Märkte Anleger greifen wieder beherzt zu

Der Dax macht am Vormittag seine Verluste vom Freitag mehr als wett. Der Gesamtmarkt profitiert von fallenden Ölpreisen. Besonders Lufthansa-Titel sind gefragt. Die Aktien des Börsenneulings Lanxess fallen unter die Erstnotiz. Im Gleichschritt rutschen die Scheine der Konzernmutter Bayer ab.

Frankfurt/Main - Der deutsche Aktienmarkt hat am Montag fester eröffnet. Als Grund führten Händler die internationalen Vorgaben vor allem aus Asien sowie den nachgebenden Ölpreis an. In diesem Zusammenhang wurde die Entscheidung der OPEC mit Erleichterung aufgenommen, die Fördermenge unverändert zu lassen. Im Blickpunkt stand die abgespaltene Bayer-Chemiesparte Lanxess, die für einen Tag im Dax  gehandelt wird.

Der damit zumindest aus formaler Sicht erstmals 31 Werte umfassende Leitindex kletterte bis 11 Uhr um 1,1 Prozent auf 4250 Punkte und machte seine Freitag-Verluste damit mehr als wett. Der MDax  rückte um 0,6 Prozent auf 5609 Punkte vor. Der TecDax  gewann 0,9 Prozent auf 527 Zähler.

Im Dax  gaben Bayer rund 3,60 Prozent auf 24,05 Euro nach. Lanxess wechseln am Dienstag in den Prime Standard. Jeder Bayer-Aktionär erhält für zehn Aktien ein Lanxess-Papier. Vom Schlusskurs der Lanxess-Aktie hängt die künftige Dax-Gewichtung der Bayer-Aktie ab.

Bereits nach wenigen Handelsminuten wurden die Aktien der Bayer-Abspaltung am Montag auf 14,57 Euro und damit unter die erste Kursnotierung von 15,75 Euro gefallen. Die Aktie stünde unter Verkaufsdruck, weil institutionelle Anleger, die in ihrem Depot den Dax abbildeten, die Aktie verkauften, sagte ein Händler. Denn mit dem Ablauf des ersten Handelstages werde Lanxess wieder aus dem Dax herausgenommen.

Lufthansa-Titel setzen sich an die Dax-Spitze

Die Aktie der Lufthansa  setzte sich mit Kursgewinnen von 2,61 Prozent auf 10,63 Euro an die Spitze des Dax. "Die Aktie profitiert eindeutig davon, dass Merrill Lynch das Papier von "Neutral" auf "Buy" hochgestuft hat ", sagte ein Händler in Frankfurt. Zudem spiele auch der wieder fallende Ölpreis eine wichtige Rolle. Dabei verwies er darauf, dass auch andere Titel der Luftfahrtbranche wie British Airways  oder Alitalia  zulegen würden. Der Terminkontrakt für ein Barrel (rund 159 Liter) leichtes US-Öl notierte am Montagmorgen bei 46,60 Dollar, nachdem der Preis in der vergangenen Woche um die Marke von 49 Dollar gependelt hatte.

Die Investmentbank Merrill Lynch hatte ihre Hochstufung für Lufthansa unter anderem mit dem Bewertungsniveau begründet, den fairen Wert der Aktie auf 13 Euro festgelegt und die Prognosen für den operativen Gewinn für 2004 und 2005 angehoben. Merrill Lynch geht von einer besseren Geschäftsentwicklung aus als 2004 prognostiziert wurde, sowie von schneller steigenden Preisen und einem rascheren Erreichen der Gewinnschwelle bei LSG Skychefs und Thomas Cook als bislang angenommen wurde.

Händler Raed Mustafa von der Baden-Württembergischen Bank sagte ebenfalls, dass die Aktie auf Grund des positiven Merrill-Lynch-Kommentars und des fallenden Ölpreises steige. Die Entscheidung der Opec am Wochenende, keine Produktionskürzungen vorzunehmen, sorge am Ölmarkt ebenso für Entspannung wie die Wahlen im Irak, die reibungsloser verlaufen wären als zuvor angenommen. Zudem führte Mustafa auch charttechnische Gründe für den kräftigen Gewinn der Aktie an.

Automobiltitel präsentieren sich fest

Automobiltitel präsentieren sich fest

Fest notierten Automobiltitel. DaimlerChrysler  gaben aber einen Teil der frühen Gewinne wieder ab, die die Anteilsscheine des Autobauers am Morgen noch auf Platz zwei des Index gehievt hatten. Zuletzt gewann der Wert 1,33 Prozent auf rund 35 Euro hinzu. Volkswagen  und BMW  verbesserten sich jeweils um rund 1 Prozent. Der Münchner Autobauer stellt im spanischen Valencia seine neue 3er-Limousine vor. Anlässlich dieser Vorstellung könnte Unternehmenschef Helmut Panke auch Aussagen zum Geschäftsverlauf tätigen, meinten Händler.

HVB und Deutsche Bank zeigen sich optimistisch

Titel der Deutsche Bank  gewannen am Vormittag rund 1,50 Prozent auf 65,25 Euro. Vorstandschef Josef Ackermann hatte sich im Interview mit der "Welt am Sonntag" optimistisch gezeigt, das anvisierte Gewinnziel in 2005 zu erreichen. Deutschlands größtes Finanzhaus will demnach eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern erwirtschaften. An diesem Donnerstag legt der Branchenprimus indes seine Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2004 vor.

HypoVereinsbank  rückten um rund 1,10 Prozent auf 16,94 Euro vor. HVB-Chef Dieter Rampl sieht nach der Abschreibung von 2,5 Milliarden Euro auf riskante Immobilienkredite die Schieflage bei der Bank überwunden. Für das laufende Jahr rechnet er nach einem Bericht der "Welt am Sonntag" mit einem Gewinn in Milliardenhöhe.

Norddeutsche Affinerie schafft die Ertragswende

Zahlen legte am Morgen vor Handelsbeginn bereits Europas größter Kupferhersteller vor. Die Norddeutsche Affinerie (NA) hat im ersten Quartal bei weiter hohen Kupferpreisen den Umsatz deutlich gesteigert und ist in die Gewinnzone zurückgekehrt. Bei einem Umsatz von 666 Millionen Euro erhöhte sich der Vorsteuergewinn auf zwölf Millionen Euro, wie die im MDax  notierte Gesellschaft mitteilte. Im Vorjahreszeitraum hatte die "Affi" vor Steuern noch einen Verlust von sieben Millionen Euro ausgewiesen. Offenbar nach dem Motto "sell on good news" trennten sich die Anleger von der Aktie, die 0,66 Prozent auf 15 Euro nachgab.

"Die Nachfrage nach NA-Kuperprodukten aus den Hauptabnehmerbranchen ist nach wie vor hoch und auch die guten Ergebnisbeiträge dauern an", teilte Vorstandschef Werner Marnette mit. "Wir erwarten in den nächsten Monaten ein Anhalten der günstigen Tendenz."

Im TecDax  verteuerten sich Freenet um rund 5 Prozent auf 18,83 Euro. Das Unternehmen hatte am Freitagabend bei der Vorlage der Zahlen für 2004 die eigenen Prognosen übertroffen und angekündigt, erstmals eine Dividende zahlen zu wollen. FJH und Süss Microtec  kletterten um gut 2 Prozent. Unter Druck standen Evotec  mit Abgaben von 1,5 Prozent.

Weiter US-Konjunkturdaten im Handelsverlauf

Im weiteren Handelsverlauf dürften heute neue US-Konjunkturdaten ins Blickfeld der Anleger geraten. So gibt es etwa Nachrichten über die Entwicklung der persönlichen Ausgaben der US-Bürger im Monat Dezember als auch über die Neubauverkäufe in den USA (ebenfalls Dezember). Erwartet wird ebenso der Einkaufsmanager-Index Chicago für den Monat Januar. Nach Börsenschluss an der Wall Street legt der Medien- und Unterhaltungskonzern Walt Disney  seine Zahlen für das erste Quartal vor.