Börsenschluss Karstadt-Aktie auf Achterbahnfahrt

Ein steigender Ölpreis und die Unsicherheit über die Zukunft von Opel und KarstadtQuelle drückten die Stimmung am deutschen Aktienmarkt. Die Aktie des Einzelhandelskonzerns legte zunächst kräftig zu und stürzte dann am Abend ab.

Frankfurt am Main - Der Deutsche Aktienindex (Dax)  schloss 0,9 Prozent im Minus bei 3940 Punkten. Der MDax  gab 0,5 Prozent auf 5.063 Zähler und der TecDax  sogar 1,8 Prozent auf 497 Punkte nach.

Händler begründeten die Abschläge vor allem mit dem erneut anziehenden Ölpreis, der die Marktteilnehmer verunsichere. Auch die enttäuschenden Zahlen des Autokonzerns General Motors (GM) belasteten die Märkte. Dagegen lagen die Quartalsberichten von Nokia  und Citigroup  im Großen und Ganzen im Rahmen der Erwartungen. Der Kaufhauskonzern KarstadtQuelle  überraschte die Anleger mit Details zur erwarten Kapitalerhöhung und schickte damit seine Aktien auf Talfahrt.

An den Terminmärkten verteuerte sich ein Barrel (159 Liter) der US-Leichtölsorte WTI zeitweise auf 54,60 Dollar und markierte damit ein neues Rekordniveau. "Der Ölpreis wird bis Ende Oktober weiter steigen, da die Nachfrage immer noch sehr stark ist", sagte Purnomo Yusgiantoro, Präsident der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) mit Blick auf den bevorstehenden Winter in den USA und Europa.

Der Ölpreis verteuert für die Unternehmen Transport und Produktion und verringert die Kaufkraft der Verbraucher. So kann er auch Spuren in den Bilanzen der Unternehmen und damit letztlich in der Konjunktur hinterlassen. Tatsächlich fielen denn auch der Wochenbericht vom US-Arbeitsmarkt und das Außenhandelsdefizit für August schwächer als erwartet aus. An der Wall Street wurden zum Handelsauftakt kaum veränderte Kurse erwartet.

Details der Kapitalerhöhung drücken Karstadt-Kurs

Auf Berg und Talfahrt ging die Aktie des angeschlagenen Waren- und Versandhauses KarstadtQuelle. Das Papier stieg unmittelbar nach der Einigung von Vorstand und Gewerkschaft zeitweise um mehr als 7 Prozent. Als Details zu der Einigung mit der Gewerkschaft bekannt wurden, schmolz allerdings ein großer Teil der Gewinne. Einige Börsianer äußerten sich wegen den am Markt verbleibenden Überkapazitäten kritisch.

Am Abend rutschte das Papier um mehr als fünf Prozent ins Minus, nachdem der Konzern Details zur geplanten Kapitalerhöhung bekannt gegeben hatte. Sollten bei der Kapitalerhöhung nicht 500 Millionen Euro zusammenkommen, das sind 5,38 Euro je neuer Aktie, dann könne der Konzern weitere neue Titel ausgeben, teilte Karstadt mit. "Viele Anleger verkaufen wohl in der Hoffnung, die Aktien durch die Kapitalerhöhung günstiger zu bekommen", kommentierte ein Händler den Kursrutsch. Das Papier beendete seine Achterbahnfahrt mit einem Verlust von 3,9 Prozent auf 11,68 Euro.

Autowerte leiden unter GM-Zahlen

Autowerte leiden unter GM-Zahlen

Zu den größten Kursverlierern gehörten Autowerte, nachdem der US-Konzern General Motors  nach einem schwachen dritten Quartal überraschend die Ertragsprognose für 2004 senkte. So büßten die Papiere des Autozulieferers Continental  2,3 Prozent ein, Daimler-Titel  gaben 1,8 Prozent nach.

GM hatte die Geschäftsentwicklung vor allem mit zunehmenden Verlusten in Europa begründet. Der Konzern will offenbar rund 8000 Stellen an den beiden Opel-Standorten Rüsselsheim und Bochum streichen. Die Unsicherheit über die Zukunft des Rüsselsheimer Traditionskonzerns hatte zuvor schon die Stimmung gedrückt.

Händler beschrieben die Nokia-Zahlen als insgesamt gut, zeigten sich vom Ausblick aber nicht überzeugt. Das belastete Technologie-Titel wie Infineon , die um 1,5 Prozent auf 8,32 Euro nachgaben und Siemens , die 1,3 Prozent auf 58,91 Euro fielen. Epcos  verloren im TecDax  0,4 Prozent auf 12,79 Euro.

Rampls Zurückhaltung enttäuscht die Anleger

Der Gewinnanstieg des weltgrößten Finanzkonzerns Citigroup lag etwas über den Prognosen und stützten an der Frankfurter Börse die Aktien der Deutschen Bank . Sie gingen am Abend mit einem Minus 0,7 Prozent aus dem Handel.

Die Titel der Hypo-Vereinsbank (HVB)  erholten sich nach dem Citigroup-Zwischenbericht und schlossen um gut zwei Prozent im Minus und damit über dem Tagestief. Händler begründeten die Kursverluste mit einer Empfehlung der Investmentbank JP Morgan und Aussagen von Vorstandschef Dieter Rampl am Vorabend. Rampl hatte bekräftigt, die HVB sei "verhalten optimistisch", ihre Ertragsziele für 2004 mit einem Betriebsgewinn von 1,4 bis 1,7 Milliarden Euro zu erreichen. Die Marktentwicklung im dritten Quartal habe das Handelsgeschäft jedoch schon sehr schwer gemacht, fügte er hinzu.

US-Börsen eröffnen schwach

Schwächer tendierten auch die US-Börsen. Sowohl der Auswahlindex Nasdaq Composite  als auch der Leitindex Dow Jones  gaben am Abend um rund 0,7 bis 0,9 Prozent ab. Der EuroStoxx  verlor 0,6 Prozent auf 2776,03 Punkte.

Der Euro-Kurs dagegen stieg. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2377 (Mittwoch: 1,2267) Dollar fest.

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