JPMorgan-Chef warnt Jamie Dimon sieht "Hurrikan" auf US-Wirtschaft zukommen

Es wird ungemütlich für die US-Wirtschaft. "Dieser Wirbelsturm ist da draußen und kommt auf uns zu", sagt Jamie Dimon, Chef der US-Bank JPMorgan. Die Zinsen müssten deutlich steigen, um die Inflation zu stoppen. Doch die Gefahr einer Rezession und harten Landung ist groß.

"Seien Sie gewappnet": JPMorgan-Chef Jamie Dimon

"Seien Sie gewappnet": JPMorgan-Chef Jamie Dimon

Foto: JEENAH MOON / REUTERS

Als hätte es Jamie Dimon (66) geahnt: Kaum hatte der JPMorgan-Chef am Mittwoch vor einem aufziehenden "Hurrikan" für die weltgrößte Volkswirtschaft gewarnt, kam die US-Notenbank mit der Nachricht heraus, dass sich das Wirtschaftswachstum in den USA zuletzt abgeschwächt habe. Ein Vorbote des angeblichen Sturms?

Dimon, der immer wieder Mal die Märkte mit einer dunklen Warnung erschreckt, sieht die Wirtschaft jedenfalls mit einer gefährlichen Kombination von Problemen konfrontiert: etwa aus hoher Inflation, drastischen Zinssenkungen der US-Notenbank Fed und dem Krieg in Osteuropa. "Dieser Wirbelsturm ist da draußen und kommt auf uns zu", warnte Dimon auf einer Bankentagung . "Wir wissen nicht, ob es ein kleinerer Sturm ist oder ein Supersturm Sandy. Seien Sie gewappnet." Damit reiht sich Dimon ein in eine wachsende Zahl einflussreicher Profi-Investoren, die mit einem weiteren Abschwung an der Börse rechnen und dafür entsprechende Krisen-Strategien entworfen haben.

Die eigenen Ökonomen der größten US-Bank hatten im vergangenen Monat ihre Wachstumserwartungen für die nächsten drei Halbjahre jeweils um rund 0,6 Prozentpunkte gesenkt und gehen davon aus, dass die Wirtschaft im zweiten Halbjahr 2023 mit 1 Prozent nahezu stagnieren wird. Als Gründe nannten sie fallende Aktienkurse, höheren Hypothekenzinsen und einen im Vergleich zu den Handelspartnern stärkeren Dollar. Dimon erklärte, seine Bank bereite sich auf diese Turbulenzen vor, indem sie mit ihrer Bilanz "konservativ" umgehe.

Die Fed steht unter Druck, einer Inflationsrate Einhalt zu gebieten, die im April mit 8,3 Prozent mehr als das Vierfache ihres Ziels von 2 Prozent erreicht hat und die amerikanischen Konsumenten zusehends belastet. Zwar versicherte Fed-Chef Jerome Powell (69) zuletzt, den Preisauftrieb notfalls "aggressiv" zu bekämpfen. Doch muss er das Kunststück vollbringen, die Nachfrage so zu dämpfen, dass die Inflation zurückgeht, ohne zugleich eine Rezession auszulösen. Das ist in der Vergangenheit allerdings nur selten gelungen.

Die Fed müsse jetzt die Zinsen erhöhen und die Anleihekäufe weiter deutlich zurückfahren. "Sie haben keine Wahl, weil so viel Liquidität im System ist“, ist Dimon überzeugt .

US-Präsident Biden steht wegen der Inflation unter Druck

Der Kampf gegen die Inflation beschäftigt längst auch US-Präsident Joe Biden (79), dessen Umfragewerte sinken. Bei einem Treffen mit Fed-Chef Powell zu Wochenbeginn versprach er größte Anstrengungen der US-Regierung im Kampf gegen die Preissteigerungen. Zugleich versicherte er aber auch, sich nicht in die Politik der Federal Reserve einzumischen. Steigende Preise belasten die US-Verbraucher massiv und könnten für den US-Präsidenten zu einem Problem bei den Zwischenwahlen im November werden, wo die Demokraten dann womöglich die Mehrheiten im Kongress verlieren könnten.

Verlieren die US-Amerikaner an Kaufkraft oder schlittern geradewegs in die Rezession, ist dies willkommene Munition für die Republikaner. Sie werfen Biden vor, mit milliardenschweren Hilfspaketen für die Wirtschaft in der Corona-Pandemie die Inflation befeuert zu haben. Demokraten verweisen umgekehrt darauf, dass Biden genau damit eine lange und tiefe Rezession in den USA abgewendet habe.

Die zentrale Frage, die Experten daher beschäftigt, ist, ob der US-Wirtschaft nun eine harte oder sanfte Landung bevorsteht. Charles W. Scharf (57), Chef der US-Bank Wells Fargo, betonte während der Bankenkonferenz: "Das Szenario einer sanften Landung ist in der Umgebung, in der wir uns heute befinden, äußerst schwierig zu erreichen."

Gut möglich also, dass es doch noch ziemlich stürmisch wird.

rei
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.