Börsenschluss Lufthansa und Conti treiben Dax hoch

Die Marktmacht eines fallenden Barrelpreises hat sich zum Börsenschluss in Frankfurt wieder einmal lehrbuchmäßig auf die besonders Öl-sensitiven Titel ausgewirkt. Spekulationen verhalfen zudem RWE-Aktien zu mehr als drei Prozent Kursgewinn - der Dax schaffte knapp 1,3 Prozent.

Frankfurt/Main - Der sinkende Ölpreis hat dem Dax  zum Wochenanfang neuen Auftrieb gegeben. Nach der Irak-Wahl wurde der Leitindex Händlern zufolge auch von der Hoffnung der Investoren auf eine Entspannung im Nahen Osten gestützt.

Der Dax kletterte am Montag um 1,26 Prozent auf 4254,85 Zähler. Im Mittelpunkt stand die Erstnotierung des von Bayer abgespaltenen Chemiekonzerns Lanxess . Im MDax  heizten Übernahmespekulationen die Nachfrage nach Aktien von ProSiebenSat1 an. Indessen drückten Gerüchte um die Kreditfinanzierung von KarstadtQuelle  die Aktien des angeschlagenen Handelskonzerns stark ins Minus.

Die Opec hatte am Wochenende die Fördermengen vorläufig auf unverändert hohem Niveau gelassen, was an den Terminmärkten mit Preisabschlägen von mehr als einem Dollar auf die verschiedene Ölsorten honoriert wurde.

Händler verwiesen auch auf den Verlauf der Parlamentswahlen im Irak, wo viele Menschen trotz Anschlägen zur Wahl gingen. "Nach dem, was man befürchtet hatte, sind die Wahlen glimpflich ausgegangen. Die hohe Wahlbeteiligung zeigt, dass die Leute aus dem Chaos heraus wollen und damit die USA vielleicht doch ihre Truppen früher als gedacht abziehen können", sagte ein Händler.

Der sinkende Ölpreis und eine Kaufempfehlung von Merrill Lynch machten Lufthansa  mit einem Tagesgewinn von 3,6 Prozent auf 10,72 Euro zu den größten Kursgewinnern im Dax. Die Titel von Continental setzten sich ebenfalls als Profiteur der Währungs- und Ölpreis-Entwicklung mit einem Plus von 3,64 Prozent auf 53,25 Euro an die Spitze.

Lanxess zum Kurzbesuch im Dax

Die Aktien von Bayer  schlossen nach der Börsenpremiere ihrer Chemie-Tochter Lanxess auf den ersten Blick im Minus, legten unter Berücksichtigung der Abspaltung jedoch zu. Bayer-Aktien notierten gegenüber dem Freitagsschluss 2,2 Prozent niedriger bei 24,39 Euro, Befürchtungen von Experten auf einen höheren Abschlag bewahrheiteten sich damit nicht.

Bereinigt um den Effekt der Lanxess-Abspaltung notierten Bayer 3,9 Prozent im Plus. Die Aktionäre erhielten für zehn Bayer-Aktien zusätzlich eine Lanxess-Aktie, die mit 15,75 Euro an der Börse startete. Bis zum Handelsschluss bröckelte der Kurs des als MDax-Kandidat geltenden drittgrößten reinen Chemiekonzerns Deutschlands auf 14,84 Euro ab.

Der Börsengang hatte zu dem Kuriosum geführt, dass erstmals für einen Tag 31 Titel den Dax bildeten. Die Investmentbank Lehman Brothers  bewertete Lanxess in einer Erststudie mit "Underweight" und einem Kursziel von 6,40 Euro. Die Experten von JP Morgan sehen Lanxess "Neutral". Sie errechneten ein Kursziel von 13 Euro.

Zu den Dax-Gewinnern zählten mit einem Plus von 3,1 Prozent auf 44,23 Euro RWE , was Händler auf Kaufsignale aus der Charttechnik und Spekulationen über einen Einstieg bei der Frankfurter Mainova zurückführten. RWE dementierte die Einstiegspläne.

Volkswagen und der Bernhard-Bonus

Mehr als der Dax gewannen mit 2,6 Prozent auf 36,81 Euro die Aktien von Volkswagen , die von hohen Erwartungen der Anleger an den Amtsantritt des früheren DaimlerChrysler-Managers Wolfgang Bernhard Anfang Februar in Wolfsburg profitierten. "Positive Medienberichte über Bernhard zeigen ihre Wirkung", sagte ein Händler. "Neben diesem Bernhard-Bonus profitiert die Aktie vom relativ hohen Nachholbedarf gegenüber anderen Autowerten."

Größter Gewinner im MDax waren die Aktien von ProSiebenSat1 mit einem Kursplus von 9,4 Prozent auf 14,11 Euro. Nach Medienberichten hat der Verlag Axel Springer in den USA beim ProSieben-Großaktionär Haim Saban die Chancen für einen Kauf der Stimmrechtsmehrheit ausgelotet. Reuters erfuhr dazu aus Branchenkreisen, es gebe derzeit keine konkreten Gespräche über einen Mehrheitsverkauf.

Beim Warenhauskonzern KarstadtQuelle quittierten Anleger Gerüchte, wonach die Banken ihre Kreditlinien zurückzögen, mit einem Abschlag von fast sechs Prozent auf 7,23 Euro. In Bankenkreisen hieß es, das drei Jahre laufende Kreditvolumen über insgesamt 1,75 Milliarden Euro sei sicher. Bis zu fünf Banken hätten lediglich mit dem Weiterverkauf im Sekundärmarkt begonnen.