Preissteigerung im Mai Inflation auf höchstem Niveau seit knapp 10 Jahren

Hohe Energiekosten haben die Verbraucherpreise im Mai so stark steigen lassen wie seit knapp 10 Jahren nicht mehr. Die Inflationsrate werde bis Ende 2021 weiter klettern, sagen Ökonomen.
Derzeit ein leeres Versprechen: Stark anziehende Rohölpreise treiben die Kosten für Energie und Sprit in die Höhe

Derzeit ein leeres Versprechen: Stark anziehende Rohölpreise treiben die Kosten für Energie und Sprit in die Höhe

Foto: Ina Fassbender/ dpa

Gestiegene Energiepreise haben die Inflation in Deutschland weiter angeheizt. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes stieg die Jahresteuerungsrate im Mai auf 2,5 Prozent. Das ist der höchste Wert seit September 2011. Im April hatte sie noch bei 2,0 Prozent gelegen und im März bei 1,7 Prozent. Seit dem Auslaufen der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung Ende 2020 sind die Verbraucherpreise den fünften Monat in Folge gestiegen.

Besonders tief in die Tasche greifen mussten Verbraucher im Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat für Energie, die sich um 10 Prozent verteuerte. Auch die zu Jahresbeginn eingeführte CO2-Abgabe von 25 Euro je Tonne ausgestoßenem Kohlendioxid (CO2), das beim Verbrennen von Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas entsteht, lässt die Preise fürs Heizen und Tanken klettern. Von April auf Mai 2021 stiegen die Verbraucherpreise den vorläufigen Berechnungen zufolge um 0,5 Prozent.

"Die Inflationsdynamik wird unterschätzt, die deutsche Teuerung zündet jetzt den Turbo"

Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel

Experten gehen davon aus, dass die Teuerungsrate in den kommenden Monaten weiter nach oben klettern wird. "Die Inflationsdynamik wird derzeit unterschätzt, die deutsche Teuerung zündet jetzt den Turbo", sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. "Da im vergangenen Jahr der Lockdown das Preisgefüge mächtig durcheinandergewirbelt hat und viele Produkte günstiger wurden, fällt jetzt im Jahresvergleich die Inflationsrate entsprechend hoch aus." Diese könnte in der zweiten Jahreshälfte "an die vier Prozent" heranreichen, erwartet der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding. Nicht zuletzt deshalb, weil die Preise in der zweiten Jahreshälfte 2020 von der zeitweise gesenkten Mehrwertsteuer gedrückt wurden und sich dieser Effekt dann umkehrt.

"Die großen Treiber der Inflation sind die Ölpreise"

Neben Energie als der große Preistreiber im Mai verteuerten sich Nahrungsmittel um 1,5, Dienstleistungen wiederum kosteten 2,2 Prozent mehr als noch vor Jahresfrist. Die Wohnungsmieten stiegen im Schnitt im Mai um 1,3 Prozent. Kraftstoffe wie Benzin kosteten etwa in Nordrhein-Westfalen 28,4 Prozent mehr als im Mai 2020.

"Die großen Treiber der Inflation sind die Ölpreise", sagte Schmieding. "Das liegt vor allem daran, dass vor einem Jahr die Ölpreise kurzfristig stärker in den Keller gerutscht waren als je zuvor." Damals steckte die Weltwirtschaft wegen der Corona-Pandemie in einer Rezession. Hinzu kommt, dass klimaschädliche fossile Brennstoffe seit Jahresbeginn mit 25 Euro pro Tonne CO2 belegt werden, was sie ebenfalls teurer macht.

"So sehr das Thema Inflation die Deutschen derzeit beschäftigt, es wird sich nur um ein vorübergehendes Phänomen handeln", ist sich Ökonom Gitzel sicher. "Im kommenden Jahr ist der Spuk vorbei." Deutschland, aber auch die Euro-Zone insgesamt dürften längerfristig eher mit zu niedrigen als mit zu hohen Teuerungsraten zu kämpfen haben. Das wisse auch die Europäische Zentralbank, ist der Ökonom überzeugt.

Die EZB pumpt viel billiges Geld in die Wirtschaft, um dieser nach der Corona-Rezession auf die Beine zu helfen und den Regierungen angesichts hoher Pandemie-Kosten eine günstige Refinanzierung zu ermöglichen. "Die EZB wird sich durch die kurzfristigen Schwankungen der Inflationsrate wohl nicht beirren lassen und ihre Politik nur langsam wieder normalisieren", sagte Schmieding.

rei/dpa-afx/Reuters
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