Märkte Wall Street hilft dem Dax

Die US-Börsen starten mit Kursgewinnen und helfen auch dem schwer angeschlagenen Deutschen Aktienindex wieder auf die Beine. Trotz guter Nachrichten von Lehman Brothers bleibt die Stimmung angespannt.

Hamburg - Nicht nur die Angst vor weiteren Anschlägen in Europa schüren an den Börsen die Nervosität. Schon jetzt sind die politischen Auswirkungen der Attentate von Madrid in den USA zu spüren: Präsident George W. Bush verliert mit dem scheidenden Ministerpräsidenten Aznar einen wichtigen Verbündeten in Europa. Aznars Nachfolger Zapatero hat bereits angekündigt, die spanischen Soldaten aus dem Irak abzuziehen.

Dow und Nasdaq starten mit Gewinnen

Dennoch legten Dow Jones  und Nasdaq Composite  am Dienstag zum Handelsauftakt jeweils rund ein Prozent zu. Die Indizes hatten am Vortag jeweils auf dem tiefsten Stand in diesem Jahr geschlossen. "Spekulative Käufer wagen sich wieder hervor. Niemand will den Rebound verpassen", kommentierte ein Händler an der Wall Street das Geschehen.

Für eine Verbesserung der Stimmung sorgten die Zahlen von Lehman Brothers. Die US-Investmentbank hat im ersten Quartal den Gewinn massiv gesteigert und die Erwartungen des Marktes deutlich übertroffen.

Die Aktie des Telekommunikationsausrüsters Nortel Networks  gab dagegen weiter nach. Im Rahmen einer Bilanzprüfung waren am Vortag der Finanzchef und ein weiterer Spitzenmanager entlassen worden, die Aktie war daraufhin eingebrochen.

Dax schwankt stark

Der Dax , der am Vormittag bis auf 3780 Zähler gefallen war, legte im Schlepptau der US-Börsen wieder 0,8 Prozent auf 3842 Zähler zu. Innerhalb von sechs Handelstagen hatte der Index knapp zehn Prozent verloren.

"Bereits vor den Anschlägen hatte eine Konsolidierung begonnen, und der Terror in Madrid hat diese Tendenz beschleunigt", sagte ein Händler. "Der Markt war anfällig für schlechte Nachrichten und ist es noch immer", fügte er hinzu.

Bringt Alan Greenspan Ruhe in den Markt?

Anleger hoffen nun auf Alan Greenspan. Neue US-Konjunkturdaten dürften wenig Einfluss auf die US-Notenbank haben, die am Dienstag über die Leitzinsen berät. Die Daten wiesen auf eine Erholung des verarbeitenden Gewerbes und auf die Geschäftsbedingungen der Industrie im Großraum New York.

Die Entscheidung der Fed wird am Dienstag gegen 20.15 Uhr MEZ bekannt gegeben. Eine Veränderung der Zinsen von derzeit 1,0 Prozent gilt aber als unwahrscheinlich. Börsianer hoffen jedoch darauf , dass Alan Greenspan mit einer geschickten Formulierung die Stimmung an den Märkten wieder verbessert.

Allianz und Münchener Rück im Blick

Allianz vor Zahlen im Blick

In Deutschland blicken Anleger bereits jetzt auf die Titel des Rückversicherers Münchener Rück . Der Konzern meldet am Mittwoch Zahlen. Einen Tag später folgt die Allianz  mit ihrer Bilanzpressekonferenz.

Mit einem Minus von fünf Prozent auf 90 Euro waren die Aktien der Allianz  gestern der größte Dax-Verlierer. Börsianer machten vor allem Spekulationen um hohe Verluste bei der Tochter Dresdner Bank hierfür verantwortlich.

Allianz  wie Münchener Rück  gehörten am Dienstag wieder zu den Gewinnern im Dax. Auf dem deutlich erniedrigten Kursniveau steigen bereits wieder einige Investoren ein. Doch der Handel bleibe sehr nervös, sagte ein Händler.

Tui: Verluste trotz bestätigter Prognose

Besonders unter Druck sind Versicherungswerte und Titel aus der Reisebranche. Die Titel von Tui  verloren am Montag knapp fünf Prozent, und die Aktie der Lufthansa  verbilligte sich um 2,4 Prozent.

Weder Tui noch der Konkurrent Thomas Cook, ein Gemeinschaftsunternehmen von Lufthansa und KarstadtQuelle , beobachteten aber eigenen Angaben zufolge bislang Veränderung im Buchungsverhalten.

Was für schwächere Kurse spricht

"Die US-Börsen hatten bereits vor den Anschlägen in Madrid deutlich nachgegeben", betonte ein Händler. "Die Bewertungen waren offenbar der Konjunktur davongelaufen." Vor allem der schwache Arbeitsmarkt in den USA lasse Zweifel an der Nachhaltigkeit der Erholung aufkommen.

Hinzu kommen die gestiegenen Ölpreise, das steigende Defizit in der US-Handelsbilanz, die gestiegenen Bewertungen am Markt sowie die Aussicht, dass die US-Unternehmen im ersten Quartal 2004 ihre Gewinne nicht mehr so deutlich steigern können wie im vierten Quartal 2004. Das Risiko, dass die US-Wirtschaft trotz Niedrigzinsen und Steuergeschenken in den nächsten Monaten an Schwung verliert, ist nicht zu unterschätzen.

Verluste in Europa übertrieben?

Verluste in Europa übertrieben?

Nach Ansicht von Händlern sind die deutlichen Verluste im Dax auch charttechnisch motiviert. Der Index habe sich in den vergangenen Monat sehr gut entwickelt und gebe nun stärker ab als andere Indizes. Zudem würden zahlreiche Stopp-Loss-Aufträge ausgelöst, was den Abwärtstrend beschleunige.

Händler Norbert Pütz von der Postbank betrachtet die Anschläge daher nicht als Ursache, sondern lediglich als Auslöser für die Verkäufe. Mit dem Kursrutsch ist auch die Volatilität wieder deutlich gestiegen. "Sobald die US-Futures wieder deutlich ins Plus drehen, könnten wir bereits heute eine Kurserholung sehen", sagte ein Händler der Deutschen Bank.

Volkswirte streiten über Auswirkungen der Anschläge

Einige Volkswirte halten die Auswirkungen der Anschläge auf die Börsen für übertrieben. "Ich sehe im Augenblick keinen Anlass, wirtschaftlich von einer nennenswerten Bedrohung auszugehen", sagte Wirtschaftsforscher Klaus Zimmermann am Montag. Das DIW bleibe bei der Prognose von 1,4 Prozent Wachstum in Deutschland 2004.

Commerzbank-Chefvolkswirt Ulrich Ramm zeigte sich pessimistischer: "Ich befürchte, dass es einen messbaren Dämpfer für die Konjunkturhoffnungen geben wird." Betroffen könnten vor allem die Branchen Tourismus und Verkehr sein. "Die Terrorgefahr trifft uns gerade in einer Konsolidierungsphase des Aufschwungs." Allerdings sei es noch zu früh, um dies mit Sicherheit beurteilen zu können.

Tokio hält Verluste in Grenzen

Tokio: Neue Intervention der BoJ?

Hoffnung für Anleger bereitet die relative Stärke der Börsen in Asien. Die Aktienbörse in Tokio hat trotz der schwachen Vorgaben aus den USA und Europa ihre Verluste in Grenzen gehalten. Der Nikkei-Index für 225 Standardwerte fiel um 0,7 Prozent, hielt sich aber deutlich über der Marke von 11.200 Punkten.

Ein Rekordgewinn des Kameraherstellers Canon hat die Stimmung in der Technologiebranche gestützt. Der Index hat daraufhin nur einen Teil seiner Vortagesgewinne wieder abgegeben.

Der Dollar notierte zum Yen leichter mit 110,14-16 Yen nach 110,81-84 Yen am späten Vortag. Händler gingen davon aus, dass die japanische Notenbank erneut am Devisenmarkt interveniert habe. Der Euro lag zum Dollar gut behauptet bei 1,2268-70 Dollar nach 1,2266-68 Dollar am späten Vortag.

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