Wochenausblick Die Börse im Vakuum

Erst Mitte Oktober beginnt die Berichtssaison, vorher dürfte der Dax in einer engen Spanne verharren. Ein stark schwankender Ölpreis oder vorab durchsickernde Quartalszahlen könnten das allerdings schnell ändern. Die Investoren werden auf stichhaltige Signale für einen Konjunkturabschwung oder eine Erholung hin schnell handeln.

Frankfurt - Angesichts der Mitte des Monats beginnenden Berichtssaison der Unternehmen dürften sich die deutschen Aktienmärkte in der ersten Oktoberwoche nach Einschätzung von Finanzmarktexperten zunächst weiter in einer engen Handelsspanne bewegen. Neben ersten Nachrichten über die Entwicklung in den einzelnen Sektoren werden wohl vor allem die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag die weitere Richtung des Deutschen Aktienindex  bestimmen. Als Belastungsfaktor gilt weiterhin der Ölpreis.

"Die nächste Woche könnte man den Dax vielleicht unter dem Motto 'Nachdenkliches Durchatmen' - zumindest bis Freitag - stellen", sagte Hans-Jörg Naumer, Analyst bei der zur Allianz-Gruppe gehörenden Fondsgesellschaft DIT. Datenmäßig und von der Unternehmensseite seien bis dahin keine großen Nachrichten abzusehen, ergänzte er.

Nach Einschätzung der Commerzbank  bestimmen derzeit "vor allem Psychologie und Charttechnik das Marktgeschehen". Mit der Mitte Oktober beginnenden Berichtssaison dürften jedoch wieder stärker fundamentale Aspekte in den Vordergrund rücken. "Die entscheidende Frage wird sein, ob und wie stark sich der wirtschaftliche Aufschwung in den Zahlenwerken niederschlägt."

US-Arbeitsmarktdaten im Fokus

Bis dahin rechnet auch Aktienstratege Michael Köhler von der Landesbank Rheinland-Pfalz. "niedrigen Umsätzen und nur geringen Ausschlägen" beim Dax.

Angesichts der bevorstehenden Quartalssaison rechnet Volker Borghoff, Aktienstratege bei HSBC Trinkaus & Burkhardt, in der kommenden Woche mit einer gewissen Zurückhaltung der Anleger. "Der Dax dürfte sich in einer engen Handelsspanne von 3870 bis 3970 Punkten bewegen", prognostizierte Borghoff.

Nach Einschätzung Naumers könnte der Leitindex die psychologisch wichtige Marke von 4000 Zählern erneut antesten. "Der Dax könnte die 4000 ins Visier nehmen, aber das (die Marke) ist schon ein Achtungsgegner", sagte er. Der Dax war Mitte September mehrmals an der Überwindung der 4000-Punkte-Marke gescheitert. Am Freitag schloss der Leitindex nach einer Kurs-Rally bei rund 3995 Zählern.

Bushs Wiederwahl "besser für die Börse"

Für Borghoff sind die US-Arbeitsmarktdaten für September ebenfalls ein "Highlight". "Sollten die Arbeitsmarktdaten schwächer als erwartet ausfallen, könnte es die Finanzmärkte dahingehend belasten, dass die Wahlchancen von Kerry steigen und das wäre sicherlich schlecht für die Aktienbörsen", urteilte er.

Auch die Experten der Schweizer Bank Julius Bär erwarten eher Kursrückgänge an den Aktienmärkten, sollte Kerry bei den US-Wahlen Anfang November Georg W. Bush als Präsident der USA ablösen. Bei einer zweiten Amtszeit von Bush wüssten die Investoren eher, was auf sie zukomme, während die politische Linie von Kerry bislang weniger bekannt sei, sagte Gerard Piasko, Chief Investment Officer Private Banking bei Julius Bär. "Wenn Bush gewählt wird, ist das besser für die Börse, für die Aktien."

Q3-Zahlen von Alcoa zum Auftakt

Obwohl die Berichtssaison der Unternehmen erst Mitte Oktober richtig startet, sind nach Einschätzung Borghoffs bereits nächste Woche vermehrt Aussagen zur Geschäftslage zu erwarten. "Aus dem Technologiesektor dürften weitere Nachrichten aus dem abgelaufenen Quartal sowie über den Ausblick auf das vierte Quartal bekannt gegeben werden", sagte der Aktienstratege. Am Donnerstag eröffnet Alcoa  die Berichtssaison. Der US-Aluminiumkonzern, weltweit die Nummer eins der Branche, will über die Entwicklung im dritten Quartal informieren.

In Deutschland hingegen werden in der kommenden Woche kaum Markt bewegende Impulse erwartet. Auf Unternehmensseite steht am Dienstag Adidas-Salomon im Blick. Herbert Hainer, Vorstandschef des Dax-Konzerns hatte vor einigen Wochen als Ziel für das Umsatzwachstum 2004 stolze 20 Prozent genannt - bisher scheint der Plan aufzugehen. Besondere Überraschungen erwarten die Analysten vom Zahlenwerk des Sportartiklers derzeit nicht.

Auch mit Blick auf die europäischen Konjunkturdaten steht nach Expertenmeinung wenig an. Zwar werde die Europäische Zentralbank am Donnerstag über den Leitzins entscheiden, doch Volkswirte erwarten keine Änderungen. Der Leitzins dürfte damit bei 2,0 Prozent bleiben.