Märkte Ölpreis steigt auf 21-Jahreshoch

Negative Konjunktursignale aus den USA zwingen den Dax in die Knie. Die anhaltenden Spekulationen um eine bevorstehende US-Zinswende und der bedrohlich steigende Ölpreis trüben die Stimmung zusätzlich ein.

Hamburg/Frankfurt am Main - Zum Wochenausklang nimmt der Aktienmarkt die Anleger auf eine Berg- und Talfahrt. Im späten Handel hat der Dax seine Verluste wieder ausgebaut und kratzte an der Unterstützungslinie bei 3780 Punkten. Die Nachrichtenlage bleibt trüb: Immer noch belasten die Spekulationen um eine baldige US-Leitzinserhöhung und eine anziehende US-Teuerungsrate die Stimmung. Zudem stieg der Ölpreis stetig.

Einen weiteren Tiefschlag für die Anleger hielt die Universität Michigan bereit: Das nach Wall-Street-Eröffnung bekannt gegebene Verbrauchervertrauen verharrte im Monat Mai stabil bei 94,2 Punkten. Volkswirte hatten jedoch eine optimistischere Stimmung unter den Konsumenten vermutet und prognostizierten einen Anstieg auf 95,9 Zähler.

Die vor Börsen-Eröffnung veröffentlichten US-Konjunkturdaten fielen größtenteils im Rahmen der Erwartungen aus: So sind die Lagerbestände in den USA im März um 0,7 Prozent zum Vormonat gestiegen, teilte das US-Handelsministerium mit. Volkswirte hatten mit einem Zuwachs von 0,3 Prozent gerechnet.

Wie erwartet stiegen auch die Verbraucherpreise im April den fünften Monat in Folge. Nach Angaben des Arbeitsministeriums kletterten die Preise saisonbereinigt um 0,2 Prozent. Im März hatte die Steigerung noch 0,5 Prozent betragen. Nach Ansicht der Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt wird die Inflationsrate auch in den kommenden Monaten weiter anziehen. Bei den Konsumentenpreisen würden sich insbesondere die hohen Rohstoffpreise bemerkbar machen.

Dow und Dax auf Vortagesniveau

Die Wall Street reagierte mit Kursabschlägen. Der Dow Jones  gab innerhalb der ersten Handelsstunde auf 9971 Punkte nach, ein Minus von 0,4 Prozent. Der Nasdaq Composite  verlor um 1,2 Prozent auf 1903 Zähler.

In Deutschland notierte der Dax  im Xetra-Handel eine Stunde vor Handelsschluss rund 0,6 Prozent leichter auf 3802 Zählern. Aus charttechnischer Sicht bleibt der deutsche Leitindex angeschlagen, kurzfristig wurde am Freitag sogar die wichtige Marke von 3780 Zählern durchbrochen. Die Experten der Commerzbank befürchten, dass die Konsolidierung zunächst anhalten wird und raten vorerst von Neuengagements ab. "Große Unsicherheit und Kaufzurückhaltung" würden den Markt prägen, hieß es in einer Markteinschätzung.

Eine weitere Belastung für den Markt stellt der hohe Ölpreis dar, der eine Erholung der Weltkonjunktur gefährden könnte. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Öl der Nordseesorte Brent notierte am Mittag weiterhin bei rund 38 Dollar. Furcht vor einer Ölknappheit unter anderem wegen der starken Nachfrage der boomenden chinesischen Wirtschaft hatte den Ölpreis zuvor in Amerika auf den höchsten Stand seit 21 Jahren getrieben. "Der Rohölpreis ist weiter auf dem Vormarsch. Dies führt in der Konsequenz dazu, dass das Inflationsgespenst nach wie vor sein Unwesen treibt", erklärte Christian Schmidt, Marktstratege bei der Helaba.

Euroland kann doch noch wachsen, Allianz nach Zahlen im Minus

Euroland kann doch noch wachsen

Überraschend starke Wachstumszahlen hat das europäische Statistikamt Eurostat veröffentlicht. Die Wirtschaft in der Euro-Zone sei nach vorläufigen Berechnungen im ersten Quartal so stark gewachsen wie seit drei Jahren nicht mehr, hieß es. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) habe sich von Januar bis März um 0,6 Prozent zum Vorquartal und um 1,3 Prozent zum Vorjahreszeitraum erhöht. Die Erwartungen von Volkswirten wurden damit etwas übertroffen.

Die im vergangenen Jahr begonnene Konjunkturerholung hat sich damit im ersten Quartal leicht verstärkt. Die Zuwachsrate für das vierte Quartal 2003 revidierte Eurostat auf 0,4 von 0,3 Prozent nach oben. Die Europäische Kommission erwartet eine weitere schrittweise Beschleunigung des Wachstums. Die Behörde behielt für das zweite Quartal ihre Prognose eines Zuwachses von 0,3 bis 0,7 Prozent zum Vorquartal bei. Die Vorhersage für das dritte Quartal erhöhte die Kommission um ein Zehntel auf 0,4 bis 0,8 Prozent.

Dresdner Bank wieder im grünen Bereich

Von den einzelnen Unternehmenswerten standen die Titel der Allianz  im Mittelpunkt. Die Papiere verloren rund 1,6 Prozent auf 81,85 Euro. Der Allfinanzkonzern hat am Morgen seine endgültigen Quartalszahlen vorgelegt. Wichtigste Erkenntnis für den Markt: Die Dresdner Bank verdient wieder Geld. Der Überschuss der Allianz-Tochter betrug 102 Millionen Euro, verglichen mit minus 353 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Die Allianz selbst hat in den ersten drei Monaten einen Überschuss von 675 Millionen Euro erzielt. Anfang Mai hatte ihn der Konzern nach vorläufigen Zahlen auf 650 Millionen Euro beziffert.

Ebenfalls Zahlen hat die Deutsche Post  präsentiert: Das Unternehmen hat in den ersten drei Monaten trotz der Belastungen durch die Integration von Airborne beim Gewinn einen geringeren Ergebnisrückgang verbucht als erwartet. Die Aktie stieg um 0,2 Prozent auf 17,15 Euro.

Die Verliererliste wurde angeführt von ThyssenKrupp . Die Aktien rutschten um 3,3 Prozent auf 13 Euro ab. Der Industriekonzern hatte am Morgen Zahlen vorgelegt, die von Händlern als "im Rahmen der Erwartungen" bezeichnet wurden. Nicht honoriert wurde die Aussage von ThyssenKrupp, dass sich vor dem Hintergrund des hohen chinesischen Stahlbedarfs die Stahlproduktion weiter erhöhen und zu weiteren Preisanhebungen führen werde.

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