Börsenschluss Dax widersteht schlechten Nachrichten

Obwohl der Euro erstmals die Marke von 1,32 Dollar durchbrach und der Ifo-Geschäftsklimaindex sank, herrschte an den deutschen Börsen gute Stimmung. Allerdings waren die Umsätze minimal, denn an den Takt gebenden US-Märkten wurde wegen eines Feiertags nicht gehandelt.

Frankfurt/Main (dpa) - Unbeeindruckt von negativen Konjunkturdaten und dem weiter steigenden Eurokurs haben die meisten deutschen Standardwerte am Donnerstag zugelegt. Der Leitindex Dax  stieg bis Handelsschluss um 0,9 Prozent auf 4160 Punkte. Der MDax  erhöhte sich um 0,2 Prozent auf 5248 Zähler. Der TecDax  schloss unverändert bei 514 Punkten.

Die Kursbewegungen sollten nach Einschätzung von Marktteilnehmern wegen der geringen Umsätze allerdings nicht überbewertet werden. "Die Handelsvolumen sind so gering, dass schon wenige Marktteilnehmer mit geringen Investitionen viel bewegen können", sagte ein Händler.

Der Euro stieg erstmals über 1,32 Dollar. Sein Referenzkurs wurde bei 1,3213 Dollar nach 1,3146 am Vortag festgelegt. Der Druck auf die US-Währung halte an, sagten Händler. Die Defizite des amerikanischen Staatshaushalts und der US-Leistungsbilanz seien weiter Besorgnis erregend.

In der deutschen Wirtschaft trübte sich die Stimmung im November laut Ifo-Geschäftsklimaindex überraschend deutlich ein. Der Index fiel von 95,3 Punkten im Vormonat auf 94,1 Punkte.

Dax richtet sich nach guten US-Vorgaben

Die bemerkenswerte Robustheit des Dax trotz des starken Eurokurses und der schlechten Konjunkturaussichten hängt nach Ansicht von Union-Investment-Chefvolkswirt Ulrich Berz vor allem mit den positiven Vorgaben der Wall Street zusammen. Es sei ein altbekanntes Phänomen, dass sich der deutsche Aktienmarkt stärker am US-Markt orientiere als an heimischen Konjunkturdaten.

Derzeit wird der New Yorker Aktienmarkt nach Einschätzung von Berz von der Erwartung einer Jahresendrallye gestützt, die vor allem auf zwei Faktoren basiert: den schwachen Dollar, der den US-Exporten auf die Sprünge hilft, und der Tatsache, dass der umfassende S&P 500 Index  vor zwei Wochen die wichtige Linie von 1.174 Punkten nach oben durchbrochen hat. Man sollte sich aber nicht zu lange auf die guten Vorgaben aus New York verlassen, warnte Berz mit Blick auf den Euro-Höhenflug. Wegen des Feiertag "Thanksgiving" blieb die Börse in New York am Donnerstag geschlossen.

Bayer-Aktien  gewannen 2,3 Prozent auf 24,22 Euro. Der Chemie- und Pharmakonzern hatte nach einem überraschend starken operativen Ergebnissprung im dritten Quartal seine Umsatz- und operative Ergebnisprognose für das Gesamtjahr angehoben. "Die Zahlen sind überraschend gut ausgefallen, vor allem das operative Ergebnis hat überzeugt", sagte ein Händler.

Stahlknappheit beflügelt Arcelor

Aktuelle Berichten über die zunehmende Knappheit auf den internationalen Stahlmärkten gaben dem weltgrößte Stahlkonzern Arcelor  Auftrieb, der an der Pariser Börse 5,6 Prozent zulegte. Am Vormittag hatte als erster großer Autobauer der japanische Hersteller Nissan  angekündigt, er müsse wegen Stahlmangels die Produktion stoppen. Ende November und Anfang Dezember werden in drei von vier japanischen Nissan-Werken die Bänder für fünf Tage stillstehen.

Von den Berichten profitierte auch der Dax-Wert ThyssenKrupp , der mit einem Plus von 1,7 Prozent schloss. Die Salzgitter AG  legte im MDax  um 2,5 Prozent zu.

Henkel-Titel  stiegen um 0,5 Prozent auf 63,30 Euro. Der Konsumgüterhersteller setzt seine Restrukturierung fort und rechnet für ein neues Programm von 2004 bis 2006 mit zusätzlichen Aufwendungen von 400 Millionen Euro. Die erwarteten zukünftigen Einsparungen aus dem Programm betrügen ab 2007 rund 125 Millionen Euro pro Jahr, teilte Henkel am Donnerstag in Düsseldorf mit. Weltweit sollen 3000 Stellen abgebaut werden.

Die Liste der Verlierer im Dax wurde angeführt von Infineon  mit einem Minus von 0,6 Prozent und der HypoVereinsbank  mit einem Minus von 0,4 Prozent. Die HVB-Aktie geriet unter Druck, nachdem sie von der Investmentbank Morgan Stanley  herabgestuft wurde.