Märkte Ölpreis fällt, Aktien klettern

Börsianer spekulieren auf das nahende Treffen der Opec-Minister in Beirut. Sollte das Kartell die Fördermenge erhöhen, dürfte der Ölpreis von seinem Rekordhoch zurückkommen. Auch Hedgefonds ziehen sich vom Öl-Terminmarkt zurück: Dax und Dow verzeichnen deutliche Gewinne.

Hamburg/Frankfurt am Main - Fallende Ölpreise haben am Donnerstag für eine deutliche Erholung an den Börsen gesorgt. Die Hoffnung auf eine deutliche Produktionserhöhung durch die OPEC-Länder war einer der Hauptfaktoren, dass die Ölpreise deutlich nachgaben. Hinzu kamen abnehmende Spekulationen der Hedge-Fonds an den Warenterminmärkten. Sie sind offensichtlich im Hinblick auf höhere Ölpreise vorsichtiger geworden. Schließlich war der Rückgang der Benzinvorräte in den USA in der vergangenen Berichtswoche geringer als erwartet.

In den USA legte der Dow Jones  bis 17 Uhr um 100 Punkte (1 Prozent) auf 10212 Zähler zu. Der Nasdaq Composite  kletterte um 0,6 Prozent. Der Deutsche Aktienindex Dax  baute seine Gewinne am Nachmittag aus und notierte deutlich über der Marke von 3900 Punkten: Neben der Deutschen Telekom zählten ölabhängige Chemiewerte zu den größten Gewinnern.

Terminkontrakt nur noch knapp über 40 Dollar

Rohöl zur Juli-Auslieferung ist am New Yorker Warenterminmarkt Nymex am Donnerstag um 1,5 Prozent auf 40,10 Dollar je Barrel (159 Liter) gefallen. Der Juli-Kontrakt hatte zum Wochenauftakt mit 41,72 Dollar Rekordhöhe erreicht. Nordseeöl der Sorte Brent fiel an der Londoner International Petroleum Exchange um 1,4 Prozent auf 36,58 Dollar je Barrel.

Die Opec-Länder treffen sich am 3. Juni in Beirut, um über einen Vorschlag Saudi-Arabien über eine Produktionserhöhung von mehr als zwei Millionen Barrel abzustimmen.

US-Arbeitsmarkt weiter erholt

Im Blick der Anleger blieben auch neue Konjunkturdaten: Die US-Wirtschaft ist im ersten Quartal etwas stärker gewachsen als zunächst angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt sei auf das Jahr hochgerechnet um 4,4 Prozent gestiegen, teilte die US-Regierung am Donnerstag in Washington mit. Damit wurde die vorläufige Schätzung um 0,2 Prozentpunkte nach oben korrigiert.

Außerdem ist die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA wieder gesunken. Sie seien in der vergangenen Woche um 3.000 auf 344.000 zurückgegangen, teilte das Arbeitsministerium am Donnerstag in Washington mit.

Saudi-Arabien erwägt Ausweitung der Förderkapazität

Für eine leichte Entspannung auf dem Ölmarkt könnte der weltgrößte Ölexporteur Saudi-Arabien sorgen. Die staatliche Energiegesellschaft Saudi Aramco erwägt für den Fall anhaltend starker Nachfrage nach Rohöl eine Ausweitung seiner Förderkapazität. Aramco spiele Investitions-Szenarien für den Aufbau von Kapazitäten für eine tägliche Förderung von zwölf oder sogar 15 Millionen Barrel (Barrel = knapp 159 Liter) durch, sagte Aramco-Chef Abdallah Dschumah am Mittwoch in London.

"Wir prüfen derzeit ernsthaft die Möglichkeit, zusätzliche Förderkapazität zu schaffen und die dauerhafte Kapazität zu erhöhen", sagte er. Von der derzeitigen Kapazität Saudi Arabiens von 10,5 Millionen Barrel täglich (bpd) hält Aramco zehn Millionen bpd.

ATU sagt Börsengang ab

ATU sagt Börsengang ab

Einen Dämpfer erhielt die Frankfurter Börse erneut vom IPO-Markt: Der Börsengang der Autowerkstattkette ATU wurde am Mittwoch, zwei Tage vor dem Zeichnungsbeginn für die Aktien, überraschend abgesagt. Der Grund seien die derzeit schwierigen Marktbedingungen für Neuemissionen, teilte das Unternehmen mit.

Die Aktien der Deutschen Post  blieben zunächst hinter dem Gesamtmarkt zurück. Im Tarifkonflikt mit dem Logistiker hat die Gewerkschaft Verdi ihre Warnstreiks am Donnerstag auf Norddeutschland und Berlin-Brandenburg ausgeweitet. Nach Angaben der Gewerkschaft legten Beschäftigte von Sortierzentren unter anderem in Rostock und Neubrandenburg sowie in Berlin und dem brandenburgischen Stahnsdorf die Arbeit nieder. Auch in mehreren niedersächsischen Verteilzentren gab es Aufrufe zu Warnstreiks. Allein in Norddeutschland sollen rund 250.000 Postsendungen verzögert bearbeitet werden.

Quartalszahlen und zugleich Jahresbilanz wird an diesem Tag das im MDax notierte Unternehmen Südzucker  vorlegen. Für das Geschäftsjahr 2003/2004 (31.März) rechnet das Mannheimer Unternehmen damit, dass sowohl das Betriebsergebnis von 520 Millionen als auch der Jahresüberschuss von 315 Millionen Euro vom Vorjahr nicht erreicht werden.

Der ebenfalls im MDax notierte Autozulieferer Beru  steigerte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2003/2004 (Ende März) seinen Umsatz deutlich. Er sei um 16,4 Prozent auf 354,5 Millionen Euro geklettert, teilte die Gesellschaft in Ludwigsburg mit. Ein Teil des Zuwachses gehe auf den Kauf von Johnson Controls Automotive Electronics zurück.

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