Computergestützte Anlage Wie Hedgefonds im Krypto-Crash profitierten

Billionen Dollar haben sich im jüngsten Krypto-Crash in Rauch aufgelöst. Doch nicht alle Akteure standen auf der Verliererseite. Einige computergestützte Hedgefonds kassierten offenbar groß ab.
Bitcoin im Crash: Allein die größte Cyberwährung verlor seit ihrem Höchststand im November rund 70 Prozent

Bitcoin im Crash: Allein die größte Cyberwährung verlor seit ihrem Höchststand im November rund 70 Prozent

Foto: imageBROKER/Michael Weber / imago images/imagebroker

"Greife nie in ein fallendes Messer", lautet ein Börsenbonmot. Dennoch lässt sich bei abstürzenden Kursen an den Börsen gutes Geld verdienen. Selbst bei Krypto-Anlagen wie Bitcoin und Co, die zuletzt einen panikartigen Ausverkauf erlebten und längst unter Beobachtung der US-Börsenaufsicht SEC stehen. Während sich im jüngsten Krypto-Crash Billionen Dollar in Luft auflösten, gelang es offenbar einigen computergesteuerten Hedgefonds, durch Wetten auf fallende Kurse von den Turbulenzen zu profitieren.

Mithilfe von komplexen mathematischen Modellen und Algorithmen versuchen die Hedgefonds, Kursbewegungen von Kryptowährungen und anderen Märkten vorherzusagen und daraus Kapital zu schlagen. Nach einem Bericht der "Financial Times"  gehört der ehemalige Lehman Brothers- und Morgan Stanley-Händler Jay Janer  zu jenen, denen dieses Kunststück in der Vergangenheit gelungen ist. Janer ist Gründungspartner von KPTL Arbitrage Management  mit Sitz auf den Cayman Islands.

"Wir haben mit Luna gutes Geld verdient. Es ist wunderbar, einen Markt zu haben, der sich so stark bewegt"

Jay Janer, Hedgefondsmanager

Sein Appia-Fonds , der strategisch auf steigende und fallende Krypto-Futures-Preise setzt, profitierte vom 40-Milliarden-Dollar-Crash der frei handelbaren Cyberwährung Luna im vergangenen Monat. Sein computergesteuerter Fonds platzierte Wetten auf fallende Preise - sogenannte Short-Positionen -, um von dem raschen Rückgang des Krypto-Tokens zu profitieren. Luna stürzte innerhalb weniger Tage von 80 Dollar auf nahezu Null ab. "Wir haben mit Luna gutes Geld verdient", zitiert die "FT" Janer, der seinem LinkedIn-Profil zufolge in Sao Paulo lebt. "Das Modell folgte dem, was auf dem Markt passierte. Der Markt kollabierte, und das Modell stieg ein."

Janers Fonds hatte auch gegen Bitcoin und Ether gewettet, bevor er kleinere Token ins Visier nahm. Wo es richtig kracht, scheint sich der Absolvent der US-Elite-Uni Stanford wohlzufühlen: "Es ist wunderbar, einen Markt zu haben, der sich so stark bewegt."

Sein Fonds hat seit Jahresbeginn um rund 20 Prozent zugelegt, während Hedgefonds laut Datenlieferant HFR in den ersten fünf Monaten dieses Jahres im Schnitt 2,9 Prozent verloren. Dem Bericht zufolge soll auch der in London ansässige Vermögensverwalter Atitlan Asset Management  vom Krypto-Crash profitiert haben, nachdem seine Algorithmen, die nach handelbaren Marktmustern suchen, Short-Positionen in Luna-Futures eingegangen waren.

Für die meisten Krypto-Anleger dagegen war das Jahr bislang mit großen Schmerzen und extremen Verlusten verbunden. Der Bitcoin hat seinem Rekordhoch von 69.000 Dollar im November rund 70 Prozent seines Wertes verloren, während der Wert aller Kryptowährungen parallel von 3,2 Billionen Dollar auf zuletzt weniger als eine Billion Dollar zusammensackte.

Quantitative Hedgefonds, deren Betreibern es relativ gleich ist, ob Kurse steigen oder fallen, bot sich hingegen mit dem jüngsten Preisverfall und der steigenden Volatilität offenbar eine lukrative Anlagemöglichkeit. Einige größere Player im Markt seien in den vergangenen Jahren bewusst in Nischenmärkte wie Krypto-Futures vorgestoßen, um verstärkten Wettbewerb zu entgehen und höhere Renditen einzufahren.

Auch Leda Braga, Gründerin von Systematica Investments , habe laut "FT" vom Ausverkauf bei Bitcoin und Ether profitiert. Ihr 6,7 Milliarden Dollar schwerer Alternative Markets-Fonds hat im laufenden Jahr rund 16 Prozent zugelegt. Systematica selbst wollte sich zu möglichen Gewinnen mitten im Krpyto-Crash nicht äußern. Etwas gesprächiger zeigte sich dagegen Doug Greenig , Gründer des ebenfalls in London ansässigen Hedgefonds Florin Court . "Unsere Short-Positionen in Kryptowährungen waren in letzter Zeit starke Märkte für uns", sagte Greenig, dessen Fonds in diesem Jahr um rund 15 Prozent gestiegen ist.

rei
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.