Millionen für Greenfield One Krypto-Milliardär Mike Novogratz steigt in Berliner Blockchain-Fonds ein

Die Berliner Investmentgesellschaft Greenfield One hat 135 Millionen Euro eingesammelt. Zu den Geldgebern gehören US-Krypto-Pionier Mike Novogratz und Konzerne wie Commerzbank und Swisscom.
Glückliche Greenfield One-Gründer: Jascha Samadi (links) und Sebastian Blum freuen sich über prominente Geldgeber

Glückliche Greenfield One-Gründer: Jascha Samadi (links) und Sebastian Blum freuen sich über prominente Geldgeber

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Dominik Tryba

Der Ansturm von Wagniskapitalgebern auf Krypto-Startups  erreicht in Europa eine neue Dimension: Greenfield One aus Berlin hat 135 Millionen Euro für ihren dritten Fonds eingesammelt, das macht ihn nach Angaben des Unternehmens zum größten Krypto-Fonds Europas. Der erst im Dezember 2020 geschlossene Vorgänger war nur 50 Millionen Euro schwer.

Erstmals bei Greenfield One an Bord ist der US-Millardär Mike Novogratz, Gründer der auf Kryptowährungen spezialisierten Investmentgruppe Galaxy Digital in New York. Er investiert über seinen Dachfonds Galaxy Vision Hill. Der Einstieg zeigt das Interesse von US-Finanzdienstleistern an den Blockchain-Entwicklern in Europa. Novogratz ist (gemeinsam mit Selfmade-Milliardär Christian Angermayer)  Mitgründer der in Malta registrierten Cryptology Asset Group und auch hierüber auf dem alten Kontinent aktiv.

Bitcoin-Banker: Mike Novogratz war Star-Händler bei Goldman Sachs und Hedgefonds-Manager bei Fortress. Seine Finanzgruppe Galaxy Digital in New York gehört zu den größten Tradern von Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum.

Bitcoin-Banker: Mike Novogratz war Star-Händler bei Goldman Sachs und Hedgefonds-Manager bei Fortress. Seine Finanzgruppe Galaxy Digital in New York gehört zu den größten Tradern von Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum.

Foto: LUCAS JACKSON / REUTERS

Doch auch diesseits des Atlantik wollen immer mehr Unternehmen in Blockchain-Startups anlegen. "2021 sind viele aufgewacht in Europa", sagt Fonds-Mitgründer Jascha Samadi. In den Fonds investierten mehrere Konzerne jenseits der enger definierten Techbranche, so wie die Commerzbank-Tochter CommerzVentures und der Schweizer Telekommunikations-Marktführer Swisscom.

Bereits im zweiten Greenfield-One-Fonds war Bertelsmann Investments engagiert, die nun erneut dabei sind. Zu den Bestandsinvestoren gehört auch das Hamburger Multi-Family-Office Lennertz & Co.

"Mit der Blockchain entsteht eine Technologie, die alle Unternehmen berührt", sagt Samadi. Da helfe es Konzernen, Beziehungen zu entwickeln, über die Wissenstransfer entstehen könne.

Investiertes Kapital bei den ersten beiden Fonds mehr als verzehnfacht

Viele Investoren dürfte auch die üppige Rendite der ersten beiden Greenfield-One-Fonds angezogen haben, die das Anlegergeld mehr als verzehnfacht haben. Die genaue Rendite verrät Samadi nicht.

Es zahlte sich aus, dass Greenfield One auf den Trend zu sogenannten dezentralen Finanzdienstleistungen gesetzt hat. Dabei bieten Startups Kredite, Wertpapierhandel oder Investments innerhalb von Blockchain-Netzwerken an. Zu den größten Treffern gehört die auf Mobiltelefone ausgerichtete Kryptoplattform Celo, bei der auch die Deutsche Telekom engagiert ist.

Ein weiterer Wertsteigerer war Dapper Labs, Schöpfer des Kryptonetzwerks Flow, das bei Entwicklern von "Non-fungible Token" (NFT) beliebt ist, mit denen sich Eigentumsrechte auf der Blockchain eintragen lassen. Mit Flow werden insbesondere digitale Basketball-Sammelkarten gehandelt.  Der beste Deal im zweiten Fonds war das Unternehmen Sovereign, das sich anschickt, dezentrale Finanzdienstleistungen auf das langsame und deshalb schwer für solche Zwecke nutzbare Bitcoin-Netzwerk zu bringen.

Blockchain dominiert US-Frühphasen-Investments

Die Nachricht aus Berlin zeigt, dass die Begeisterung der in den USA beobachtete Venture-Capital-Fondsmanager für Krypto-Deals auf Europa übergreift. Bis Mitte Juli hatte sich vor allem in den USA die Zahl der VC-Investments in Decentralized-Finance-Unternehmen im Vergleich zum Gesamtjahr 2020 mehr als vervierfacht und die Marke von 200 Deals überschritten, geht aus den Daten des Researchhauses Pitchbook hervor. Schon im Sommer waren knapp 2 Milliarden Dollar in dieses Segment geflossen.

Im dritten Jahresviertel waren "DeFi" und Blockchain-Unternehmen ("Web 3.0") sogar das beliebtestes Ziel für Frühphasen-Investments der 15 führenden Venture-Capital-Fonds, meldet Pitchbook. Allein in den drei Monaten bis Ende September flossen 1,3 Millionen Dollar frisches Kapital in solche Projekte.

In Europa gebe es viel weniger Fonds, die früh in Krypto-Startups anlegten, sagt Samadi. Greenfield One tritt mit den Entwicklerteams oft schon in Kontakt, noch bevor deren Projekte Dienste für Kunden erbringen oder eigene Kryptowährungen ausgegeben haben. Deshalb zeigt sich Samadi zuversichtlich, trotz der stark gestiegenen Bewertungen von Krypto-Währungen und -Firmen weiterhin günstige Anlagechancen zu finden.

Der neue Fonds setzt wie seine Vorgänger stark auf "DeFi". Zu den Investments gehören Paladin, das Kunden die Weitergabe von Stimmrechten bei Kryptonetzwerken ermöglichen soll; Brink, das von anderen Finanzmärkten bekannte Limit-Order mit bestimmten Kursgrenzen ermöglichen soll; und Darkblock, das eine Möglichkeit schaffen will, NFTs anzubieten, ohne dass die damit verbundenen Bilder wie bisher mit einem Klick für jedermann kopierbar werden.

Die Corona-Pandemie hat Samadi und seinem Co-Gründer Sebastian Blum bei der Investorenwerbung nach eigenen Angaben sogar genutzt. "Wir hatten viel mehr Investorengespräche pro Tag, weil jetzt keine persönlichen Besuche in London, München oder Zürich mehr erwartet werden." Das hilft besonders jetzt, da New York zu den potenziellen Reisezielen für Anlegerbesuche dazugekommen ist.

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