Netzagentur-Chef Gaspreise könnten Plateau erreicht haben

Obwohl Nord Stream 1 abgeschaltet ist, sind die Gaspreise in dieser Woche kaum gestiegen. Netzagentur-Chef Müller zufolge könnte das Preisniveau die Spitze erreicht haben, da der Ausfall russischer Gas-Lieferungen jetzt eingepreist ist.
Hoffnung auf ein Ende der Preisrally: Klaus Müller hält es für möglich, dass Russlands Ausfall beim Gaspreis bereits eingepreist ist

Hoffnung auf ein Ende der Preisrally: Klaus Müller hält es für möglich, dass Russlands Ausfall beim Gaspreis bereits eingepreist ist

Foto: Christophe Gateau / dpa

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller (51), hält es für möglich, dass die Gaspreise aktuell ein Plateau erreicht haben. "Es hat in dieser Woche keinen signifikanten Preissprung mehr gegeben, obwohl Nord Stream 1 abgeschaltet wurde", sagte Müller der "Bild am Sonntag". "Das könnte bedeuten, dass die Märkte den Ausfall russischer Gas-Lieferungen bereits eingepreist und wir ein Gas-Preis-Plateau erreicht haben." Ob diese höheren Preise, "die wir der russischen Gas-Reduzierung verdanken", kurzfristig weitergegeben werden müssten, sei noch nicht entschieden.

Seit Juni hatte der russische Energiekonzern Gazprom die Gaslieferungen durch die Pipeline Nord Stream 1 in der Ostsee deutlich gedrosselt und dies mit einer fehlenden Turbine begründet, die in Kanada gewartet wurde. Wegen der infolge des Ukraine-Kriegs erlassenen Sanktionen weigerte sich Kanada zunächst, die Turbine an Russland zurückzugeben – entschied sich dann aber doch dafür, das Aggregat stattdessen an Deutschland zu übergeben.

Seit Montag nun wird durch Nord Stream 1 wegen Wartungsarbeiten kein Gas mehr geliefert. Die Arbeiten sollen bis zum 21. Juli dauern. Mehrere westliche Politiker äußerten sich skeptisch, ob Russland anschließend wieder Gas liefern wird.

Im Notfall muss Deutschland Gas an Nachbarn liefern

Müller sagte, im Fall einer Gas-Mangellage müsse sich Deutschland seinen Nachbarstaaten gegenüber solidarisch verhalten und im Notfall auch Gas aus deutschen Speichern für die Versorgung der kritischen Infrastruktur in anderen Ländern bereitstellen. "Wir haben unseren Nachbarn gegenüber eine Solidaritätsverpflichtung und sind gut beraten, sie nicht zu verletzen", sagte er. "So wie wir gerade von den Flüssiggas-Häfen in Belgien und den Niederlanden profitieren, stehen wir auch in der Pflicht, in einer Notlage bei der Versorgung von privaten Haushalten oder Krankenhäusern unseren Nachbarländern zu helfen."

dri/dpa
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