Wochenausblick Anleger im Kaufstreik

Viele Anleger werden nach dem Kursrutsch an den Aktienmärkten ihre Wunden lecken und sich vornehm zurückhalten. Dabei wird die kommende Börsenwoche nicht arm an Impulsen sein. Schering, Telekom, Siemens, Deutsche Bank und DaimlerChrysler liefern Zahlen, außerdem werden wichtige Konjunkturdaten aus Amerika erwartet.

Frankfurt - Die Anleger dürften nach Einschätzung von Aktienstrategen den Schock über die jüngste Talfahrt an den Aktienmärkten noch nicht überwunden haben und sich daher in der kommenden Woche zurückhalten. Ob der deutsche Aktienmarkt seine Erholung fortsetzen kann, hängt ihrer Ansicht nach von dem Verlauf der an Fahrt gewinnenden Berichtssaison deutscher Unternehmen ab.

"Nach den jüngsten Enttäuschungen großer US-Unternehmen werden die Anleger in der kommenden Woche wohl zunächst die Entwicklung der Quartalsberichtssaison der deutschen Firmen abwarten, bevor sie wieder verstärkt an den Aktienmärkten aktiv werden. Wir rechnen daher mit einer Seitwärtsbewegung im Dax", sagte Steffen Neumann von der Landesbank Rheinland-Pfalz. "Ich glaube nicht, dass der Dax  in der nächsten Woche wieder die Marke von 4400 Punkten sieht", ergänzte Matthias Jörss von Sal. Oppenheim.

Auch Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg rechnet nicht mit einem Stimmungsumschwung der durch enttäuschende Quartalsergebnisse von Branchenführern wie IBM oder General Motors  verunsicherten Anleger. "Da von der makroökonomischen Seite derzeit keine positiven Nachrichten kommen und zudem das markttechnische Bild angeschlagen wirkt, sind neue Jahreshöchstkurse vorerst in weite Ferne gerückt", schreibt der Aktienstratege in einem Kommentar.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) hatte im Wochenverlauf rund zwei Prozent an Wert verloren. Zeitweise rutschte der Leitindex bis auf 4160 Punkte ab. Am Donnerstag hatte der Dax dann erste Erholungstendenzen gezeigt, die sich am Freitag fortsetzten. Der Standardwerteindex notierte zum Wochenschluss 0,75 Prozent höher bei 4225 Zählern.

Quo vadis, Telekom?

Nach Einschätzung der Strategen wird in der kommenden Woche die Berichtssaison der deutschen Unternehmen maßgebend die Stimmung der Anleger beeinflussen. "Ich glaube, dass die meisten deutschen Unternehmen die Erwartungen für das erste Quartal erfüllen werden, jedoch wohl keinen allzu positiven Ausblick geben dürften", sagte Jörss. Nach Ansicht Neumanns sollten die deutschen Großkonzerne angesichts der Restrukturierungserfolge solidere Ergebnisse vorlegen können als die Konkurrenten aus den USA.

Eines der Hauptthemen der Börsenwoche wird T-Online  sein. Dem vollständigen Erwerb durch die Deutsche Telekom  müssen die Aktionäre der Internet-Tochter auf der Hauptversammlung am kommenden Donnerstag zustimmen. Mit einer Mehrheit von 90 Prozent ist die Integration gewiss. Allerdings könnte die Verschmelzung auf den Mutterkonzern durch Klagen verzögert werden, was die Möglichkeit einer Nachbesserung des Angebots an die Minderheitsaktionäre offen lässt. Bei den meisten Fonds ist die Integration indes unumstritten.

Den Druck der Investmentprofis muss sich dagegen die Deutsche Telekom aussetzen. Vertreter führender Fonds und Analysten haben sich bereits im Vorfeld der Hauptversammlung des Bonner Konzerns am Dienstag unzufrieden über die Entwicklung des Aktienkurses geäußert.

Schering, Siemens, Deutsche Bank, DaimlerChrysler

Schering, Siemens, Deutsche Bank, DaimlerChrysler

Nachdem der Softwarekonzern SAP  am vergangenen Donnerstag mit seiner Quartalsentwicklung überzeugen konnte, hoffen die Anleger auf eine ähnliche Entwicklung beim Pharmakonzern Schering am Montag. Der Berliner Konzern ist dank der Verkaufszahlen seiner wichtigsten Medikamente Betaferon und Yasmin voraussichtlich gut ins erste Quartal gestartet. Infineon  folgt am Dienstag mit Zahlen. Der Energieriese Eon  hält am Mittwoch sein Aktionärstreffen ab.

Das Augenmerk der Anleger dürfte sich zur Wochenmitte aber auf die Halbjahreszahlen des Industriekonzerns Siemens  richten. Der Konzern hat voraussichtlich das Umsatz und Bereichsergebnis im zweiten Geschäftsquartal gesteigert. Der Überschuss dürfte dagegen gesunken sein. Wenn der Münchener Technologiekonzern am Mittwoch die Zahlen vorlegt, werden Branchenexperten außerdem auf den Ausblick sowie Aussagen zum Handygeschäft achten.

Am Donnerstag informieren der Pharma- und Spezialchemiekonzern Altana , der Chemieriese BASF sowie der Autobauer DaimlerChrysler  über die Geschäftslage, zur Hauptversammlung lädt Münchener Rück . Am Freitag stehen dann noch die Geschäftsergebnisse der Deutschen Bank  auf der Agenda. Die meisten Experten sehen bei der größten deutschen Bank trotz des erwarteten Gewinnrückgangs Fortschritte auf dem Weg, das für 2005 gesetzte und von Experten als "ehrgeizig" eingestufte Renditeziel zu erreichen.

Seine endgültigen Zahlen präsentiert Volkswagen , Bayer  richtet sein jährliches Aktionärstreffen aus. Auch aus MDax  und TecDax  legen zahlreiche Unternehmen in der kommenden Woche Geschäftszahlen vor.

Nervöses Zucken wegen der US-Konkunkturdaten

Nicht weniger aufmerksam dürften die volkswirtschaftlichen Daten in der nächsten Woche verfolgt werden. "Die in der kommenden Woche anstehenden US-Konjunkturdaten dürften die Skepsis der Investoren über die Verfassung der US-Wirtschaft nicht weiter zerstreuen", sagte Jörss.

Unter anderem steht am Dienstag die Veröffentlichung des US-Verbrauchervertrauens für April sowie am Donnerstag das US-Bruttoinlandsprodukt für das erste Quartal auf der Agenda. Am Freitag folgt dann noch der Chicagoer Einkaufsmanagerindex. Für die deutschen Investoren dürfte bereits am Montag der Ifo-Geschäftsklima-Index für April auf verstärktes Interesse stoßen.

Außerdem gibt es eine Reihe von Unternehmensdaten. Unter anderem veröffentlicht der Online-Einzelhändlers Amazon  (Dienstag) und der Software-Riese Microsoft  (Donnerstag).

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