Keine Mehrheit im Senat Fed-Job rückt fern für Trumps Goldnärrin Judy Shelton

US-Präsident Donald Trump will seine Kandidatin für die Führungsetage der US-Notenbank Fed durchsetzen, doch der Widerstand gegen die Nominierung ist groß. Auch frühere Fed-Mitarbeiter bitten die Senatoren, die Ökonomin abzulehnen.
Judy Shelton bei einer Anhörung vor dem Bankenausschuss des Senats im Februar

Judy Shelton bei einer Anhörung vor dem Bankenausschuss des Senats im Februar

Foto: J. Scott Applewhite/ AP

Gegen eine Nominierung der umstrittenen Kandidatin für einen Direktorenposten bei der US-Notenbank Fed, Judy Shelton (66), regt sich offenbar weiterer Widerstand. Shelton habe derzeit nicht die Unterstützung des Senats, um bestätigt zu werden, sagte der Republikaner John Thune (59) am Dienstag zu Journalisten. Man arbeite aber daran. Ende August hatte bereits eine Gruppe von ehemaligen Fed-Mitarbeitern ein Schreiben an die Senatoren mit der Bitte geschickt, Sheltons Ernennung abzulehnen. Zu der 38-köpfigen Gruppe gehören ehemalige Ökonomen, Anwälte und Notenbankpräsidenten. Sie stellen Sheltons Eignung für einen Posten bei der Fed infrage.

Shelton hatte im Juli die erste Hürde im parlamentarischen Verfahren genommen. Der Bankenausschuss des Senats ebnete damals mit 13 zu 12 Stimmen den Weg für die Nominierung der Ökonomin. Der mehrheitlich mit Republikanern besetzte Ausschuss prüfte ihre Qualifikation für den Job, bevor der gesamte Senat abschließend über die Personalie abstimmt. Auch dort haben Trumps Republikaner zumindest bis zur Wahl im November eine Mehrheit von 53 zu 47 Sitzen - doch offenbar können sie sich nicht geschlossen zu einem Votum für Judy Shelton durchringen. Bisher hatten nur die zwei Trump-kritischen Senatoren Susan Collins und Mitt Romney Opposition zu Shelton angemeldet.

Die frühere Wahlkampfunterstützerin von Präsident Donald Trump (74) hat sich in der Vergangenheit für eine Rückkehr zum Goldstandard ausgesprochen, den die USA 1971 aufgegeben hatten. Eine starre Bindung an Gold gilt den wenigen Anhängern als Garantie für stabile Preise. Allerdings sieht die überwältigende Mehrheit der Ökonomen den Preis dafür in einer deutlich instabileren Wirtschaft und dem Risiko schwerer Krisen. Dem damals noch relativ strikten Goldstandard wird eine große Rolle bei der Eskalation der Weltwirtschaftskrise ab 1929 zugeschrieben - und auch die Erfolgsbilanz für Preisstabilität eher kritisch gesehen.

Trump hat die Fed immer wieder hart kritisiert, da sie seiner Ansicht nach die Zinsen nicht rasch und umfangreich genug senkte. Shelton nannte diese Attacken "erfrischend" - obwohl sie zuvor eher eine straffere Geldpolitik mit höheren Zinsen gefordert hatte und nach wie vor die Rolle der Fed als Stützerin der Finanzmärkte kritisch sieht. Die bereits im Januar 2019 nominierte Kandidatin hatte die Zentralbank mit der sowjetischen Planbehörde Gosplan verglichen und von der Aussicht auf ein neues Weltwährungssystem geschwärmt, das in Trumps privatem Florida-Resort Mar-a-Lago vereinbart werden könne.

Sollte Shelton letztlich in die Fed-Führungsetage einziehen, wäre sie eine von 19 Währungshütern. Kritiker des Präsidenten befürchten jedoch, dass Trump die einstige Wahlkampfunterstützerin im Falle seiner Wiederwahl im November für die Nachfolge des derzeitigen Fed-Chefs Jerome Powell (67) auswählen könnte. Die Amtszeit von Powell, den Trump mehrfach verbal hart attackiert hatte, läuft 2022 ab. 

akn/Reuters
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