Märkte Drahtseilakt für den Dax

Der Ölpreis, der am Vortag auf den tiefsten Stand seit vier Monaten gefallen war, zieht vor dem Opec-Treffen wieder leicht an. Auch aus Japan kommen schlechte Nachrichten. Der Dollar erholt sich zwar leicht, doch neue Ideen der Bush-Administration dürften die Währung weiter weichklopfen. Der Dax wandelt in dünner Höhenluft.

Hamburg / New York - Leichte Kursgewinne beim Dollar haben Dow Jones  und Nasdaq Composite  am späten Handel ins Plus gehoben. Von einer "Erholung" beim Dollar mag man nach dem Absturz seit der US-Wahl jedoch kaum sprechen, Händler sprachen lediglich von einer Zwischenerholung innerhalb eines Abwärtstrends: Die Absicht von US-Präsident George W. Bush, die geplante Rentenerhöhung in den USA trotz Rekorddefizit auf Pump zu finanzieren, dürfte den Dollar langfristig weiter unter Druck setzen. "Solange Bush seine auf Schulden gebaute Haushaltspolitik nicht ändert, wird der Dollar weiter fallen", sagte ein Händler.

Der Dax  dürfte trotz der positiven Vorzeichen aus New York weiterhin um die Marke von 4200 Punkten pendeln. Zum Jahresende ist die Nachfrage weiterhin gut, da Fondsmanager ihre Depots bis Ende Dezember aufhübschen müssen. Andererseits wächst nach den deutlichen Gewinnen der vergangenen Wochen die Gefahr von Gewinnmitnahmen. Am Donnerstag notierte der Index bis 10.45 Uhr 0,1 Prozent leichter bei 4196 Punkten.

Nach unten revidierte Umsatzprognosen der US-Chiphersteller Altera  und Xilinx  haben am Donnerstag bereits die Technologietitel in Asien belastet. Weiterhin drückten schwache Konjunkturdaten den japanischen Nikkei.

OPEC berät über Fördermengen

Risiken für den Dax  bleiben der langfristige Dollar-Verfall sowie der Ölpreis. Zwar hält der Präsident der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC), Purnomo Yusgiantoro, trotz des jüngsten Ölpreisrückgangs höhere Förderquoten des Kartells für erforderlich. Im historischen Vergleich bleiben die Ölpreise jedoch hoch.

Die OPEC-Minister kommen heute zu Beratungen über das Förderniveau des Kartells im ersten Quartal 2005 zusammen. Der Ölpreis stieg vor dem Treffen leicht an, nachdem er am Vortag mit 40,45 Dollar vorübergehend auf ein Vier-Monats-Tief gesackt.

Arbeitsmarktdaten aus den USA

In den USA werden am Mittag (14.30 Uhr MEZ) die Import- und Exportpreise für November sowie die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe gemeldet. Hier rechnen Volkswirte mit einem leichten Rückgang. Um 16 Uhr folgen die Umsätze im US-Großhandel, die leicht zugelegt haben dürften.

GM erläutert Opel-Sanierungsplan

In Deutschland blicken Anleger heute auf Opel und den US-Mutterkonzern General Motors. GM gibt heute Details über den Sanierungsplan für seine Tochter Opel bekannt. Dabei geht es um den Abbau von 10.000 Stellen an den deutschen Opel-Standorten. Zugleich wird das Management auf einer Betriebsversammlung in Rüsselsheim die Mitarbeiter über die Schritte informieren. Eine Standortgarantie für die deutschen Werke wird GM  voraussichtlich nicht geben.

Auch der Chiphersteller Infineon  ist heute im Blick der Anleger. Nach den vorsichtigen Aussagen von Texas Instruments  hatte die Aktie am Vortag nachgegeben, eine deutliche Erholung scheint angesichts der weiteren schlechten Nachrichten von Altera  und Xilinx  unwahrscheinlich. Der Titel verlor am Donnerstagvormittag rund 1,45 Prozent auf 8,20 Euro und war damit schwächster Wert im Dax.

BASF und Lufthansa im Blick

BASF und Lufthansa im Blick

Auf eine Kurserholung hoffen dagegen Anleger von BASF . Die EU-Kommission will am heutigen Donnerstag langjährige Untersuchungen über ein Kartell von Chemieunternehmen abschließen. Der BASF droht dabei erneut eine Strafe wegen Preisabsprachen im Vitamingeschäft. Gegen BASF war bereits vor vier Jahren eine EU-Kartellstrafe von 296,2 Millionen Euro verhängt worden. Bereits gestern hatte die Aktie deutlich nachgegeben. Am Donnerstagvormittag gewann die Aktie des Chemiekonzerns zuletzt geringfügig auf 51,36 Euro hinzu.

Aktionäre der Lufthansa  warten heute auf die Verkehrszahlen für November der Fluggesellschaft. Lufthansa gab außerdem bekannt, dass der Aufsichtsrat der Bestellung von sieben Interkontinentalflugzeugen des Typs Airbus A340-600 zugestimmt hat. Airbus ist eine Tochter von EADS . Die Aktie der Lufthansa notierte am Donnerstagvormittag rund 1 Prozent leichter bei 10,87 Euro.

Tokio mit Verlusten - weniger Auftragseingänge

Der Nikkei  in Tokio hat am Donnerstag 1,5 Prozent oder 164 Punkte auf 10776 Zähler nachgegeben. Die Auftragseingänge der japanischen Maschinenbauunternehmen sind im Oktober in der Kernberechnung (ohne Berücksichtigung von Kraftwerksanlagen und Schiffbau) überraschend gefallen.

Wie die Regierung am Donnerstag mitteilte, wurde gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt ein Minus um 3,1 Prozent verzeichnet. Analysten hatten mit einem Plus von 2,4 Prozent gerechnet. Im Vergleich zum Vorjahresmonat lagen auch die Auftragseingänge um 9,9 Prozent niedriger.

Der Dollar notierte am Donnerstag Morgen etwas fester bei 1,3316 Euro. Die jüngsten US-Rentenpläne auf Pump dürften der Währung aber kaum helfen.

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