Börsenschluss Abschied von der Jahresendrallye

Schlechte Zahlen vom US-Arbeitsmarkt haben die Aktienmärkte ins Minus gedrückt. Der Dax unterschritt die Marke von 4200 Punkten. Viele Händler haben sich von der Hoffnung auf eine Rallye zum Jahresende verabschiedet.

Frankfurt am Main - Leicht gestiegene Erdölpreise und schlechte Nachrichten vom US-Arbeitsmarkt haben am Donnerstag den deutschen Aktienmarkt in die Tiefe gezogen. Der Deutsche Aktienindex Dax  rutschte klar unter die Marke von 4200 Punkten und fiel bis Handelsschluss um 1,2 Prozent auf 4150 Punkte. Der MDax  gab 0,8 Prozent auf 5292 Zähler nach. Der TecDax  sank um 1,5 Prozent auf 516 Punkte.

Vor allem die Daten zum Arbeitsmarkt trübten die Stimmung. In den USA sind die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der zurückliegenden Woche überraschend um 8000 auf 357.000 geklettert, teilte das US-Arbeitsministerium mit. Von CBS MarketWatch befragte Experten hatten im Durchschnitt mit 334.000 gerechnet. Im aussagekräftigeren Vierwochendurchschnitt legte die Zahl der Anträge um 4750 auf 341.250 zu.

Fundamentale Gründe für die deutlichen Kursverluste am Nachmittag sahen die Händler nicht. Es handle sich um "reine Futures-Spielereien" mit der "üblichen Übertreibung des deutschen Marktes", sagte ein Teilnehmer. Das zeigten auch die Kursverläufe an anderen europäischen Börsen, die allesamt weniger verlören als der DAX.

Neue Ängste um Versorgungsengpässe ließen den Rohölpreis für die Sorte Light Sweet Crude in New York am Donnerstag wieder über 43 Dollar klettern. Der Kurs des Euro tendierte nach seinem Rutsch unter die Marke von 1,33 US-Dollar am Mittwoch seitwärts. Am Devisenmarkt kostete die europäische Gemeinschaftswährung 1,3272 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte am Mittag einen Referenzkurs von 1,3305 US-Dollar nach 1,3300 US-Dollar am Mittwoch festgesetzt.

Jörg Hüffer, Leiter Eigenhandel bei MM Warburg, machte zudem technische Gründe für den Rückgang geltend. Nachdem der Dax die 4.170-Punkte-Marke unterschritten habe, sei es zu umfangreichen Verkäufen gekommen. Außerdem hätten Berichte über einen vereitelten Terroranschlag in London vom Ausmaß des Attentats in Madrid im März die Märkte verunsichert. Insgesamt habe sich die Stimmung am Donnerstag gedreht, erklärte der Aktienexperte. "Die meisten haben sich von der Idee der Jahresendrallye verabschiedet." Er glaube aber, dass der Markt sich weiter nach oben bewege.

Chip-Aktien unter Druck

Chip-Aktien unter Druck

Überraschende Senkungen der Umsatzprognosen der beiden US-Mikrochiphersteller Altera  und Xilinx  veranlassten die Anleger europaweit zu Verkäufen von Chipwerten. "Grund für die Abschläge bei den Techwerten sind die Umsatzwarnungen aus den USA. Infineon  war sowieso schon angeschlagen, die Stimmung für Chipwerte ist einfach schlecht", sagte ein Händler.

Die Titel von Infineon bildeten mit einem Minus von 2,9 Prozent auf 8,08 Euro das Schlusslicht im Dax. Die Aktien des Herstellers von Produktionsanlagen für Verbindungshalbleiter Aixtron  zählten mit einem Minus von 4,6 Prozent zu den größten TecDax-Verlierern.

Unter Druck gerieten auch die Papiere von ThyssenKrupp , die 1,8 Prozent auf 15,45 Euro einbüßten. Der Staat Iran will seine Beteiligung an dem Industriekonzern nach Angaben seiner Beteiligungsholding IFIC vorerst behalten. Die Zukunft des Anteils von 4,5 Prozent sei aber unsicher, sagte ein IFIC-Sprecher am Donnerstag. Im Januar soll der Iran-Vertreter im Aufsichtsrat Unterlagen des Düsseldorfer Konzerns zufolge zudem seinen Posten abgeben. "Dass der Iran seinen Posten im Aufsichtsrat im Januar offenbar aufgibt, könnte darauf hindeuten, dass der Iran seine Beteiligung vielleicht doch verkaufen will."

Längerfristiger Ausblick gibt Vossloh-Aktie Auftrieb

Die Gewinnerliste im Nebenwerteindex MDax  führten die Aktien von Vossloh  mit einem Zuwachs von 3,8 Prozent an und machten damit ihre Kursverluste vom Vortag wieder wett. Der Verkehrstechnikkonzern hatte mitgeteilt, im Jahr 2007 wieder an das Ergebnis des laufenden Jahres anzuknüpfen zu wollen. Am Mittwoch hatte die Firma für 2005 einen Gewinnrückgang angekündigt. "Die operative Ergebnisbelastung in 2005 ist nur ein temporärer Rückgang, der zum großen Teil von Restrukturierungsmaßnahmen stammt. Diese werden das Ergebnis dann aber ab 2006 wieder nachhaltig verbessern", sagte WestLB-Analyst Jürgen Siebrecht.

Sharp strebt keine Mehrheit bei Loewe an

Ein Minus von 11 Prozent auf 6,59 Euro verzeichneten im Kleinwerteindex SDax  die Titel von Loewe . Der japanische Elektronikkonzern Sharp  hat kein Interesse daran, die Mehrheit bei Loewe zu übernehmen. Sharp plant, den Anteil an Loewe aber auf bis zu 29 Prozent zu erhöhen.

Hoffnungen auf eine Übernahme der Mehrheit an dem Fernsehgerätehersteller durch die Japaner hatten in den vergangenen Tagen die Loewe-Aktien beflügelt. "Die Loewe-Aktie fällt, weil jetzt die Spekulation auf eine Übernahme durch Sharp nicht aufgeht", sagte ein Händler. Größter Verlierer im Dax war Infineon  mit minus 2,9 Prozent. Die Aktie des Halbleiterherstellers litt unter den schlechten Prognosen der US-Chipproduzenten Xilinx  und Altera . Lufthansa  verloren 2,8 Prozent. Einziger Wert im Plus war die Deutsche Post  mit 0,1 Prozent.

Gut zwei Stunden nach Handelsstart notierte der Dow Jones  mit 10.437 Punkten um 0,6 Prozent im Minus. Der Nasdaq Composite  verlor 1,1 Prozent auf 2103 Zähler. In Japan gab die Börse deutlich nach. Angesichts schlechter Konjunkturdaten verlor der Nikkei  bis Handelsschluss 1,5 Prozent auf 10.777 Punkte.

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