Märkte Dax unter Dampf

Die jüngst so starke US-Konjunktur zeigt leichte Ermüdungserscheinungen. Dies könnte die Fed dazu verleiten, die Zinsen nur in homöopathischen Dosen zu erhöhen: Der Dax, unterstützt vom Window-Dressing der Fonds, nimmt Anlauf auf sein Jahreshoch.

Hamburg - Das macht keinen Spaß: Der deutsche Fußball verabschiedet sich glanzlos vom EM-Turnier. Ein völlig verregneter Sommer. Und ein Finanzminister, der nur über die Runden kommt, indem er sein Tafelsilber verscherbelt.

Da fragt sich der verzweifelte Bundesbürger: Wo gibt es was zu lachen? Na, wo wohl? An der Börse - ausnahmsweise jedenfalls.

Am Donnerstag ist der Dax  auf Xetra um 1,6 Prozent geklettert und schloss bei 4007 Punkten nur knapp unter Tageshoch. Zyklische Werte wie MAN , Bayer  und ThyssenKrupp  gehörten zu den größten Gewinnern.

US-Daten enttäuschen

Die deutschen Aktien verteidigten auch nach den enttäuschenden US-Konjunkturdaten, die um 14.30 Uhr gemeldet wurden, ihre Gewinne. Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA ist um 13.000 auf 349.000 geklettert, teilte das US-Arbeitsministerium am Donnerstag in Washington mit. Im aussagekräftigeren Vierwochendurchschnitt legte die Zahl der Anträge um 1.000 auf 344.250 zu.

Auch die Auftragseingänge enttäuschten. Die Auftragseingänge für langlebige Güter im Mai sind überraschend um 1,6 Prozent gefallen. Volkswirte hatten im Durchschnitt mit einem Anstieg um 1,0 Prozent gerechnet.

US-Anleger wetten auf kleinen Zinsschritt

Dennoch starteten die US-Börsen behauptet in den Handel. Der Dow Jones  notierte bis 17,45 Uhr 0,1 Prozent fester, und der Nasdaq Composite  legte um 0,4 Prozent auf 2029 Zähler zu. Die mäßigen Konjunkturdaten haben auch eine positive Seite: Anleger gehen davon aus, dass die US-Leitzinsen am kommenden Mittwoch (30. Juni) lediglich um 0,25 Prozent auf dann 1,25 Prozent angehoben werden.

Fonds hübschen Bilanzen auf - Dax mit Chancen

Dax nimmt Zwischen-Hoch ins Visier

Händler begründen die gute Stimmung am Markt mit den günstigen Vorgaben aus den USA sowie mit der verbesserten charttechnischen Situation. Außerdem rücke langsam das Halbjahresende in den Blickpunkt, im Vorfeld seien Fonds an steigenden Kursen interessiert, weil sie eine gute Performance zeigen wollten.

Im Dax rücke nun wieder das letzte Zwischen-Hoch bei 4.040 Punkten in den Blickpunkt. Ein Überwinden dieser Marke würde einen Anlauf auf das Jahreshoch bei 4.175 Punkten ermöglichen. Nach unten habe die Unterstützung bei 3.920 Punkten zuletzt ihre Tragfähigkeit gezeigt.

Die Post zentralisiert

Erneut zog die Deutsche Post  das Interesse der Anleger auf sich . Der Konzern legt seine Tochterfirmen DHL, Danzas und Euro Express in Deutschland zusammen. Durch diesen Zusammenschluss seien gut 4000 Mitarbeiter "organisatorisch" betroffen, sagte ein Sprecher der Deutschen Post AG am Mittwochabend zu einem Bericht der Tageszeitung "Die Welt" (Donnerstag).

Das bedeute aber nicht automatisch Entlassung. Für sie werde eine Beschäftigung innerhalb des Konzerns gesucht. Unterdessen kritisierten Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Post und der Postbank die Äußerung von Postchef Klaus Zumwinkel, der einen vollständigen Verkauf der Postbank nun nicht mehr ausschließen will.

Volkswagen will Benchmark-Anleihe begeben

Die Anteilsscheine von Volkswagen  zogen mit dem Gesamtmarkt an. Der Autobauer will laut Händlern noch in diesem Jahr eine Benchmark-Anleihe begeben. Demnach werde eine Anleihe von mindestens einer Milliarde Euro mit einer siebenjährigen Laufzeit erwartet.

Auch aus der zweiten Reihe kamen kursbewegende Nachrichten. Der größte ostdeutsche Technologiekonzern Jenoptik  hat eine fünfjährige Wandelanleihe mit einem Emissionsvolumen von rund 60 Millionen Euro begeben. Die Wandelanleihe sei in bis zu 4,884 Millionen Aktien wandelbar, teilte das Unternehmen am Mittwochabend in Jena mit. Das entspreche 10 Prozent der ausstehenden Aktien.

Impulse von Unternehmensseite sind am Donnerstag ansonsten ein rares Gut. So verkündet der US-Sportartikelhersteller Nike  zu später Stunde die Zahlen zum vierten Quartal.

Die Cromme-Kommission tagt

Um Regeln und Gesetze geht es bei der Beratung der Cromme-Kommission in Berlin. Mehr als 100 führende Vertreter des Wirtschaftsstandorts Deutschland - Vorstände und Aufsichtsräte sowie Wissenschaftler und Politiker - werden heute über die Zukunft des Deutschen Corporate Governance Kodex diskutieren.

Eingeladen dazu hat die vom Aufsichtsratsvorsitzenden der ThyssenKrupp AG, Cromme, geleitete Regierungskommission für diesen Bereich. Kommissions-Mitglied Axel von Werder, Professor an der TU Berlin, wird die Ergebnisse einer Studie des Berlin Center of Corporate Governance (BCCG) vorstellen, in der die Umsetzung der vor gut zwei Jahren eingeführten deutschen Regeln für Unternehmensleitung und -überwachung untersucht werden.

Und bei alle dem Trübsal um EM-Aus, leere Staatskassen und Wolkenbrüche: Es gibt auch etwas zu feiern. Der Anlagenbauer Linde  begeht heute den Festakt zum 125-jährigen Bestehen des Unternehmens. Unter anderem hat Bundeskanzler Gerhard Schröder sein Kommen angekündigt.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.