Märkte Gewitter in der Hightechbranche

Schlechte Nachrichten aus dem Technologiesektor drücken den Dax. Der Gewinneinbruch von Samsung und schwache Zahlen von IBM trüben die Stimmung. Auch an der Wall Street bleiben Anleger nervös.

Frankfurt am Main - Der Dax  gab bis Handelsschluss auf Xetra 2,0 Prozent nach und schloss bei 4312 Punkten. In New York setzten die Indizes bis 17.45 Uhr ihre Talfahrt fort: Der Dow Jones  gab weitere 0,7 Prozent nach, während der Nasdaq Composite  um 1,1 Prozent auf 1925 Zähler abrutschte.

Da IBM und AMD schwache Zahlen meldeten und sich der Gewinn beim südkoreanischen Elektronikriesen Samsung halbiert hat, ging der Kursrutsch an der Nasdaq am Freitag Nachmittag zunächst weiter.

IBM und Samsung schwach, GE dagegen stark

"Die bisher veröffentlichten Zahlen aus den USA lassen nichts Gutes erahnen für den Rest der Bilanzsaison", sagte Stefan Chmieleweski, Händler beim Broker Lang & Schwarz. Auch die etwas besser oder im Rahmen der Erwartungen ausgefallenen Zahlen der US-Konzerne Citigroup und General Electric könnten nicht über die schlechten Nachrichten aus dem Technologiesektor hinwegtrösten.

Konjunkturdaten aus den USA wie der deutlich schlechter als erwartet ausgefallene Konjunkturindex der New Yorker Fed wirkten sich am Nachmittag zunächst auf die Kurse nicht aus.

Deutliche Verluste mussten Infineon : Die schwachen Zahlen von IBM , Samsung und AMD belasteten den Chiphersteller, der unter die Marke von sieben Euro zu fallen droht. Auch Siemens  geriet zunehmend unter Abgabedruck.

RWE  notierte am Tag nach der Hauptversammlung am Dax-Ende, da der Wert abzüglich der Dividendenzahlung gehandelt wurde. Bei ThyssenKrupp nahmen Anleger nach der guten Performance der vergangenen Monate Gewinne mit - sie fürchten nach dem Boom einen Rückgang der Stahlpreise.

Gewinn von Samsung halbiert

"Samsung  hat die Erwartungen enttäuscht; das wirkt sich auf Infineon belastend aus", sagte ein Händler. Der operative Gewinn des südkoreanischen Elektronikkonzerns hat sich im ersten Quartal halbiert. Der Umsatz sank im Jahresvergleich von 14,4 Billionen auf 13,9 Billionen Won.

Samsung begründete den Rückgang mit dem starken Won und den schwachen Speicherchip-Preisen (DRAM). Das negative Bild bei Samsung wird durch die schwachen Quartalszahlen von Sun Microsystems  und AMD  zusätzlich eingetrübt.

Auch in der Autobranche können die jüngsten Verluste des Euro gegenüber dem Dollar kaum Anleger hervor locken. Die Autowerte DaimlerChrysler , Volkswagen  und BMW  wurden von der rasanten Talfahrt bei General Motors  belastet.

Hoffen auf den Euro

"Der Dax  sollte sich jedoch im Handelsverlauf etwas stabilisieren", hatte ein Händler am Morgen gesagt. Die Europäischen Börsen hätten die Voraussetzungen, im Vergleich mit der Wall Street relative Stärke zu zeigen, da die Bewertungen der europäischen Werte und damit auch die Erwartungshaltung der Anleger niedriger seien als in den USA.

Der zuletzt deutlich nachgebende Euro-Kurs könnte zudem den europäischen Indizes helfen. Zuletzt notierte der Euro bei 1,2827 US-Dollar. Doch dies nutzt wenig, wenn die Anleger in New York sich von ihren hohen Erwartungen verabschieden und Bescheidenheit einkehrt: Auch der Ölpreis ist zwar auf Wochensicht deutlich gefallen, ohne die Märkte dadurch zu stützen.

US-Börsen: Apple bricht ein, IBM enttäuscht

Apple schwach, IBM und Sun enttäuschen

Anleger in den USA sind enttäuscht über die Entwicklung der US-Wirtschaft sowie der Unternehmensgewinne. Am Vortag hatten bereits die US-Einzelhandelsdaten enttäuscht. Sowohl Dow Jones als auch Nasdaq Composite haben seit Anfang März jeweils rund fünf Prozent nachgegeben.

Die Aktien des US-Computerherstellers Apple , der am Donnerstag einen Rekordgewinn gemeldet hatte, verloren angesichts eines enttäuschend aufgenommenen Ausblicks rund neun Prozent. Der Autobauer General Motors setze seine Talfahrt mit einem Verlust von knapp sechs Prozent fort.

Nach US-Börsenschluss gab der weltgrößte Computerbauer IBM  aufgrund eines schwachen Geschäfts in Teilen Europas ein unter den Erwartungen liegendes Quartalsergebnis bekannt. Auch Sun Microsystems  konnte die Anleger nicht begeistern - am Freitag dürfte daher die US-Technologiebörse ihre Talfahrt zunächst fortsetzen.

Deutsche Börse: Hedgefonds will Breuers Abwahl

Deutsche Börse: Hedgefonds will Breuers Abwahl

In Frankfurt werden die Anleger zudem nicht nur auf Technologiewerte, sondern auch auf die Aktie der Deutschen Börse  achten. Der Konflikt zwischen dem Börsenbetreiber und großen Aktionären vornehmlich aus dem anglo-amerikanischen Raum ist eskaliert.

Der britische Hedge-Fonds The Childrens' Investment Fund Management (UK) LLP (TCI) hat zwei entsprechende Anträge für die ordentliche Hauptversammlung der Deutschen Börse am 25. Mai eingereicht. Darin wird die Abwahl von Rolf-Ernst Breuer als Aufsichtsratsmitglied und -vorsitzender der Deutschen Börse verlangt. Zudem soll die Hauptversammlung dem Aufsichtsrat die Entlastung verweigern.

SAP hat kein Interesse an Siebel

Der Autozulieferer Continental  dürfte ebenfalls das Interesse der Anleger auf sich ziehen. Nach Gewerkschaftsangaben sind bei dem Konzern weitere 300 Jobs in Gefahr. Conti wolle den Konzernbereich Profile GmbH in Hannover an einen Investor verkaufen, teilten Gewerkschaft IG BCE und Conti-Betriebsrat mit.

Auch das Software-Unternehmens SAP  steht im Blick. SAP hat kein Interesse am angeschlagenen US-Konkurrenten Siebel Systems. "Es macht keinen Sinn, ein Unternehmen mit einer überlappenden Produktpalette zu kaufen", sagte SAP-Chef Henning Kagermann der Financial Times Deutschland. Nach Einschätzung eines Händlers könnten indes die schwachen IBM-Zahlen den SAP-Kurs belasten.

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