Märkte Technologiewerte sind gefragt

Die späte Kursrally an der Wall Street sowie sehr gute Zahlen von Google und Ericsson haben den Dax am Freitag angetrieben. Technologiewerte wie Siemens und Infineon gaben den Ton an, die Aktien verbuchten bis zum Handelsende deutliche Kursgewinne.

Hamburg - Die deutschen Aktien haben am Freitag zumeist Gewinne verzeichnet. Der Leitindex Dax  stieg um 0,70 Prozent auf 4223 Punkte. Für den MDax  der mittelgroßen Werte ging es um 0,22 Prozent auf 5675 Zähler nach oben. Und der Technologie-Index TecDax  legte um 0,52 Prozent auf knapp 503 Indexpunkte zu.

Händler führten die Aufschläge vor allem auf die guten Vorgaben der US-Börsen zurück. In New York hatten die wichtigsten Indizes am Vortag um mehr als zwei Prozent zugelegt. "Nach diesen US-Vorgaben hätte ich sogar ein größeres Plus beim Dax erwartet", sagte ein Händler. Insgesamt seien die Umsätze aber weiterhin eher dünn, so dass sich die Aussichten für den wichtigsten deutschen Aktieindex kaum änderten: Nach Meinung vieler Aktienhändler werde der Dax in der nächsten Woche weiter zwischen 4200 und 4250 Zählern pendeln.

Zu den Gewinnern des Tages gehören bisher vor allem Aktien von Siemens  und Infineon . Nach einer positiven Studie stiegen Siemens-Aktien um 1,78 Prozent auf 58,94 Euro. Analysten von Merrill Lynch  hatten das Papier zum Kauf empfohlen. Zudem profitiere Siemens von guten Zahlen von Ericsson  und Nokia , sagten Händler.

Infineon-Aktien gewannen ebenfalls kräftig um 1,58 Prozent auf 7,06 Euro hinzu. "Die Vorgaben aus den USA waren sehr gut - das hilft der Infineon-Aktie", hieß es am Markt. So hatte das viel beachtete Branchenbarometer, der Philadelphia-Semiconductor-Index, am Donnerstag 2,80 Prozent gewonnen.

Ein Analystenkommentar verhalf auch Aktien der Deutschen Post  zu einem Kursplus. Investmentbanker des amerikanischen Geldhauses Morgan Stanley  hatten das Kursziel für die Post-Aktien von 19,50 auf 22,00 Euro angehoben. Die Titel des Bonner Unternehmens stiegen daraufhin um 0,69 Prozent auf 18,99 Euro.

Papiere des Konsumgüterkonzerns Henkel  und des Nivea-Produzenten Beiersdorf  gehörten dagegen zu den Verlierern des Tages. Börsianer begründeten die Abschläge mit schwachen Zahlen des französischen Konkurrenten L'Oreal , der dem Markt am Vorabend auch eine konkrete Prognose für das Gesamtjahr schuldig geblieben sei. Henkel sanken um 1,43 Prozent auf 69,45 Euro, Beiersdorf gaben 1,42 Prozent auf 86,75 Euro nach.

WCM stürzen ins Bodenlose

Im MDax stürzten Aktien der WCM Beteiligungs- und Grundbesitz Gesellschaft  einen Tag nach Vorlage eines Ausblicks ab und büßten 40,24 Prozent auf 0,49 Euro ein. Die bilanzielle Verfassung sei schwach, auch der Ausblick für 2005 habe enttäuscht, betonten Analysten der WestLB. Das Kursziel senkte die WestLB von zuvor 1,15 Euro auf 0,20 Euro.

Der Euro hat sich wieder klar oberhalb der 1,30-Marke gegenüber dem Dollar etabliert. Bis zum späten Nachmittag kletterte der Kurs der Gemeinschaftswährung sogar bis auf 1,3080 US- Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,3077 Dollar festgesetzt. Ein Dollar kostete damit 0,7647 Euro.

Nach den deutlichen Verlusten in der zu Ende gehenden Woche rechnen Börsenbeobachter für die nächsten Tage mit einer Stabilisierung des deutschen Aktienmarkts. So gehen die Experten der Commerzbank davon aus, dass nach den zumeist guten Unternehmenszahlen der vergangenen Tage bei den Anlegern fundamentale Aspekte wieder stärker an Beachtung gewinnen.

Stimmung schlechter als die Lage

Zuletzt hatten Sorgen vor einer Beschleunigung des Preisauftriebs, einer verschärften Gangart der Geld- und Zinspolitik und einer globalen Wachstumsabschwächung den Kursen an den Aktienmärkten stark zugesetzt. Der Dax verlor im Wochenverlauf mehr als vier Prozent und fiel zeitweise unter das Einstiegsniveau dieses Jahres zurück.

Nach Meinung der Stuttgarter Bank Ellwanger & Geiger scheinen die wenigen negativen Unternehmensberichte mehr im Blickfeld der Anleger zu stehen, als die immer mehr zunehmenden positiven Zahlen von Unternehmen wie SAP und VW. Dies sei typisch für die augenblickliche Situation: Die Stimmung sei schlechter als die eigentliche Lage.

Wichtigster Termin der nächsten Woche ist die Veröffentlichung des Geschäftsklimaindex des Münchener ifo-Instituts am Montag. Nach dem schwachen ZEW-Indikator wird hier ebenfalls ein Rückgang erwartet. Voraussichtlich ebenfalls am Montag gibt das Statistische Bundesamt die April-Verbraucherpreise bekannt. Am Donnerstag veröffentlicht die Agentur für Arbeit die Arbeitsmarktdaten für April.

US-Börsen starten verhalten

Nach der Kursrally am Vortag haben an den US-Börsen zum Wochenausklang Gewinnmitnahmen eingesetzt. Google und einige andere Unternehmen wie beispielsweise International Paper sorgten auf Grund herausragender Quartalszahlen dennoch am Freitag für eine recht entspannte Stimmung am Aktienmarkt.

Der Dow Jones  verlor bisher 0,30 Prozent auf 10.187 Punkte, nachdem er tags zuvor an einem einzigen Tag mit mehr als 200 Zählern Gewinn so stark zugelegt hatte wie seit zwei Jahren nicht mehr. Der S&P-500-Index  gab um 0,27 Prozent auf 1157 Zähler nach. Der Auswahlindex Nasdaq 100  büßte dagegen deutlich mehr ein. Aktuell steht der Index mit gut 1,25 Prozent im Minus, bei 1430 Zählern.

"Da es heute keine Konjunkturdaten gibt, haben leichte Gewinnmitnahmen eingesetzt", kommentierte der Leiter Marktanalyse von S.W:Bach, Peter Cardillo, das Marktgeschehen.

Börsenurgestein Kodak unter Druck

Während im Dow Jones heute International Paper  die Aufmerksamkeit auf sich zogen und um 1,60 Prozent auf 34,85 Dollar zulegten, war es im Nasdaq 100 das Technologieunternehmen Google . Der Internet- Suchmaschinenbetreiber hat seinen Gewinn im ersten Quartal mehr als verfünffacht und erntete positive Analystenkommentare, was der Aktie ein Plus von 7,66 Prozent auf 219,86 Dollar einbrachte.

Der US-Fotokonzern Eastman Kodak  ist im ersten Quartal hingegen tief in die Verlustzone gerutscht. Der Gewinn je Aktie brach auf minus 0,50 US-Dollar ein. Analysten hatten hingegen mit einem erneuten Gewinn gerechnet. Die Aktie stürzte um 8,55 Prozent auf 27,80 Dollar ab.

Der Ölpreis ist am Freitag wegen Problemen bei einer US-Raffinerie wieder in Richtung 56-Dollar-Marke gestiegen. Ein 159-Liter-Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) kostete in der Spitze 55,70 Dollar. Zuletzt entfernte sich die Notierung mit 55,60 Dollar leicht von ihrem Tageshoch. Das war aber immer noch 1,40 Dollar mehr als am Vortag.

Händler begründeten den Preissprung mit der Sorge vor möglichen Raffinerieengpässen in den USA vor Beginn der Sommerreisezeit. "Wie bereits in jüngster Vergangenheit wiederholt zu beobachten war, schlägt auch jetzt wieder jedes Problem bei den Raffinerien mit verstärkter Wirkung auf den Ölpreis durch", sagte Analyst John Kilduff von Fimat.