Folgen des Ukraine-Krieges Nudeln, Reifen, Milchprodukte – diese Produkte werden teurer

In Deutschland bekommen Unternehmen und Verbraucher die Folgen des Ukraine-Krieges immer stärker zu spüren. Angesichts von Rohstoffmangel, Störungen in der Lieferkette und den explodierenden Energiekosten kündigen immer mehr Firmen Preiserhöhungen an.
Leere Regale: Hamsterkäufe verschlimmern die Versorgungslage

Leere Regale: Hamsterkäufe verschlimmern die Versorgungslage

Foto: Sven Hoppe/ dpa

Unternehmen und Verbraucher bekommen die Folgen des Ukraine-Krieges immer stärker zu spüren. Im März lag die Inflation in Deutschland bereits bei 7,3 Prozent – so hoch waren die Verbraucherpreise in den alten Bundesländern zuletzt im Herbst 1982. Rohstoffe werden knapper und damit teurer, die Öl- und Gaspreise steigen in ungeahnte Höhen und Verbraucher verschlimmern die Lage zusätzlich mit Hamsterkäufen. Und das alles vor dem Hintergrund der durch die Corona-Krise ohnehin gestörten Lieferketten. Immer mehr Unternehmen sehen sich daher gezwungen, die gestiegenen Kosten an ihre Kunden weiterzugeben. Nach Flugtickets, Lebensmitteln wie Fleisch, Wurst und Butter oder auch den Elektroautos sind nun folgende Produkte betroffen:

Autoreifen: Preiserhöhungen im zweistelligen Bereich

Hohe Kosten für Herstellung und Transport sowie Materialengpässe treiben die von den Herstellern aufgerufenen Preise für Autoreifen, wie der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV) erklärt. Teilweise seien angesichts des Ukraine-Krieges auch weitere Erhöhungen angekündigt, die "teilweise im zweistelligen Bereich liegen".

Die Reifenhersteller hätten ihre Preise bereits in den vergangenen Monaten wegen der stark gestiegenen Kosten für Rohstoffe, Energie und Transport sukzessive erhöht, sagt der BRV-Geschäftsführer Technik, Michael Schwämmlein. "Durch Versorgungsengpässe bei einigen Rohstoffen, wie Ruß oder synthetische Kautschuke, hat sich die Beschaffungssituation noch verschlechtert." Das werden auch die Kunden zu spüren bekommen: Allein aus betriebswirtschaftlichen Gründen müssten auch die Händler ihre Preise anpassen.

Eine Auswertung der Plattform Alzura Tyre24 ergab für die Einkaufspreise der Reifenhändler und Kfz-Werkstätten im Schnitt des Februar und März eine Steigerung von gut 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dabei hatten die Preise schon vergangenes Jahr im Schnitt um rund 6,5 Prozent zugelegt.

Nudeln: Preise steigen wegen Ernteausfällen und Hamsterkäufen

Der Krieg in der Ukraine hat laut dem Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS) massive Auswirkungen auf die Teigwarenhersteller in Deutschland. Der Krieg habe die durch die Corona-Pandemie ohnehin schon angespannte Lage nochmals verschärft, teilte Peter Haarbeck, Geschäftsführer des VGMS, mit.

Betroffen seien die Energieversorgung, Rohstoffbeschaffung, Verpackung und Logistik. Die Unternehmen müssten die gestiegenen Kosten bei ihrer Preisfindung berücksichtigen, andernfalls wäre ihr Fortbestehen nicht möglich, so Haarbeck. Wie hoch die Preiserhöhungen am Ende ausfallen, könne er nicht sagen.

"Da auch wir schon jetzt höhere Preise für unsere hochwertigen Rohstoffe bezahlen müssen, ist eine Preiserhöhung unumgänglich", teilte eine Sprecherin des schwäbischen Maultaschen- und Spätzleproduzenten Bürger mit. Das Unternehmen aus Ditzingen (Kreis Ludwigsburg) befinde sich momentan in Preisverhandlungen mit seinen Handelspartnern. Rohwaren, Verpackungsmaterialien, aber auch die Transportkosten stiegen extrem. Lieferanten seien aktuell schon nicht mehr in der Lage, Bürger zu den vereinbarten Konditionen zu beliefern, so die Sprecherin.

Ein ähnliches Bild zeichnet Mike Hennig, Geschäftsführer von Teigwaren Riesa. Der Konflikt in der Ukraine und die damit zusammenhängenden wirtschaftlichen Auswirkungen dramatisierten die aktuelle Lage erheblich. Das Unternehmen aus Riesa (Kreis Meißen) werde auf die aktuellen Entwicklungen reagieren müssen, um die Krise zu überstehen. "Unsere Kunden und Verbraucher müssen mit höheren Preisen für Lebensmittel rechnen", so Geschäftsführer Hennig.

Nudeln werden aus Hartweizengrieß hergestellt. Anders als beim Weichweizen sei Deutschland beim Hartweizen auf Importe angewiesen, erklärte VGMS-Geschäftsführer Haarbeck. Für die globale Versorgung mit Hartweizen spielten Russland und die Ukraine jedoch keine große Rolle. Dennoch gebe es Probleme mit der Versorgung von Hartweizen. So sei die Ernte in Kanada, dem wichtigsten Exporteur, im vergangenen Jahr nach einem sehr heißen und trockenen Sommer stark zurückgegangen. Die allgemeine Verunsicherung auf den Rohstoffmärkten und die hohe Nachfrage nach Getreide insgesamt hätten nun auch den Preis für Hartweizen steigen lassen – wenn auch bei Weitem nicht so stark wie beim Weichweizen.

Derzeit kämen die Teigwarenhersteller kaum hinterher, die Nachfrage aus dem Einzelhandel zu bedienen. "Wie zu Beginn der Pandemie kaufen die Menschen große Mengen Nudeln, weil sie sehr gut lagerfähig sind", sagte Haarbeck. Die Versorgung sei sichergestellt, kauften die Menschen aber weit mehr als notwendig, bringe das die Logistik von den Herstellern bis zum Supermarkt an den Rand ihrer Kapazitäten.

Milchprodukte: "Die Milch wird knapp"

Nach den jüngsten Preiserhöhungen dürften Milchprodukte nach Einschätzung der Molkereiwirtschaft bald noch teurer werden. "Die Preise steigen in einem Ausmaß, das habe ich noch nicht erlebt", sagte der Hauptgeschäftsführer des Milchindustrie-Verbands, Eckhard Heuser, der "Mitteldeutschen Zeitung".

Die günstigste 250-Gramm-Packung Markenbutter kostet laut Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) derzeit 2,09 Euro, das sind 44 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. "Ich gehe davon aus, dass der Preis weiter steigt", sagte Heuser. Der Liter H-Milch koste 0,98 Cent. Heuser erwartet Preise von mehr als einem Euro in den kommenden Monaten.

Gründe für die Preiserhöhungen sind gestiegene Produktionskosten bei den Landwirten für Futtermittel, Dünger und Kraftstoff. Hinzukommt nach Angaben von Heuser: "Die Milch wird richtig knapp." Die Milchmenge sei insgesamt durch Futtermittelknappheit und Produktionsaufgaben bei Betrieben gesunken. Bauern erhielten derzeit im Bundesschnitt 43 Cent je Liter Milch. Einige Molkereien in Deutschland zahlen laut Heuser aber bereits 48 Cent.

mg/dpa-afx/AFP