Börsenschluss Fed kündigt weitere Zinsschritte an

Die US-Notenbank hat den wichtigsten amerikanischen Zinssatz um 0,25 Punkte angehoben. Mit dieser Entscheidung hatten die Finanzmärkte gerechnet, allerdings nicht mit der Ankündigung weiterer „maßvoller“ Zinsschritte. Bei schwachen Umsätzen schrammte der Dax erneut knapp an der Marke von 4000 Punkten vorbei.

Hamburg/New York - Der Zielsatz für Tagesgeld gilt in den USA als Schlüsselzins. Die Fed erhöhte ihn um 0,25 Prozentpunkte auf 1,75 Prozent. Damit drehte sie zum dritten Mal in Folge an der Zinsschraube. Entgegen der Erwartung vieler Beobachter, schloss die Fed aber weitere Zinsschritte nicht aus, sondern bekräftigte, die Geldpolitik auch künftig in einem "maßvollen Tempo" straffen zu wollen.

Die Auf- und Abwärtsrisiken für die Preisstabilität und das Wirtschaftswachstum hielten sich in etwa die Waage, erklärte die US-Notenbank. Das Wachstum habe etwas an "Traktion" gewonnen und die Bedingungen am Arbeitsmarkt hätten sich ebenfalls leicht verbessert Ende Juni hatte die Fed mit der ersten Erhöhung seit vier Jahren die Zinswende in den USA eingeleitet.

In Erwartung der Zinsentscheidung verlief der Handel auch an den deutschen Börsen den ganzen Tag über ruhig. "Die Umsätze sind relativ gering. Viele Anleger halten sich mit Blick auf die Fed zurück", sagte ein Händler. Der Deutsche Aktienindex (Dax)  stieg bis zum Xetra-Handelsschluss um 0,3 Prozent auf 3991,02 Punkte. Mit seinem Tageshoch von 3998 verfehlte der Index erneut knapp die Marke von 4000 Punkten. Der MDax  legte 0,40 Prozent auf 5062,05 Zähler zu und der TecDax  stieg um 0,17 Prozent auf 500,42 Punkte.

Händler werteten es als gutes Zeichen, dass der Dax trotz des gestiegenen Ölpreises und der Gewinnwarnungen von US-Konsumgüterkonzernen wie Unilever und Colgate Palmolive am Vortag nur minimal nachgegeben hat.

Am Dienstag sank der Ölpreis jedoch wieder leicht. Zudem übertraf der Softwarekonzern Adobe  dank steigender Gewinne unter anderem mit Photoshop die Gewinnerwartungen deutlich. Die Aktie kletterte nachbörslich um rund vier Prozent. In Asien zeigten sich die Börsen am Dienstag knapp behauptet, der Nikkei  gab in Tokio um 0,1 Prozent nach.

Banktitel besonders gefragt

Besonders gefragt waren die Banktitel. Spekulationen über einen Einstieg des weltgrößten Finanzkonzerns Citigroup  bei der Hypo-Vereinsbank (HVB)  beflügelten die Phantasie der Anleger. Analysten sprachen allerdings von einem unwahrscheinlichen Szenario. Bis zum Handelsschuss schmolz das Kursplus bei den HVB-Aktien von zunächtst gut 2 Prozent wieder auf 0,06 Prozent zusammen.

Zu den größten Gewinnern im Dax zählten die Aktien der Deutschen Bank  mit einem Plus von 1,7 Prozent auf 60,67 Euro. Damit honorierte die Börse die Pläne des Instituts, das Inlandsgeschäft zusammenzulegen und sich damit nach Einschätzung von Analysten von den sehr schwankenden Erträgen im internationalen Investmentbanking unabhängiger zu machen. Darüber hinaus profitierten die Titel von den überraschend guten Zwischenberichten der Bankhäuser Goldman Sachs und Lehman Brothers. "Das hat die Hoffnungen auf gute Zwischenergebnisse auch bei den deutschen Banken erhöht", sagte ein Händler.

Infineon mit Nachholbedarf

Auch die Aktien des Chipherstellers Infineon  zählten zu den Tagesgewinnern. Sie stiegen um 1,8 Prozent auf 8,77 Euro. Das Investmenthaus Sanford Bernstein hatte die Titel zuvor hochgestuft. Zudem seien die Infineon-Titel im bisherigen Jahresverlauf einer der größten Dax-Verlierer gewesen. "Die haben schließlich auch hohen Nachholbedarf", so ein Händler mit Blick auf den rund 20-prozentigen Kursrückgang seit Jahresbeginn.

Das Dax-Schlusslicht bildete die Aktie des Konsumgüterherstellers Henkel  ein. Sie gab 1,4 Prozent ab und schloss bei 60,20 Euro. Den Grund für den Abschlag sahen Händler in den Gewinnwarnungen der Konkurrenten Unilever und Colgate-Palmolive vom Vortag.

Bayer und Lufthansa im Blick

Positive Schlagzeilen machte dagegen der Chemie- und Pharmariese Bayer . Die Zahl der anhängigen Klagen im Zusammenhang mit dem Cholesterinsenker Lipobay (Baycol) ist weiter gesunken. Derzeit seien 7.577 Verfahren noch im Gange, teilte der Konzern mit. Vor einem Monat waren es noch 7.906. Bayer-Aktien gewannen 1,5 Prozent auf 22,12 Euro.

Für Aktionäre der Lufthansa  bleiben die Zeiten schwierig. Unter Hinweis auf die steigenden Ölpreise wird die Fluggesellschaft zum vierten Mal in diesem Jahr ihre Preise erhöhen. Am 4. Oktober steigt der Treibstoffzuschlag der Fracht-Tochter Lufthansa Cargo von 25 auf 30 Cent je Kilo Fracht.

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