Lohnzuwachs verpufft Reallöhne sinken auch im zweiten Corona-Jahr

Die Corona-Krise hinterlässt Spuren bei den Reallöhnen der Arbeitnehmer in Deutschland. Zum zweiten Mal in Folge konnten 2021 die Lohnsteigerungen nicht die Preiserhöhungen ausgleichen. In diesem Jahr drohen erneut Reallohn-Einbußen.
Reallohn: In diesem Jahr drohen Einbußen

Reallohn: In diesem Jahr drohen Einbußen

Foto: Andreas Gebert/ dpa

Wegen der stärksten Inflation seit fast drei Jahrzehnten haben die deutschen Arbeitnehmer 2021 erneut Reallohneinbußen hinnehmen müssen. Die Bruttomonatsverdienste einschließlich Sonderzahlungen legten zwar um durchschnittlich knapp 3,1 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Die Verbraucherpreise wuchsen aber mit gut 3,1 Prozent etwas deutlicher. Dadurch sanken die Reallöhne um 0,1 Prozent. Im ersten Corona-Krisenjahr 2020 waren sie sogar um 1,1 Prozent gefallen. Damals ließ vor allem der vermehrte Einsatz von Kurzarbeit die Löhne sinken.

Wegen der gelockerten Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie wurde im vergangenen Jahr weniger Kurzarbeit in Anspruch genommen. "Dies führte zu gestiegenen Bruttomonatsverdiensten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, da sich die Wochenarbeitszeit wieder normalisierte und das Kurzarbeitergeld nicht zum Bruttoverdienst zählt", erklärten die Statistiker. Insgesamt habe sich die bezahlte Wochenarbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten um durchschnittlich 1,1 Prozent erhöht.

Inflation in diesem Jahr noch höher als 2021

In diesem Jahr drohen erneut Reallohn-Einbußen, da die Inflation noch stärker ausfallen dürfte als 2021. Das Ifo-Institut hat wegen teurer Energie seine Inflationsprognose auf von 3,3 auf 4,0 Prozent heraufgesetzt. Das wäre der stärkste Anstieg seit 1993 mit damals 4,5 Prozent. Grund für die Aufwärtskorrektur ist auch die aktuelle Ifo-Umfrage, nach der immer mehr Unternehmen ihre Preise weiter anheben wollen.

Manche Ökonomen befürchten, dass die Gewerkschaften wegen der höheren Inflation früher oder später deutlich kräftigere Lohnabschlüsse durchsetzen könnten, um Kaufkraftverluste einzudämmen. Stark steigende Personalkosten wiederum könnten Unternehmen dazu veranlassen, ihre Verkaufspreise kräftig anzuheben, um die Gewinnmarge zu halten. Dadurch könnte eine Spirale aus immer weiter steigenden Preisen und Löhnen in Gang gesetzt werden.

sio/reuters/dpa