Märkte Bangen vor der Greenspan-Rede

Schon seit Wochen verunsichern uneinheitliche Wirtschaftsdaten den Markt. Eine Frage wird dabei immer dringlicher: Wie entwickeln sich die US-Zinsen? Fed-Chef Alan Greenspan wird heute zumindest eine Teilantwort geben können. Allzu viel verraten darf er aber nicht. Der Dax ignoriert die schlechten ZEW-Konjunkturnachrichten.

Hamburg/Frankfurt am Main - Der Chef der US-amerikanischen Notenbank, Alan Greenspan, steht vor einer nahezu unlösbaren Aufgabe. Bei seiner Rede vor dem Bankenausschuss des US-Senats heute wird der "Herr der Zinsen" auch die konjunkturelle Entwicklung der weltgrößten Volkswirtschaft und die möglichen Auswirkungen auf die Zinsen zumindest ansprechen müssen. Das erwarten Marktbeobachter und Analysten von ihm.

Dabei darf Greenspan jedoch nicht zuviel verraten, nur Andeutungen sind erlaubt. Und selbst die könnten die Märkte kräftig durchschütteln. Nachdem nämlich die jüngsten Arbeitsmarktdaten überraschend gut ausgefallen sind, befürchten einige Börsianer, dass mit der anziehenden Konjunktur die Fed auch bald die Leitzinsen erhöhen wird. Steigende Zinsen sind jedoch Gift für die Börsen.

Auf der anderen Seite waren die jüngsten Daten zum Verbrauchervertrauen schwach ausgefallen. Das nährt Befürchtungen, dass die Wirtschaft doch langsamer als erwartet wachsen wird. In diesem Falle würden zwar die Zinsen auf dem derzeit niedrigen Niveau bleiben, gleichzeitig wären dann aber auch die Erwartungen an die Unternehmen zu hoch - damit wären Kursabschläge am Aktienmarkt vorprogrammiert.

ZEW-Index enttäuscht

Zur deutschen Wirtschaftsentwicklung sind heute enttäuschende Daten veröffentlicht worden. Nach Angaben des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) haben sich die Konjunkturaussichten in Deutschland für den Monat April deutlich eingetrübt.

Der ZEW-Index für die Konjunkturerwartungen sank von 57,6 Punkten im März auf 49,7 Punkte und damit den vierten Monat in Folge. Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Anstieg auf 58,0 Zähler gerechnet. "Der Optimismus bei den Finanzanalysten weicht den Realitäten, die weitere Konjunkturerholung in diesem Jahr ist noch nicht gesichert", erklärte ZEW-Chef Wolfgang Franz. Zum verhalteneren Konjunkturausblick dürften neben den jüngst enttäuschenden Wirtschaftsdaten auch die schwache Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt und der steigende Ölpreis beigetragen haben.

An der ZEW-Umfrage beteiligten sich gut 300 Analysten und institutionelle Anleger. Sie gaben ihre Einschätzung zu Konjunktur, Zinsen, Aktien- und Wechselkursen.

Dax behauptet sich im Plus

Trotz der schlechten ZEW-Zahlen hat sich der Dax  im Plus behauptet. Der deutsche Leitindex kletterte bis zum frühen Mittag um ein Prozent auf 4065 Punkte.

In den USA schloss der Dow Jones am Montag auf 10.437 Punkten, ein Minus von 0,1 Prozent. Der Nasdaq Composite  kletterte um 1,2 Prozent auf 2020 Zähler.

Überraschend gute Nachrichten schwappten aus Japan auf dem Markt, wo der Nikkei  im Handelsverlauf am Dienstag fest notierte. Die Aussichten auf ein Wachstum der heimischen Wirtschaft haben sich im Februar stärker verbessert als bisher angenommen. Der Index der Frühindikatoren sei von 50,0 Punkten im Januar auf revidiert 80,0 Punkte gestiegen, teilte die Regierung in Tokio mit. Ursprünglich war ein Indexwert von 77,8 Punkten veranschlagt worden.

Damit stand der Indikator in den vergangenen sechs Monaten fünfmal über der 50-Punkte-Marke. Ein Wert darüber deutet auf eine Expansion der Wirtschaft in den nächsten drei bis sechs Monaten hin, währen ein Wert unter 50 einen Rückgang signalisiert.

Quartalszahlen ohne böse Überraschung

Die im Rahmen der laufenden Berichtssaison am Montag veröffentlichten Quartalsbilanzen sind gut ausgefallen. 3M Company  hatte seinen Gewinn im ersten Quartal stärker als erwartet gesteigert und auch seine Prognosen angehoben. Die Aktien des Mischkonzerns schlossen kaum verändert bei 83,76 Dollar.

Mit 1,3 Prozent waren Eli-Lilly-Aktien deutlich im Plus. Sie stiegen auf 73,40 Dollar, nachdem der US-Pharmakonzern für das erste Quartal einen kräftigen Gewinnanstieg vor Akquisitionskosten ausgewiesen hatte. Neue Medikamente verhalfen Eli Lilly zu einem Umsatzanstieg von 17 Prozent.

Heute präsentieren Philip Morris, Lucent Technologies und General Motors  ihre Zahlen.

Puma erhöht Dividende

Im Fokus deutscher Börsianer steht Puma . Der Sportartikelhersteller lädt zur Hauptversammlung in Herzogenaurach. Nach Rekordzahlen im vergangenen Jahr soll die Dividende um 27 Prozent auf 70 Cent je Aktie erhöht werden. Der Aktienkurs des im MDax  notierten Unternehmens befindet sich seit Monaten in stetiger Aufwärtsbewegung und pendelte am Montag um 200 Euro. Für das laufende Jahr erwartet Puma neue Bestmarken bei Umsatz und Gewinn.

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