Tagesausblick Frühlingserwachen

Der Ifo-Index war schwach, der Ölpreis nimmt wieder Fahrt auf – aber der Dax wankt nicht. Die Zuversicht der Investoren hatte ihr Zentrum allerdings nicht in Frankfurt – sondern wieder einmal in New York. Im Blickpunkt heute: Deutsche Telekom, Infineon, Puma, BP und Amazon.

Hamburg/Frankfurt am Main - Beflügelnd auf die Wall Street wirkte ein Deal im Ölsektor: Der Ölkonzern Valero Energy übernimmt den Konkurrenten Premcor für insgesamt acht Milliarden Dollar und wird damit zum größten Betreiber von Ölraffinerien in Nordamerika. Auch ein Großauftrag für Boeing  hob die Laune der Börsianer.

Gelingt es, die Sorgen hinsichtlich Inflation und Wirtschaftswachstum abzuschütteln, hat der Dax  auch heute Potenzial. Die Broker-Schätzungen für den Auftakt des Handels liegen allerdings nur wenige Pünktchen über oder unter dem gestrigen Schlussstand. Allenthalben beklagten Aktienhändler die geringen Umsätze. Sie hätten zur Folge gehabt, dass etliche Kursbewegungen "Order-getrieben" gewesen seien.

Die Deutsche Telekom  lädt am heutigen Dienstag zur Hauptversammlung, diesmal in Hannover. Ein Zahlenreigen deutscher Unternehmen dürfte zudem heute die Aufmerksamkeit der Investoren erregen. Infineon  meldet Q2-Zahlen. Das Unternehmen ist wegen der Restrukturierung der Sparte Drahtgebundene Kommunikation wahrscheinlich in die Verlustzone geraten. Analysten warten auf Aussagen zur Strategie, die über bloße Kostenreduzierungen hinausgeht.

Ölfeldverkauf bei BP im Milliardenbereich

Merck veröffentlicht Q1-Zahlen, ebenso der Sportartikler Puma . Die HypoVereinsbank  und die Landesbank Rheinland-Pfalz erwarten, dass Währungseffekte und der Ausbau des Einzelhandelsgeschäfts zu einem Anstieg der Bruttomarge auf 52,2 Prozent (51,7 Prozent) geführt haben. Im Blick stehen die Auftragseingänge, besonders in Europa.

Auch Balda , der Kunststoffspezialist, der mit austauschbaren Handyschalen einst verblüffende Kurssteigerungen schaffte, meldet Q1-Zahlen. International werden auch die Q1-Zahlen der Ölriesen BP  für Aufmerksamkeit sorgen. Nach dem Verkauf eines Anteils am Ormen-Ölfeld dürfte der Nettogewinn inklusive Sonderposten um eine Milliarde Dollar höher als vor außerordentlichen Posten liegen.

Weitere kursbeeinflussende Meldungen kommen von Bijou Brigitte  (Bilanz-Pk), Cewe Color  (Bilanz-Pk), Lanxess (Bilanz-Pk), der DAB Bank  (Q1-Zahlen), dem einstigen Neuer-Markt-Highflyer Highlight Communications  (Jahresergebnis), Vossloh  (Zahlen 1. Quartal), Sartorius  (Q3-Zahlen) sowie dem Energiekonzern Vattenfall .

Euro über 1,30 Dollar

DuPont meldet ebenfalls Q1-Zahlen, ebenso der umsatzstärkste Kreditkartenanbieter in den USA, American Express. Der weltgrößte Handelskonzern im Web, Amazon , wird nach Börsenschluss seine Q1-Zahlen bekannt geben.

Euro legt zu

Der Euro hat die Sitzung am Dienstag über 1,30 Dollar aufgenommen. Teilnehmer bezeichneten die Marke als symbolisch und wichtig. Der Dollar müsse beweisen, dass er eine nachhaltige Erholung schaffen kann, wie ein Beobachter meint. Am Vortag hatte der Dollar gegenüber dem Euro zugelegt und zum Yen nachgegeben.

Das Vertrauen der US-Konsumenten, zu dem die Statistik-Zahlen ebenfalls heute erwartet werden, dürfte im April hauptsächlich wegen der hohen Benzinpreise gesunken sein. Ökonomen erwarten einen Rückgang auf 98,0 Punkte, nachdem der vom US-Wirtschaftsforschungsinstitut Conference Board erhobene Index im März bei 102,4 Zählern notiert hatte. Der von der Universität Michigan ermittelte Index zur US-Verbraucherstimmung hatte bei der ersten Umfrage Mitte April bereits einen Rückgang auf 88,7 von zuvor 92,6 aufgewiesen.

Nikkei knapp im Minus

Kurz vor der Veröffentlichung wichtiger Unternehmensergebnisse hat die Tokioter Börse am Dienstag trotz positiver Vorgaben der New Yorker Wall Street mit leichten Verlusten geschlossen.

Offenbar in Erwartung der Geschäftszahlen hielten sich die Investoren mit Käufen zurück. Andere asiatische Börsenindizes konnten hingegen Gewinne verzeichnen. Im Devisenhandel hielt sich der japanische Yen wegen anhaltender Spekulationen über eine Lockerung der Dollar-Bindung des chinesischen Yuan in der Nähe der zu Euro und Dollar zuletzt erreichten Hochstände.

Der Nikkei  schloss 0,34 Prozent tiefer bei 11035 Punkten. "Im Technologiesektor sieht es so aus, als hätten wir die Talsohle noch nicht durchschritten", sagte Tsuyoshi Nomaguchi von Daiwa Securities. Noch im Tagesverlauf sollten unter anderem Honda , Sharp  und Advantest Zahlen über die Geschäftsentwicklung des vergangenen Jahres vorlegen und Ausblicke auf 2005 geben.

Zu den Gewinnern gehörten die Aktien des zweitgrößten japanischen Autoproduzenten Nissan . Die Aktie legte um mehr als eineinhalb Prozent zu, nachdem der Konzern am Vortag Rekordergebnisse vorgelegt hatte.

Wall Street im Plus

Die US-Börsen hatten am Montag mit Gewinnen geschlossen. Der Dow Jones  ging mit einem Plus von 0,83 Prozent und einem Stand von 10.242 Punkten aus dem Handel.

Auch die Technologiebörse Nasdaq Composite  gewann 0,96 Prozent auf 1951 Punkte. Dem positiven US-Trend schlossen sich außer Tokio und Seoul andere asiatische Märkte an. Die Indizes in Hongkong, Taiwan und Singapur notierten im Plus. In Südkorea gab der Kospi-Index jedoch leicht nach.

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