Wochenausblick Die Auguren orakeln

Das Börsenklima wird sich nach Einschätzung von Analysten kurzfristig nicht bessern. Ein hoher Ölpreis und die abkühlende Weltkonjunktur drückten auf die Stimmung. Wichtige Quartalsergebnisse werden in der kommenden Woche zwar nicht erwartet, aber ein Reigen von Indikatoren soll Aufschluss über die aktuelle Konjunkturlage geben.

Berlin - In Deutschland warten Börsianer mit Spannung auf Details zum Konzernumbau beim Warenhausbetreiber KarstadtQuelle , die am Dienstag enthüllt werden sollen. Der Deutsche Aktienindex (Dax), der in der vergangenen Woche etwa die Hälfte seines Gewinns seit Monatsbeginn abgegeben hat, dürfte nach Einschätzung der meisten Analysten in der kommenden Woche eher schwächer tendieren.

Allerdings gibt es auch Optimisten, die bei einem Rückgang des Ölpreises einen Dax-Anstieg in Richtung 4000 Zähler für möglich halten. "Nach dem Motto 'aufgeschoben ist nicht aufgehoben' dürfte die 4000er-Marke dann wieder recht schnell ins Visier der Börsianer geraten", hofft Frank Schallenberger, Aktienstratege der LBBW.

Unternehmensnachrichten, die den Gesamtmarkt bewegen könnten, werden zwar nicht erwartet. Doch sei das Ende eines Quartals traditionell einer der letzten Möglichkeiten für die Unternehmen, ein mögliches Verfehlen der Prognose den Märkten zu "beichten", sagte ein Händler. "Daher sind die Investoren auf der Hut vor Gewinnwarnungen." Auf die schwächeren Prognosen zur Entwicklung der Wirtschaft müssten auch die Konzerne weltweit reagieren, erläuterten Händler.

Der Ölpreisanstieg entmutigt Investoren

"In der so genannten Beichtsaison versuchen die Unternehmen derzeit vermehrt, die Analysten mit ihren zu optimistischen Prognosen wieder einzufangen", sagte Oliver Plein, Volkswirt bei der Fondsgesellschaft Dit, mit Blick auf die Senkungen der Gewinnprognosen in der vergangenen Woche durch Konzerne wie Unilever  und Electrolux .

"Nachdem die Investoren am Aktienmarkt zuletzt die Entwicklung am Ölmarkt ausgeblendet hatten, dürfte mit dem neuen Anstieg der Ölpreis das Marktgeschehen wieder dominieren", erwartet Plein. In dieser Woche hatten sich die Terminkontrakte auf die Ölsorten Brent und WTI ihren Rekordmarken vom August genähert. Die Future für Heizöl hatten sogar Rekordstände erreicht.

Der hohe Ölpreis erhöht für die Unternehmen die Kosten für Produktion und Transport und wirkt sich auch negativ auf das Verhalten der Verbraucher aus, die für Benzin oder Heizöl tiefer in die Tasche greifen müssen. Seit Jahresanfang hat der Ölpreis rund 50 Prozent zugelegt, was in den USA zu einer Schwächephase in der Konjunkturentwicklung geführt hatte. "Die Wirtschaft in den USA und auch im Euroland hat sich zuletzt abgekühlt", sagte Plein. Daher seien die zur Veröffentlichung anstehenden Stimmungsindikatoren sehr wichtig.

"Die deutsche Konjunktur steht nur auf einem Bein"

"Die deutsche Konjunktur steht nur auf einem Bein"

Ein Reigen von Indikatoren wird in der kommenden Woche Aufschluss über die aktuelle Konjunktur geben: Den Anfang macht am Montag der Ifo-Geschäftsklimaindex, für den von Reuters befragte Analysten im Schnitt einen Rückgang auf 95,1 von 95,3 Punkten vorhersagen. Am Dienstag folgt das GfK-Konsumklima für Oktober.

Am Freitag werden dann die Einzelhandelsumsätze vom August veröffentlicht, die nach Analysten-Erwartungen um 0,7 Prozent zum Vormonat gefallen sein dürften. Ebenfalls am Freitag kommt der Reuters-Einkaufsmanagerindex (EMI) für September für die Industrie, den Analysten bei 54,8 nach 55,1 Punkten sehen.

Insgesamt schwant manchen Analysten nichts Gutes. "Die Wachstumsdynamik sollte sich etwas verlangsamen", sagt Stefan Bielmeier von der Deutschen Bank . Der Ölpreis hänge wie ein Damoklesschwert über der Konjunktur und vom privaten Konsum kämen keine Impulse. "Die Ersten sagen bereits, wir bekommen bald einen Abschwung", warnt Invesco-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Der monatliche Geschäftsklimaindex des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) bewegt sich schon seit Jahresbeginn in einem Zickzack-Kurs. Dabei stagniert nach Einschätzung der Experten tendenziell die Lagebeurteilung der 7000 befragten Firmen, während sie ihre Erwartungen zurückschrauben.

"Die Erwartungen werden kräftig nach unten gehen"

Krämer zufolge hat der Ifo die Konjunkturwende nach unten bereits signalisiert, auch wenn er im April und Juli gestiegen ist. "Die Erwartungen werden erneut kräftig nach unten gehen", sagt auch Andreas Rees von der HypoVereinsbank  für den September voraus.

Hinzu kommen Anzeichen aus der Wachstumslokomotive USA und aus Asien - vor allem China - dass die Dynamik im Welthandel etwas nachlässt. "Die deutsche Konjunktur steht nur auf einem Bein - dem Export", warnt Krämer. "Langsam verfestigt sich, dass sich die Weltwirtschaft in den nächsten Monaten abkühlt", warnt auch Rees. So wundert es nicht, dass nach Ansicht der Volkswirte ein Nachlassen der Wachstumsdynamik in der Industrie zeigen dürfte.

Dass der private Konsum in die Bresche springt, falls sich die Exportkonjunktur abkühlt, erwarten die Analysten nicht. So hat der Einzelhandelsverband HDE Hoffnungen auf ein Umsatzplus in diesem Jahr bereits offiziell begraben. Besserung ist nicht in Sicht.

Interessant werden dürfte die kommende Woche für die Zinspolitik. "Nächste Woche wird auch ein Test für die Zentralbanken, die alle ein recht optimistisches Konjunktur-Bild haben", sagt Krämer. So lägen deren Konjunktur-Prognosen über den Erwartungen der Finanzmärkte, die eher nach unten gingen: "Wenn der Ifo und die Reuters-EMIs schlechter ausfallen, bringt das das Bild der Zentralbanken ins Wackeln." Andere Analysten spötteln, die Europäische Zentralbank suche derzeit nach positiven Konjunkturdaten, um die Zinsen anheben zu können, habe aber Schwierigkeiten, solche Indizien zu finden.

Über die Lage der US-Volkswirtschaft könnte insbesondere der erst am nächsten Freitag anstehende Konjunkturindex des Institut of Supply Management (ISM) Aufschluss geben. Zuvor stehen noch Daten zum Verbrauchervertrauen auf den Terminkalendern.

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