Steigende Preise Lohn reicht nicht mehr - Inflation stresst ein Drittel der Arbeitnehmer

Zweistellige Inflationsraten in Deutschland? Experten schließen das nicht aus. Doch schon jetzt kommt ein Drittel der Arbeitnehmer wegen der Preisrallye nicht mehr mit dem Gehalt aus. Das hat vor allem zwei Konsequenzen, zeigt eine Umfrage.
Für das gleiche Geld weniger im Einkaufskorb: Auch Lebensmittel haben sich in Deutschland rasant verteuert, viele Menschen müssen wegen der hohen Inflation Abstriche machen, denn die Löhne halten bei weitem nicht Schritt

Für das gleiche Geld weniger im Einkaufskorb: Auch Lebensmittel haben sich in Deutschland rasant verteuert, viele Menschen müssen wegen der hohen Inflation Abstriche machen, denn die Löhne halten bei weitem nicht Schritt

Foto: Fabian Sommer / dpa

Die steigenden Lebenshaltungskosten machen den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Deutschland zu schaffen: Jeder dritte Berufstätige kommt laut einer Umfrage mit dem eigenen Gehalt nicht mehr über die Runden. Besonders betroffen sind Arbeitnehmer mit einem Nettoeinkommen von unter 2000 Euro, wie die Jobseite Indeed mitteilte. Deren Umfrageergebnisse lagen der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag vor. Repräsentativ befragt wurden 1000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Lieferengpässe für viele Waren und Produkte - teils bedingt durch die anhaltenden Lockdowns in China - sowie rasant steigende Energiekosten im Zuge des Krieges in Osteuropa haben die Inflationsraten weltweit in die Höhe getrieben. In Deutschland betrug die Preissteigerung zuletzt 7,4 Prozent, Experten schließen zweistellige Inflationsraten auch in Deutschland nicht aus. Fragt man die Deutschen nach der Teuerungsrate, schätzen sie diese angesichts des eigenen Konsums auf 14 Prozent. Ein Fünftel der Bevölkerung erwartet in naher Zukunft gar Inflationsraten von bis zu 20 Prozent, wie zuletzt Meinungsforscher von Ipsos bilanzierten.

Die Bundesregierung versucht der Inflation zumindest vorübergehend die Spitzen zu nehmen und die Bürger zu entlasten: So soll der Steuersatz für Kraftstoffe von Juni bis Ende August deutlich sinken und jeder steuerpflichtige Erwerbstätige einmalig eine Energiepreispauschale in Höhe von 300 Euro als Zuschuss zum Gehalt ausgezahlt bekommen, der allerdings zu versteuern ist.

Kritiker bewerten derlei einmalige Hilfen eher als Tropfen auf den heißen Stein, denn viele Experten gehen davon aus, dass die Inflation selbst bei steigenden Leitzinsen auch in der Eurozone nicht von heute auf morgen verschwinden wird. Vielmehr stünden die Volkswirtschaften und damit auch die Verbraucher vor einer lang anhaltenden inflationären Phase.

Angesichts dieser Inflationserwartungen auch in weiten Teilen der Bevölkerung verwundert es wenig, dass Beschäftigte einen Wechsel in einen besser bezahlten Job erwägen oder deutliche Lohnsteigerungen einfordern. So würden 47 Prozent der Befragten ihren Job für eine höhere Bezahlung wechseln. Und mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) wolle aufgrund der hohen Inflation eine Lohnerhöhung fordern, heißt es in der aktuellen Umfrage. Fünf Prozent seien diesen Schritt bereits gegangen, lediglich knapp ein Drittel der Befragten wolle trotz der hohen Teuerungsrate nicht über einen höheren Lohn verhandeln.

Mehrheit hält 10 Prozent mehr Lohn für angemessen ...

Knapp die Hälfte der Berufstätigen würde demnach eine Gehaltserhöhung von sechs bis zehn Prozent als angemessen empfinden. Knapp jeder Vierte würde sogar eine Lohnerhöhung von elf bis 15 Prozent fordern.

54 Prozent der Beschäftigten würden die Lohnforderung im Gespräch mit der Chefin oder dem Chef mit der aktuell hohen Inflation begründen, 43 Prozent würden auf die eigene Leistung verweisen. 28 Prozent würden außerdem mit der eigenen Arbeitserfahrung argumentieren. Auch ein steigendes Arbeitspensum (24 Prozent) sowie der Fachkräftemangel (22 Prozent) würden von den Arbeitnehmern als Argumente genutzt werden.

... doch 70 Prozent der Arbeitgeber drücken sich vor Inflationsausgleich

Die meisten Arbeitgeber sorgen laut der Umfrage bisher nicht für einen Inflationsausgleich: In 70 Prozent der Fälle gab es bisher keine Gehaltserhöhungen. Lediglich in elf Prozent der Unternehmen wurden Löhne erhöht, eine Sonderzahlung gab es bei zehn Prozent.

rei mit AFP
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