 3,4 Prozent auf 40,45 Euro.

Airbus A380 hebt ab, EADS-Titel treten auf der Stelle

Von einem erfolgreichen Jungfernflug des Großraumflugzeugs A380 konnten die im MDax notierten Aktien des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS  nicht profitieren. Die EADS-Titel verbilligten sich um 2,3 Prozent auf 22,07 Euro. Börsianer nannten als Grund die wachsende Konkurrenz mit dem US-Hersteller Boeing "Der Wettbewerb wird jeden Tag härter, zumal Boeing diese Woche zwei wichtige Kontrakte in Kanada und Indien gewonnen hat", sagte ein Analyst.

Die US-Börsen sind am Mittwoch wieder von der Sorge um eine Abkühlung der US-Konjunktur beherrscht worden. Der Dow-Jones-Aktienindex verlor im frühen Handel bisher 0,66 Prozent auf 10.084 Punkte. Der marktbreite S&P 500  sank um 0,59 Prozent auf 1145 Zähler. Der Auswahlindex Nasdaq 100  büßte 0,63 Prozent auf 1.411,55 Zähler ein, während der Composite-Index  um 0,67 Prozent auf 1914 Zähler verlor.

"Die Auftragseingänge für langlebige Güter sind deutlich unter den Erwartungen ausgefallen. Das belastet eindeutig den Markt", sagte Paul Mendelsohn von Windham Financial Services. Die neuesten Daten stärkten all jene in ihrer Meinung, die bereits mit einer Abschwächung der US-Konjunktur rechneten.

US-Industrieunternehmen haben im März überraschend 2,8 Prozent weniger Aufträge für langlebige Güter verzeichnet. Von CBS MarketWatch befragte Volkswirte hatten im Durchschnitt mit einem Zuwachs von 0,3 Prozent gerechnet.

Konjunkturdaten belasten die US-Börsen

Gegen den Börsentrend konnten Titel von Verizon Communications zulegen. Ihr Wert stieg nach Zahlen als beste Aktie aus dem Dow-Jones-Index um 1,00 Prozent auf 34,33 Dollar. Mit 63 Cent je Aktie übertraf die Telefongesellschaft im ersten Quartal die allgemeine Markterwartung. Analysten hatten mit 60 Cent gerechnet.

Als schwächste Aktie gerieten bisher dagegen die Aktien von Hewlett-Packard  in den Fokus der Börsenhändler. Sie gaben um weitere 1,66 Prozent auf 20,13 Dollar nach. Ebenfalls kräftig verloren die Anteilsscheine von Lexmark  um 2,30 Prozent auf 66,14 Dollar. Nach den enttäuschenden Zahlen vom Vortag hatte Bear Stearns die Lexmark-Aktie auf "Peer Perform" herunter gestuft.

Boeing mit Licht und Schatten

Nicht ganz so stark gaben Boeing-Papiere  in den ersten Handelsstunden in New York nach. Die Aktien des Flugzeugkonzerns verloren bisher 0,49 Prozent ihres Wertes und notieren jetzt bei 58,71 Dollar. Der Konzern verfehlte im ersten Quartal die Umsatzprognosen der meisten Analysten, übertraf sie aber beim Gewinn. Zudem bestätigte das Unternehmen die bisherigen Prognosen.

Bester US-Technologiewert waren Juniper Networks  mit einem Plus von 3,46 Prozent auf 23,06 Dollar. Der Netzwerkspezialist hatte angekündigt, die privat gehaltenen Firmen Peribit Networks und Redline Networks für fast eine halbe Milliarde Dollar zu übernehmen. Das mache Juniper zum führenden Spieler in dem schnell wachsenden Markt, lobten die Analysten von JMP Securities.

Rohöl ist heute deutlich billiger als noch am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI zur Juni-Auslieferung sank bis auf 52,90 Dollar. Grund: Die Rohöllagerbestände in den USA sind nach Angaben des amerikanischen Energieministeriums in der vergangenen Woche deutlich gestiegen, und zwar um 5,5 Millionen auf 324,4 Millionen Barrel; ein Barrel entsprechen 159 Litern. Vor Bekanntgabe der Rohöllagerbestände wurde das Barrel noch zeitweise mit 54,40 Dollar gehandelt.

Der Ölpreis wird nach Einschätzung eines Berichts der Arbeitsgruppe Rohstoffe der Vereinigung Europäischer Konjunkturinstitute im weiteren Verlauf des Jahres 2005 auf etwa 45 USD je Barrel sinken. Der anhaltende Auftrieb der Rohstoffpreise habe sich aus einer kräftigen globalen Nachfrage bei Angebotsverknappungen und politischen Spannungen ergeben, so die Experten.

Der Euro-Kurs hat im Nachmittagshandel nach schwachen US-Konjunkturdaten von seinen anfänglichen Kursverlusten erholt. Der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung stieg auf 1,2967 Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor noch auf 1,2920 Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7740 Euro.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.